Behördenfunk, Umstellung

Behördenfunk: Umstellung auf LTE und 5G soll bis 2030 abgeschlossen sein

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das neue Behördenfunknetz soll moderne Datendienste bieten; TETRA bleibt mindestens bis 2040 als Ausweichlösung verfügbar.

Behördenfunk: Deutschland plant Wechsel zu LTE und 5G bis 2030
Ein moderner Funkmast vor einem klaren Abendhimmel, der die technologische Infrastruktur für die digitale Kommunikation symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Deutschland bereitet einen grundlegenden Technologiewechsel in der Kommunikation von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) vor. Wie aus Berichten vom 28. September 2026 hervorgeht, soll der Behördenfunk bis zum Jahr 2030 vollständig auf die Breitbandstandards LTE und 5G umgestellt werden.

Diese Modernisierung zielt darauf ab, die Leistungsfähigkeit der Einsatzkräfte durch moderne Datendienste zu stärken und gleichzeitig höchste Sicherheitsanforderungen zu erfüllen.

Sicherheitsvorgaben und technologische Souveränität

Ein zentraler Aspekt der Neuausrichtung ist die Sicherheit der Netzinfrastruktur. Christoph Hübner, Präsident der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS), betonte, dass Anbieter aus sogenannten Risikostaaten wie China beim Einsatz in aktiven Netzelementen konsequent ausgeschlossen würden. Die technologische Basis des künftigen Netzes bilden offene Standards der Organisationen ETSI und 3GPP.

Um die staatliche Kontrolle zu gewährleisten, sieht das Konzept eine hybride Struktur vor. Die kommerziellen Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica sollen die notwendigen Kapazitäten bereitstellen, während der Staat die Hoheit über ein speziell kontrolliertes Kernnetz behält. Zudem soll eine moderne 5G-Verschlüsselung direkt in die Systemarchitektur integriert werden, um die Kommunikation vor unberechtigten Zugriffen zu schützen.

TETRA bleibt als langfristige Rückfallebene

Trotz des geplanten Umstiegs auf Breitbandtechnologie wird die bisherige TETRA-Infrastruktur nicht unmittelbar abgeschaltet. Den Planungen zufolge bleibt das TETRA-Netz mindestens bis zum Jahr 2040 als Rückfallebene erhalten. Damit soll sichergestellt werden, dass die schmalbandige Sprachkommunikation auch bei Störungen der neuen Breitbandnetze zuverlässig funktioniert.

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In einem Interview mit n-tv forderte Digitalminister Karsten Wildberger zudem eine stärkere digitale Unabhängigkeit Europas von den USA. Er verwies darauf, dass in den vergangenen zwei Jahrzehnten der Aufbau einer schlagkräftigen eigenen Digitalindustrie versäumt worden sei.

Künftig wolle die Bundesregierung verstärkt auf europäische Kapazitäten in den Bereichen Rechenzentren, Netze und Chips setzen. Dabei nannte der Minister ausdrücklich Unternehmen wie Ericsson und Nokia sowie das Projekt openDesk als Partner.

Infrastrukturausbau und Schienenverkehr

Parallel zur Modernisierung des Behördenfunks wird der Ausbau des neuen Bahnfunkstandards FRMCS (Future Railway Mobile Communication System) vorangetrieben. Entlang der Schienenwege sollen rund 20.000 neue Funkmasten entstehen.

Laut einem vorliegenden Referentenentwurf beabsichtigt der Bund, die Errichtung der Masten sowie die Anbindung an Glasfaser- und Stromnetze zu finanzieren, sofern die Mobilfunkbetreiber die aktive Funktechnik bereitstellen.

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Die Branchenverbände Bitkom und VATM mahnten in diesem Zusammenhang einen diskriminierungsfreien Zugang zur geförderten Infrastruktur an. Sie forderten faire und kostenorientierte Bedingungen für alle Marktbeteiligten, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.

Erste Anzeichen der Modernisierung zeigen sich bereits in der Praxis: So wurde laut Angaben eines Telekom-Sprechers am Standort Breitungen ein neuer Sendemast für LTE und 5G in Betrieb genommen, der auch die Versorgung der Bahnstrecke Thüringen-West verbessert.

Risikovorsorge und Bevölkerungsschutz

Der Zentralverband der Ingenieurvereine (ZBI) warnte unterdessen vor den Gefahren durch Naturkatastrophen, Sabotage und Spionage für kritische Infrastrukturen wie die Energie- und Wasserversorgung. Als Beispiele wurden frühere Angriffe auf Stromnetze sowie unzureichend geschützte Netze bei Hochwasserereignissen angeführt. Der Verband forderte eine politische Debatte über den Einsatz von Technik aus nichtdemokratischen Staaten.

Dass die bestehenden Warnsysteme bereits greifen, zeigte ein bundesweiter Warntest am 28. September 2026. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe teilte mit, dass Millionen Menschen über Cell Broadcast, Warn-Apps und Sirenen erreicht wurden.

Auch die Notruf-App Nora verzeichnet steigende Nutzerzahlen. Laut dem nordrhein-westfälischen Innenministerium sind mittlerweile rund 700.000 Menschen registriert, und etwa 40.000 Notrufe wurden über das System, das eine präzise Standortübermittlung ermöglicht, bereits abgewickelt.

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