Beckenbodenmuskulatur: Tesla-Stimulation verbessert Kraft um 58%
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 10:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Belastungsinkontinenz betrifft einen erheblichen Teil der weiblichen Bevölkerung, insbesondere nach Schwangerschaften oder mit zunehmendem Alter. Während konservative Beckenbodentherapie seit Jahren als Basisbehandlung gilt, rücken derzeit neue nicht-invasive Verfahren sowie eine kritische Neubewertung minimalinvasiver Operationstechniken in den Fokus der Fachdiskussion.
Elektromagnetische Stimulation als schmerzfreie Alternative
Eine in der Fachzeitschrift Ceska Gynekol veröffentlichte Studie untersuchte den Effekt der sogenannten High-Intensity Tesla Stimulation (HITS) bei 20 Frauen mit Stressharninkontinenz. Im Rahmen der Untersuchung erhielten die Teilnehmerinnen zwischen Februar und September 2025 sechs HITS-Sitzungen.
Die Ergebnisse fielen den Studienautoren zufolge deutlich aus: Die Muskelkraft des Beckenbodens, gemessen anhand der Oxford-Skala, verbesserte sich um 58,3 Prozent von durchschnittlich 2,4 auf 3,8 Punkte.
Die elektromyografisch gemessene Muskelaktivität stieg um 41,4 Prozent von 7,0 auf 9,9 ?V/s. Auch die subjektive Einschätzung der Patientinnen, erfasst über den PGI-I-Score, verbesserte sich um 47,5 Prozent von 4,0 auf 5,9 Punkte.
Sämtliche Ergebnisse erreichten statistische Signifikanz (p<0,05). Als besonderen Vorteil hoben die Autoren hervor, dass die Behandlung schmerzfrei verlief und von den Teilnehmerinnen gut vertragen wurde – ein Aspekt, der HITS von invasiveren Therapieoptionen unterscheidet.
Kritische Neubewertung minimalinvasiver Schlingenverfahren
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Parallel zu den Erkenntnissen über nicht-invasive Stimulationsverfahren erschien in derselben Fachzeitschrift eine Übersichtsarbeit zu Single-Incision-Slings (SIS), einer minimalinvasiven Operationsmethode bei Stressharninkontinenz.
Die Review-Autoren attestieren dem Verfahren zwar Vorteile bei Erholungszeit und Behandlungskosten gegenüber dem retropubischen Zugang, der weiterhin als Goldstandard gilt. Allerdings weisen sie auf eine im Vergleich geringere langfristige Erfolgsrate hin.
Als möglichen Grund nennen sie, dass die bei SIS eingesetzte Infiltrationsanästhesie die Fixierung des Implantats im Obturator-Komplex beeinträchtigen könne. Diese Einordnung dürfte für die Therapieentscheidung zwischen operativen Verfahren relevant sein, da sie die Abwägung zwischen kurzfristigem Komfort und langfristiger Wirksamkeit betrifft.
Konservative Basistherapie bleibt zentral
Unabhängig von neuen apparativen und operativen Optionen betont ein Ratgeber, dass gezieltes Beckenbodentraining nach der Geburt weiterhin eine tragende Rolle spielt. Demnach verbessert entsprechendes Training nicht nur die Blasen- und Stuhlkontrolle, sondern stützt auch die Beckenorgane insgesamt. Wichtiger als die Intensität der Übungen sei dabei die korrekte Ausführung.
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Empfohlen wird ein stufenweiser Aufbau: von Übungen im Liegen mit fünf bis zehn Wiederholungen und einer Haltezeit von drei bis fünf Sekunden über Übungen im Sitzen bis hin zu Übungen im Stehen und schließlich dynamischen Bewegungsabläufen. Bei Schmerzen oder Unsicherheiten während des Trainings wird empfohlen, einen Physiotherapeuten aufzusuchen.
Einordnung für Betroffene
Die aktuelle Forschungslage deutet darauf hin, dass sich das Spektrum der Behandlungsoptionen bei Stressharninkontinenz weiter differenziert. Während konservatives Training weiterhin als Grundlage gilt, gewinnen nicht-invasive Stimulationsverfahren wie HITS an Bedeutung, insbesondere für Patientinnen, die operative Eingriffe vermeiden möchten.
Gleichzeitig mahnt die kritische Bewertung minimalinvasiver Schlingenverfahren zur sorgfältigen individuellen Abwägung zwischen kurzfristigen Vorteilen und langfristiger Wirksamkeit. Für Betroffene dürfte dies bedeuten, dass die Therapieentscheidung zunehmend von einer differenzierten Beratung abhängt, die sowohl den Schweregrad der Beschwerden als auch persönliche Präferenzen berücksichtigt.
