Betelnuss: Ältestes Rauschmittel der Menschheit vor 25.000 Jahren
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 16:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen verändern das Verständnis über den frühen Konsum psychoaktiver Substanzen grundlegend. Eine in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlichte Studie der Griffith-Universität belegt, dass der Konsum von Betelnüssen in Sulawesi, Indonesien, bereits vor bis zu 25.000 Jahren stattfand. Damit gilt die Betelnuss nun als das älteste bekannte Rauschmittel der Menschheitsgeschichte. Sie löst damit Bier ab, dessen früheste Nutzung in Israel auf etwa 13.000 Jahre datiert wird.
Archäologische Funde in Sulawesi
Die Forschungsergebnisse stützen sich auf die Analyse von zwei Zähnen von Jägern und Sammlern, die auf der indonesischen Insel Sulawesi entdeckt wurden. Die Fundstücke weisen charakteristische tiefe Rillen auf, die laut den Wissenschaftlern durch das langjährige Lutschen ganzer Betelnüsse entstanden sind.
Einer der Zähne wird auf ein Alter von 25.000 bis 16.000 Jahren datiert und stammt aus der Fundstätte Leang Bulu Bettue. Berichten vom September 2026 zufolge konnte dieses Skelett einem Mann im Alter zwischen 40 und 50 Jahren zugeordnet werden.
Ein zweiter Fund aus der Stätte Leang Cappalombo 1 ist mit einem Alter von 7.600 bis 6.300 Jahren deutlich jünger, belegt jedoch die kontinuierliche Nutzung der Substanz über Jahrtausende hinweg. Die Zähne beider Individuen zeigen erhebliche Abnutzungserscheinungen, darunter tiefe Scharten und Löcher, die bis in die Zahnhöhle reichen.
Chemischer Nachweis psychoaktiver Wirkstoffe
Die physikalischen Spuren an den Zähnen wurden durch chemische Analysen ergänzt. Dabei wurde in den Proben Arecolin nachgewiesen, der primäre psychoaktive Wirkstoff der Betelnuss. Neben diesem Wirkstoff identifizierten die Forscher weitere Substanzen wie Vanillin, Cumin, Citral und Nikotin.
Zwei Zähne aus Sulawesi verändern, was wir über den frühen Drogenkonsum wussten: Betelnüsse wurden dort schon vor bis zu 25.000 Jahren gelutscht – rund 23.000 Jahre früher als bisher dokumentiert. Wer die neue Chronologie der Rauschmittel und die Wirkung von Arecolin verstehen will, findet hier die wichtigsten Fakten auf einen Blick. Kostenlosen Report zur Betelnuss-Forschung anfordern
Labortests im Rahmen der Untersuchung verdeutlichen die Wirkung dieser Konsumform. Demnach setzt das Saugen ganzer Betelnüsse eine ausreichende Menge an Arecolin frei, um die Hirnaktivität messbar zu verändern.
Die Studie ordnet den Beginn dieses Konsums damit nicht erst dem Neolithikum oder der Bronzezeit vor etwa 3.500 Jahren zu, sondern datiert ihn bereits in die Eiszeit. Dies entspricht einer zeitlichen Verschiebung der bisher dokumentierten Nutzung um rund 23.000 Jahre.
Einordnung in die globale Rauschmittelhistorie
Bisher galt der Konsum von Alkohol, insbesondere in Form von Bier vor etwa 13.000 Jahren, als der früheste Beleg für den Gebrauch von Rauschmitteln nach dem Aufkommen des Ackerbaus. Die neuen Daten aus Sulawesi zeigen jedoch, dass psychoaktive Substanzen bereits wesentlich früher Teil der menschlichen Kultur waren.
Im Vergleich zu anderen historischen Rauschmitteln ergibt sich durch die Studie eine neue Chronologie:
- Betelnuss: bis zu 25.000 Jahre (Indonesien)
- Bier: ca. 13.000 Jahre (Israel)
- San-Pedro-Kaktus und Mescalbohne: ca. 10.400 Jahre (Peru/Texas)
- Wein: ca. 10.000 Jahre (Georgien)
- Meskalin: ca. 10.000 Jahre (Peru)
- Psilocybin: ca. 8.000 Jahre (Sahara)
Rund ein Zehntel der Weltbevölkerung kaut heute Betelnüsse – nach Alkohol, Koffein und Nikotin die vierthäufigste psychoaktive Substanz. Die neuen Zahnfunde zeigen tiefe Scharten bis in die Zahnhöhle und werfen die Frage auf, was das jahrtausendealte Kulturgut für die Gesundheit bedeutet. Faktencheck Betelnuss jetzt herunterladen
Heute ist die Betelnuss nach Alkohol, Koffein und Nikotin die vierthäufigste psychoaktive Substanz weltweit. Schätzungen zufolge kaut rund ein Zehntel der Weltbevölkerung Betelnüsse, was die langanhaltende Bedeutung dieses bereits in der Eiszeit etablierten Kulturguts unterstreicht.
Die Griffith-Universität betont in ihrer Veröffentlichung vom September 2026, dass diese Erkenntnisse die bisherige Annahme revidieren, wonach der regelmäßige Konsum von Stimulanzien erst mit der Sesshaftwerdung des Menschen einsetzte.
Mehr zum Thema bei DER STANDARD: „High vor 25.000 Jahren: Bisher frühester Beleg für Drogenkonsum entdeckt - Archäologie“
