Lehrkräfte, GEW-App

Berliner Lehrkräfte: GEW-App dokumentiert 100 Überstunden pro Jahr

Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 01:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine neue App der GEW Berlin soll die tatsächliche Arbeitszeit von Pädagogen dokumentieren und als Basis für Verhandlungen und rechtliche Schritte dienen.

GEW Berlin startet App zur Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte
Eine Lehrkraft nutzt eine App auf dem Smartphone zur digitalen Arbeitszeiterfassung an einem Schreibtisch im Klassenzimmer. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Debatte um die Arbeitsbelastung des pädagogischen Personals an Berliner Schulen erfährt durch eine neue Initiative der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) eine digitale Erweiterung. Wie der Landesverband Ende Juli 2026 bekannt gab, wird zum Beginn des Schuljahres 2026/27 eine eigens entwickelte App zur Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte eingeführt. Dieses Instrument soll es den Beschäftigten ermöglichen, ihre tatsächliche Arbeitsleistung systematisch zu dokumentieren und damit eine datenbasierte Grundlage für künftige Verhandlungen und rechtliche Schritte zu schaffen.

Empirische Befunde zur Überlastung im Schuldienst

Der Entscheidung der Gewerkschaft liegt eine fundierte Datenbasis zugrunde. Eine im Juli 2026 thematisierte Studie der Universität Göttingen verdeutlicht das Ausmaß der zeitlichen Belastung im Berliner Schuldienst. Den Ergebnissen der Forscher zufolge leisten Lehrkräfte in der Hauptstadt im Durchschnitt 100 Überstunden pro Jahr. Diese Mehrarbeit wird oft nicht statistisch erfasst, prägt jedoch den Berufsalltag maßgeblich.

Die statistische Auswertung der Studie liefert weitere Details zur strukturellen Überlastung. Demnach arbeiten 64 % der Lehrkräfte über das künftig vorgesehene Maß hinaus. Besonders kritisch bewerten Experten die Situation jener Pädagogen, die regelmäßig die gesetzlich verankerten Höchstgrenzen tangieren: Laut der Untersuchung überschreiten 30 % der Lehrkräfte die Grenze von 48 Wochenstunden. Diese Zahlen belegen nach Ansicht von Interessenvertretern, dass die derzeitigen Rahmenbedingungen nicht ausreichen, um die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit des Personals dauerhaft zu sichern.

Digitale Dokumentation als strategisches Instrument

Die für das Schuljahr 2026/27 angekündigte App der GEW Berlin dient primär der Erfassung dieser bisher oft unsichtbaren Arbeitsstunden. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen vertraglich vereinbarter Arbeitszeit und tatsächlichem Aufwand individuell und kollektiv sichtbar zu machen. Die offizielle Vorstellung der Anwendung ist für eine Pressekonferenz am 18. August 2026 geplant. Dort sollen technische Details sowie die konkrete Handhabung für die Mitglieder erläutert werden.

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Durch die flächendeckende Nutzung der App erhofft sich die Gewerkschaft eine belastbare Argumentationshilfe gegenüber der Bildungsverwaltung. Die Erfassung der Stunden ist dabei nicht nur als Selbsthilfeinstrument für die Lehrkräfte zu verstehen, sondern bildet die Basis für weiterführende strukturelle Forderungen.

Personalbedarf und rechtliche Konsequenzen

Aus der Differenz zwischen Soll- und Ist-Arbeitszeit ergibt sich ein erheblicher Bedarf an zusätzlichem Personal. Berechnungen auf Basis der vorliegenden Daten zeigen, dass rein rechnerisch etwa 1.300 zusätzliche Vollzeitstellen notwendig wären, um die aktuelle Überlastung im Berliner Schulsystem auszugleichen und die Arbeitszeit auf das vertraglich vereinbarte Niveau zu senken.

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Flankierend zur Einführung der App und der Datenerhebung bereitet die GEW Berlin rechtliche Schritte vor. Geplant ist die Einleitung von Musterverfahren. Diese sollen klären, inwieweit die dokumentierte Mehrarbeit einen Anspruch auf Entlastung oder finanziellen Ausgleich begründet. Damit rückt die Frage der Arbeitszeitgestaltung im Bildungssektor verstärkt in den Fokus juristischer Auseinandersetzungen, wobei die digitale Erfassung als wesentliches Beweismittel dienen soll. Die kommenden Monate werden zeigen, in welchem Umfang die Lehrkräfte das neue Angebot annehmen und welchen Einfluss die aggregierten Daten auf die bildungspolitische Agenda in Berlin haben werden.

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