Bayern, Microsoft-Deal

Bayern kündigt Microsoft-Deal: Digitale Unabhängigkeit bis März 2027

04.06.2026 - 03:10:43 | boerse-global.de

Bayern beendet die Partnerschaft mit Microsoft und startet eine Testphase für alternative Softwarelösungen. Ziel ist die digitale Souveränität bis 2027.

Bayern kündigt Microsoft-Deal: Digitale Unabhängigkeit bis März 2027 - Bild: über boerse-global.de
Bayern kündigt Microsoft-Deal: Digitale Unabhängigkeit bis März 2027 - Bild: über boerse-global.de

Digitalminister Fabian Mehring verkündete am Mittwoch, dass ein milliardenschwerer Deal mit Microsoft vom Tisch ist. Stattdessen startet die Staatsregierung eine Testphase für alternative, souveräne Softwarelösungen. Bis Ende März 2027 soll die Umstellung abgeschlossen sein.

Milliarden-Ersparnis durch Abkehr von Microsoft

Die Entscheidung kommt nicht überraschend: Bayerns Ausgaben für Microsoft-Produkte sind in den vergangenen Jahren explodiert – von rund 30 Millionen Euro im Jahr 2020 auf zuletzt 49 Millionen Euro. „Wir müssen raus aus dieser Abhängigkeit“, machte Mehring am Rande einer Pressekonferenz deutlich. Die Testphase für Alternativen läuft bereits.

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Der Schritt folgt einem Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz vom Dezember 2025. Doch nicht alle sind zufrieden: SPD und Grüne im Landtag fordern eine noch umfassendere Strategie und mehr Koordination mit dem Bund sowie anderen Bundesländern. Besonders Schleswig-Holstein gilt als Vorreiter – der nördlichste Bundesstaat hat den Abschied von Microsoft bereits vollzogen.

Rechenzentren: Kapazitäten für die Zukunft

Während die Software-Frage geklärt wird, wächst die Hardware-Infrastruktur rasant. In Kirchheim bei München feierte der Betreiber Portus Data Centers Ende Mai das Richtfest für sein MUC2-Erweiterungsprojekt. Die Zahlen sprechen für sich:

  • 2.200 Quadratmeter zusätzliche IT-Fläche
  • 5,5 Megawatt Leistung – Gesamtkapazität des Campus steigt auf 7 MW
  • PUE-Wert von 1,2 oder niedriger – extrem effizient
  • Volle Versorgung mit erneuerbaren Energien

Ab Anfang 2027 sollen die ersten Kapazitäten zur Verfügung stehen. Ein wichtiger Baustein für die digitale Zukunft der Region – denn ohne Rechenleistung läuft auch die beste Software nicht.

Schnelleres Internet für Bayern

Auch beim Breitbandausbau tut sich etwas. Der Anbieter M-net hat am Dienstag einen neuen Tarif mit 2 Gigabit pro Sekunde für München, Augsburg und weitere bayerische Städte gestartet. Das ist Teil eines bundesweiten Trends: Am 8. Juni will die Telekommunikationsbranche eine Absichtserklärung unterzeichnen, die Investitionen von knapp 11 Milliarden Euro in den Netzausbau für dieses Jahr vorsieht.

Robotaxis und Quanten-Netzwerke: München als Innovationslabor

München wird zum Testfeld für die Mobilität von morgen. Der Fahrdienst-Vermittler Uber kündigte am Dienstag an, in der Isar-Metropole Robotaxis zu testen. Die Fahrzeuge kombinieren Künstliche Intelligenz von Autobrains mit der Nvidia DRIVE Hyperion-Plattform. Ziel ist die Autonomiestufe 4 – das Fahrzeug fährt vollständig selbstständig, aber nur in definierten Bereichen. Die Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden steht noch aus.

Parallel dazu arbeiten die Unternehmen Eaton und Munich Electrification an der Ladeinfrastruktur der Zukunft. Ihr gemeinsames Projekt: ein Combined Megawatt Charging System (CMCS) , das Schwerlastfahrzeuge mit Megawatt-Leistung laden kann. Eatons Hardware trifft auf die Batteriemanagement-Software von Munich Electrification.

Und noch ein Zukunftsprojekt startet in München: Das Forschungsvorhaben QUANT-GPICz verbindet Quanten-Netzwerke zwischen Deutschland, Polen und Tschechien. Mit 18 Millionen Euro ausgestattet, arbeiten unter anderem die Technische Universität München und das Fraunhofer-Institut an einer quantensicheren Kommunikationsinfrastruktur. Der Startschuss fiel am Dienstag.

Bundesweite Strategie für digitale Souveränität

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Die bayerischen Entwicklungen sind eingebettet in eine größere Bewegung. Seit Jahresbeginn gilt das NIS-2-Umsetzungsgesetz , das Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern in kritischen Sektoren zu strengeren Sicherheitsmaßnahmen und Selbstauskunft verpflichtet.

Auf Bundesebene haben Deutsche Telekom und SAP vom Digitalministerium den Auftrag erhalten, eine souveräne KI-Plattform für die Bundesregierung zu entwickeln. Das Projekt trägt den Namen KIPITZ – ein KI-Assistent speziell für die öffentliche Verwaltung.

Die EU-Kommission wiederum hat ein Technologiesouveränitätspaket vorgeschlagen: Die Rechenzentrumskapazitäten sollen sich innerhalb von sieben Jahren verdreifachen, der europäische Anteil am weltweiten Halbleitermarkt bis 2030 auf 20 Prozent steigen.

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