Betrug, Netz

Betrug im Netz: Google rollt Fake-Call-Detektor im Juni aus

04.06.2026 - 14:20:51 | boerse-global.de

Phishing-Fälle steigen um 25 Prozent, Google führt Fake-Call-Erkennung ein. Ein Urteil stärkt Bankkunden bei Betrug.

Smartphone-Attacke: Behörden warnen vor Zero-Click-Bedrohung - Bild: über boerse-global.de
Smartphone-Attacke: Behörden warnen vor Zero-Click-Bedrohung - Bild: über boerse-global.de

Behörden und Technologiekonzerne reagieren mit neuen Warnungen und technischen Abwehrmaßnahmen.

Fake-Shops täuschen Verbraucher

Die Polizei im Kanton Zug und das Portal Cybercrimepolice.ch haben Anfang Juni aktuelle Warnungen veröffentlicht. Im Fokus: täuschend echt wirkende Online-Shops. Ein konkreter Fall betrifft einen angeblichen Räumungsverkauf im Namen des Elektronikhändlers Interdiscount. Betrüger locken mit stark reduzierten Preisen – und greifen dabei Zahlungsdaten ab.

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Auch Verbraucherschützer schlagen Alarm. Sie warnen vor Angeboten rund um die Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Mehrere Seiten bieten vermeintlich günstige Trikots und Fanartikel an. Die Risiken: Bestellungen werden nie geliefert oder es handelt sich um minderwertige Plagiate. Zu den verdächtigen Domains zählen bestsoccerstore.cc und fussballtrikot-guenstig.com. Experten raten, Impressum und URL genau zu prüfen – und bei ungewöhnlich hohen Rabatten misstrauisch zu sein.

Phishing-Welle: Fallzahlen explodieren

Die Statistiken zeigen das Ausmaß der Bedrohung. In der Schweiz registrierten die Behörden für 2025 insgesamt 7.409 Phishing-Fälle – ein Plus von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Fast jedes fünfte Cyberdelikt entfällt damit auf diesen Bereich. Auch das Bundeskriminalamt in Deutschland meldete einen Anstieg: Rund 96.400 Fälle von Betrug mit Konten und Zahlungskarten wurden erfasst, ein Plus von fünf Prozent.

Die finanziellen Folgen sind oft verheerend. Bei Messenger-Betrug liegt der durchschnittliche Schaden pro Fall in Deutschland bei 1.180 Euro. Ein besonders schwerer Fall aus Offenburg zeigt die Dramatik: Ein 60-jähriger Mann verlor zwischen März und Juni 2026 über 200.000 Euro – nach Kontaktaufnahme über eine Dating-Plattform.

Google kämpft gegen KI-Stimmen

Um der Bedrohung durch automatisierte Anrufe und KI-generierte Stimmen zu begegnen, rollt Google im Juni 2026 eine neue Sicherheitsfunktion für Android-Geräte aus. Die „Fake Call Detection“ prüft in Echtzeit über den RCS-Standard, ob ein Anruf von einem verifizierten Kontakt stammt. Fehlt die Verifizierung, wird der Nutzer gewarnt oder der Anruf blockiert.

Der Schritt kommt nicht zu früh. Interpol bezifferte die globalen Schäden durch Betrugsanrufe für 2025 auf 442 Milliarden US-Dollar.

Auch in der Softwareentwicklung gibt es Fortschritte: Der 19-jährige Vincent Nack entwickelte eine Software gegen sogenannte Schockanrufe. Auf staatlicher Ebene hat Hessen reagiert und zum 1. April 2026 eine zentrale Ansprechstelle beim Landeskriminalamt eingerichtet – unter anderem zur Bekämpfung sexualisierter Deepfakes.

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Banken haften bei Phishing – Urteil stärkt Kunden

Ein aktuelles Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz (Az. 8 U 682/24) stärkt die Position von Bankkunden. Das Gericht entschied im April 2026: Ein Kreditinstitut muss einem Kunden über 56.000 Euro erstatten, die nach einem Phishing-Angriff per Echtzeitüberweisung ins Ausland abgeflossen waren. Die Bank konnte grobe Fahrlässigkeit des Kunden nicht beweisen – also haftet sie.

Parallel dazu schließt Google im Rahmen des Juni-Patches insgesamt 124 Sicherheitslücken. Darunter die Zero-Day-Lücke CVE-2025-48595, die Geräte mit Android 14 bis 16 betraf. Experten betonen: Banken fragen niemals telefonisch nach PIN oder TAN. Im Verdachtsfall hilft der Sperr-Notruf 116 116.

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