Senat, Terabyte

Berliner Senat gehackt: 5,79 Terabyte Daten im Darknet

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 21:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach verweigerter Bitcoin-Zahlung publiziert Rhysida Berliner Verwaltungsdaten. Der Angriff verzögerte Wohngeld und legte Sicherheitslücken offen.

Berlin: Rhysida veröffentlicht 5,79 Terabyte Senatsdaten
Ein leerer, modern gestalteter Flur in einem Berliner Verwaltungsgebäude mit steriler Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

Nach einer schwerwiegenden Cyberattacke auf die Netzwerke des Berliner Senats sind enorme Mengen interner Informationen an die Öffentlichkeit gelangt. Hacker der Gruppierung Rhysida haben rund 5,79 Terabyte an Daten entwendet und im Darknet veröffentlicht. Zuvor hatte das Land Berlin die Zahlung einer Lösegeldsumme in Millionenhöhe verweigert.

Ablauf der Infiltration und verweigerte Lösegeldzahlung

Der Zugriff auf die Systeme der Berliner Verwaltung erfolgte im August 2026. Den Angreifern gelang es zwischen dem 7. und 12. August, in zwei Senatsverwaltungen einzudringen. Nachdem die unbefugte Datenexfiltration entdeckt worden war, wurden am 14. August zwei Behördennetze vorsorglich abgeschaltet. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wurde am 26. August über den Vorfall in Kenntnis gesetzt.

Die für den Angriff verantwortliche Rhysida-Gruppe, die Experten im osteuropäischen oder russischen Raum verorten, forderte für die Entschlüsselung der Daten oder die Nichtveröffentlichung des Materials ein Lösegeld von 30 Bitcoin. Dies entsprach zum fraglichen Zeitpunkt einem Wert von etwa 2 Millionen Euro. Die Lösegeldfrist verstrich am 28. August, ohne dass der Senat der Forderung nachkam.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner verweigerte die Zahlung des Lösegelds. Auch der Chief Digital Officer (CDO) Florian Hauer erklärte, dass sich das Land Berlin der Erpressung nicht beugen werde.

Nachdem am 4. September keine Zahlung erfolgt war, begann die Hackergruppe mit der Veröffentlichung der gestohlenen Informationen. In der Nacht vom 5. auf den 6. September wurde ein drittes Datenpaket bereitgestellt. Insgesamt umfasst der Leak 1.439.893 Dateien.

Sicherheitsmängel und operative Auswirkungen auf die Verwaltung

Untersuchungen zum Einstieg der Angreifer deuten auf Sicherheitslücken im Bereich der menschlichen Interaktion hin. Laut BSI-Angaben erfolgte der Zugriff über TerminalFix beziehungsweise ClickFix. Medienberichten zufolge bildete eine Phishing-Mail den Ausgangspunkt des Angriffs, über den die Täter mittels eines ClickFix-Scams in die Systeme gelangten.

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Im Zuge der Analyse der betroffenen Infrastruktur wurden erhebliche Sicherheitsmängel sichtbar. In 21 Berliner Fachverfahren fanden Techniker fest im Quelltext hinterlegte Passwörter. Als Sofortmaßnahme wurden sämtliche Passwörter auf 16-stellige Kombinationen umgestellt. Zudem kaufte das Sicherheitsunternehmen CrowdStrike Ausrüstung für die Datenanalyse an.

Der Vorfall hat direkte Auswirkungen auf die Berliner Bürger und den Haushalt. Die Auszahlung von Wohngeld für rund 50.000 Haushalte verzögerte sich infolge der Netzwerkunterbrechungen. Zudem waren Dienste in den Bereichen Verkehrs-, Umwelt- und Wohnbeihilfe über mehrere Tage gestört.

Finanziell verschärft der Angriff die Lage der Berliner IT-Infrastruktur: Während 10 Millionen Euro für dringende Schutzmaßnahmen kurzfristig wegfallen, weist das IT-Dienstleistungszentrum Berlin (ITDZ) laut Medienberichten einen Investitionsmangel von 40 Millionen Euro auf.

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Sensible Informationen zu Drohnenflügen veröffentlicht

Unter den im Darknet kursierenden Dokumenten befinden sich hunderte Unterlagen, die Sicherheitsaspekte des Berliner Luftraums betreffen. Ein vertrauliches Dokument der Gemeinsamen Obersten Luftfahrtbehörde Berlin und Brandenburg aus dem November 2025 warnt davor, dass Drohnen jederzeit gefährliche Gegenstände in Sicherheitszonen einbringen könnten.

Statistiken aus den geleakten Daten belegen zudem eine hohe Drohnenaktivität über der Hauptstadt. Im Sommer 2025 wurden innerhalb von nur 19 Tagen rund 2.000 Drohnenflüge in der Nähe des Berliner Flughafens registriert.

Während eines Besuchs des ukrainischen Präsidenten verzeichneten die Behörden 50 verdächtige Fälle. Das Bundeskriminalamt lehnte eine Kommentierung dieser Vorgänge ab. Die Daten könnten nach Einschätzung von Beobachtern auch für ausländische Geheimdienste von Interesse sein.

Trotz des massiven Leaks betonten die Verantwortlichen, dass die Integrität der kommenden Wahlen nicht gefährdet sei. Die nächste Kommunalwahl ist für den kommenden Monat angesetzt. Die Rhysida-Gruppe ist bereits seit 2023 durch hunderte Angriffe bekannt, unter anderem auf das British Museum.

Vor dem Hintergrund steigender Bedrohungen forderte eine stellvertretende Vorsitzende des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) eine höhere Priorisierung der Cybersicherheit. Laut einer Umfrage des Verbandes ist bereits jedes fünfte Unternehmen in Deutschland von Cyberattacken betroffen.

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