BEAT, Netzhaut-Scan

BEAT AD: Netzhaut-Scan erkennt bei 21 Prozent erhöhtes Demenzrisiko

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 18:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Personalisierte Betreuung verbesserte den Brain Health Score stärker; neue Bluttests könnten Alzheimer künftig präziser von ALS abgrenzen.
Ein heller, moderner medizinischer Untersuchungsraum mit einem hochmodernen Diagnosegerät in einer sterilen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Früherkennung gilt in der Neurologie als einer der wichtigsten Hebel gegen das Fortschreiten neurodegenerativer Erkrankungen. Eine Pilotphase des Programms BEAT AD, initiiert von CUHK Medizin und der Charles K. Kao Foundation, liefert neue Einblicke in den Nutzen nicht-invasiver Screening-Technologien.

Bei einer Untersuchung von 831 kognitiv gesunden Personen identifizierte ein System zur KI-gestützten Netzhautbildgebung bei rund 21 Prozent ein erhöhtes Demenzrisiko.

Personalisierte Interventionen und kommunale Ausweitung

Die begleitenden Ein-Jahres-Daten von 532 Teilnehmenden der Initiative verdeutlichen das Potenzial strukturierter Gegenmaßnahmen. Personen unter einem personalisierten Risikomanagement erzielten einen Anstieg ihres Brain Health Scores um 1,3 Punkte, während eine reine Informationsvermittlung lediglich zu einer Verbesserung von 0,2 Punkten führte. Kognitiv erreichten die Probanden unter personalisierter Begleitung Werte, die jenen von rund drei Jahre jüngeren Personen entsprachen.

Aufgrund dieser Resultate planen CUHK Medizin und die Charles K. Kao Foundation gemeinsam mit SKHWC eine Ausweitung des Projekts. Unter der Bezeichnung BEAT AD@WTS sollen ab Januar 2027 kostenlose Gehirnchecks für 2.700 ältere Menschen über einen Zeitraum von zwei Jahren im Distrikt Wong Tai Sin angeboten werden.

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Die Initiatoren verweisen auf den wachsenden Versorgungsbedarf: Für Hongkong werden für das Jahr 2026 rund 180.000 Demenzfälle erwartet, bis 2036 soll die Zahl auf 240.000 steigen. Alzheimer macht dabei rund 70 Prozent der Fälle aus.

Ergänzende Fortschritte bei Biomarkern und Labordiagnostik

Parallel zu bildgebenden Netzhautanalysen verzeichnet auch die labormedizinische Früherkennung methodische Fortschritte. Ein zentrales Problem bisheriger Bluttests war die Spezifität.

Ein Forschungsteam der Universitätsmedizin Halle entwickelte in Kooperation mit Zentren in Mannheim und Mailand ein zweistufiges Verfahren, um Alzheimer besser von der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) zu unterscheiden. Dabei wird das gehirneigene kleine Tau-Protein mittels Antikörper angereichert, bevor die Konzentration von pTau217 bestimmt wird.

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In einer Untersuchung an Blutproben von 315 Personen – darunter 101 mit Alzheimer, 139 mit ALS sowie 75 Kontrollpersonen – zeigte sich herkömmlich gemessenes pTau217 bei beiden Krankheitsbildern erhöht. Nach der Antikörper-Anreicherung war der Marker jedoch ausschließlich bei Alzheimer-Patienten erhöht.

Massenspektrometrische Analysen belegten zudem, dass das gehirneigene kleine pTau217 im Muskelgewebe praktisch nicht vorkommt. Das Verfahren soll bestehende Bluttests ergänzen, um falsch-positive Diagnosen zu reduzieren; für einen klinischen Einsatz stehen allerdings noch Standardisierungen und Überprüfungen in größeren Gruppen aus.

Gleichzeitig arbeiten internationale Konsortien an der biochemischen Kartierung von Hirnerkrankungen. Im Rahmen eines Pilotprojekts der UK Biobank analysiert das Unternehmen Nightingale Health 220 mit der Hirngesundheit verknüpfte Proteine in Blutproben von 75.000 Teilnehmenden unter Nutzung von Testsystemen von Alamar Biosciences.

Die Daten sollen ab 2027 für zugelassene Wissenschaftler weltweit bereitgestellt werden. Zusammen mit Fortschritten in der Bildgebung weisen diese Entwicklungen den Weg hin zu einer frühzeitigen, risikostratifizierten Diagnostik.

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de | wissenschaft | 70452016 |