Begutachtungen, Termine

Begutachtungen in Österreich: 800.000 Termine und 120 Millionen Euro Kosten

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 15:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Patientenverbände verlangen weniger Wiederholungsprüfungen und unabhängige Gutachten; das Ministerium nennt Reformziele und hat Begleitpersonen ermöglicht.

Österreich: Organisationen fordern Reform medizinischer Begutachtungen
Ein minimalistischer, heller Raum mit einem leeren Stuhl und einem leeren Schreibtisch vor einem Fenster. Illustration mit AI erstellt.

Knapp 30 Hilfs- und Patientenorganisationen, darunter Lebenshilfe, Caritas und Diakonie, verlangen eine grundlegende Reform der medizinischen Begutachtungen in Österreich.

Wie orf.at berichtete, fordern die Organisationen weniger Termine, fachlich qualifizierte Gutachter, die verpflichtende Berücksichtigung vorhandener Fachgutachten sowie eine schriftliche Begründung von Entscheidungen mit Einspruchsmöglichkeit. Zusätzlich verlangen sie die Einrichtung einer unabhängigen Begutachtungsstelle.

Forderung nach Fairness und weniger Wiederholungen

Laut einem Bericht von tt.com fordern dieselben knapp 30 Organisationen faire, transparente und unabhängige medizinische Begutachtungen sowie eine deutliche Reduktion von Wiederholungsbegutachtungen. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, planen die Organisationen eine Aktion vor dem Sozialministerium, im Rahmen derer eine Petition gestartet werden soll.

Reaktion des Sozialministeriums

Sozialministerin Korinna Schumann äußerte sich laut tt.com zu den Forderungen und erklärte, der Fahrplan für weitere Reformschritte stehe bereits. Betroffene hätten Anspruch auf respektvolle Behandlung, vermeidbare Mehrfach- und Nachbegutachtungen würden geprüft.

Als langfristiges Ziel der Regierung nannte sie zudem die Einrichtung einer gemeinsamen Begutachtungsstelle – ein Anliegen, das sich mit der zentralen Forderung der Organisationen nach einer unabhängigen Begutachtungsstelle deckt.

Ein erster konkreter Schritt wurde laut tt.com bereits umgesetzt: Seit 1. September 2026 besteht ein Rechtsanspruch auf die Mitnahme einer Vertrauensperson zu allen medizinischen Begutachtungen. Ob dies den Organisationen ausreicht, die eine umfassendere strukturelle Reform verlangen, bleibt jedoch offen.

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Persönliche Erfahrungen und der Kostenfaktor

Wie stark das Thema Betroffene im Alltag belastet, zeigt eine Kolumne von Philippe Narval auf derstandard.at. Darin schildert der Autor wiederholte Begutachtungen seines Kindes mit Behinderung für Familienbeihilfe und Pflegegeld.

Nach seinen Angaben führen PVA, Sozialministerium-Service und ÖGK zusammen jährlich mehr als 800.000 Begutachtungen durch. Bei durchschnittlichen Kosten von 150 Euro je Gutachten ergeben sich daraus laut dem Artikel Gesamtkosten von über 120 Millionen Euro jährlich.

Narval verweist zudem auf eine hohe Erfolgsquote bei Klagen gegen Herabstufungen beim Pflegegeld: Nach seinen Angaben erhalten Kläger in rund 70 Prozent der Fälle recht. Aus dieser Beobachtung leitet er die Forderung ab, Mehrfachbegutachtungen künftig zu vermeiden und vorhandene Facharztbefunde stärker in die Entscheidungsfindung einzubeziehen – eine Position, die sich mit den zentralen Anliegen der knapp 30 Patientenorganisationen deckt.

Zusammenspiel von Kritik und Reformankündigungen

Die Übereinstimmung zwischen den Forderungen der Organisationen, den Beobachtungen aus der Kolumne und den Ankündigungen der Sozialministerin zeichnet ein Bild eines Systems, das aus Sicht der Betroffenen unter zu häufigen, teils redundanten Begutachtungen leidet.

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Wird beim Pflegegeld herabgestuft, lohnt der genaue Blick auf den Bescheid: Nach Angaben aus der Berichterstattung bekommen Kläger in rund 70 Prozent der Fälle recht. Die Checkliste zeigt, welche Fristen laufen und welche Unterlagen Sie für Einspruch oder Klage brauchen. Checkliste für Einspruch und Klage sichern

Während das Ministerium bereits punktuelle Verbesserungen wie das Recht auf Begleitung durch eine Vertrauensperson umgesetzt hat und eine gemeinsame Begutachtungsstelle als Ziel formuliert, drängen die Patientenorganisationen mit ihrer geplanten Aktion vor dem Sozialministerium und der begleitenden Petition auf eine zügigere und umfassendere Umsetzung struktureller Reformen. Ob und in welchem Umfang weitere Schritte folgen, bleibt nach aktuellem Stand offen.

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