Bauchspeicheldrüsenkrebs: Radioaktiver Klebstoff soll Operation ermöglichen
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bauchspeicheldrüsenkrebs gilt wegen seiner oft späten Diagnose und der schwierigen Operabilität als eine der aggressivsten Krebsarten. Mehrere aktuelle Entwicklungen aus Forschung und Klinik deuten darauf hin, dass neue lokoregionale Behandlungsansätze den Weg zu einer späteren Operation ebnen könnten, selbst wenn Tumoren zunächst als inoperabel gelten.
Radioaktiver Klebstoff am Gemelli-Klinikum
Am Gemelli-Klinikum in Rom wurde laut einem Bericht von scienzeonline.org vom 2. Oktober 2026 erstmals weltweit eine 63-jährige Patientin mit lokal fortgeschrittenem, nicht operablem Bauchspeicheldrüsenkrebs mittels perkutaner lokoregionaler Radiotherapie behandelt.
Zum Einsatz kam das Präparat YntraDose® der italienischen Biotechfirma BetaGlue Therapeutics, eine radioaktive biologische Klebstoffsubstanz, die Yttrium-90-Betastrahlung direkt im Tumorgewebe abgibt. Ziel ist es, den Tumor so weit zu verkleinern, dass eine spätere chirurgische Entfernung möglich wird.
Der Substanz wurde dabei per Nadel unter Ultraschall- oder CT/CBCT-Führung in den Tumor injiziert, wie betaglue.com berichtete. Der Eingriff erfolgte unter örtlicher Betäubung und leichter Sedierung und dauerte etwa eine Stunde, ohne dass postoperative Komplikationen auftraten.
Kontrolluntersuchungen mittels PET-CT nach 24 Stunden und nach sieben Tagen zeigten eine korrekte Ablagerung der Substanz ohne Streuung oder Aufnahme außerhalb des Zielgebiets.
Die Behandlung fand im Rahmen eines offenen, multizentrischen Studienprogramms statt, an dem Zentren in Italien, Belgien und Großbritannien beteiligt sind; die Patientenaufnahme läuft weiter. Laut BetaGlue sind weitere Eingriffe für den Herbst vorgesehen. Wichtig für die Einordnung: YntraDose ist ein Prüfprodukt und bislang nicht für den kommerziellen Einsatz zugelassen.
Parallele Ansätze zur lokalen Chemotherapie
Einen verwandten, aber methodisch anderen Weg verfolgt das US-Unternehmen RenovoRx. In einer begutachteten Fallserie, veröffentlicht in Case Reports in Oncology und von investing.com am 1. Oktober 2026 aufgegriffen, erhielten zwei Patienten mit lokal fortgeschrittenem, wegen Gefäßbeteiligung nicht operablem Bauchspeicheldrüsenkrebs Gemcitabin per sogenannter TAMP-Methode über das Produkt RenovoCath.
Bei beiden Patienten sanken die CA-19-9-Werte, bildgebende Untersuchungen zeigten unter anderem rückläufige Gefäßverengungen, größere Komplikationen blieben aus.
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RenovoCath ist bereits ein von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassenes Medizinprodukt. Laut dem Bericht erzielte das Unternehmen damit 2025 einen Umsatz von rund 1,1 Millionen US-Dollar, im zweiten Quartal 2026 waren es 909.000 US-Dollar.
Die Rekrutierung für die größer angelegte Phase-III-Studie TIGeR-PaC wurde im August 2026 abgeschlossen; der Studienabschluss wird für die erste Jahreshälfte 2027 erwartet, erste Topline-Daten für die zweite Jahreshälfte 2027.
Weitere Fortschritte bei nicht operablen Tumoren
Auch auf technologischer Seite gibt es Bewegung: Das Unternehmen Novocure teilte mit, dass Japans Gesundheitsministerium sein Gerät Optune Pax für Erwachsene mit nicht resezierbarem, lokal fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs zugelassen habe. Das tragbare System überträgt sogenannte Tumor Treating Fields über auf der Haut getragene Arrays und ist zur Anwendung in Kombination mit den Wirkstoffen Gemcitabin und nab-Paclitaxel vorgesehen.
Grundlage der Zulassung waren Ergebnisse der Phase-III-Studie PANOVA-3. Angaben zu einem kommerziellen Start, zur Erstattung oder zu erwarteten Erlösen in Japan machte Novocure nicht.
Einordnung
Die verschiedenen Ansätze – lokoregionale Strahlentherapie mit YntraDose, gefäßschonende lokale Chemotherapie über RenovoCath und die apparative Feldtherapie von Novocure – verfolgen ein gemeinsames Ziel: Patientinnen und Patienten mit zunächst inoperablem Bauchspeicheldrüsenkrebs doch noch eine Operationsoption zu eröffnen oder das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.
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Alle drei Verfahren befinden sich in unterschiedlichen Stadien der klinischen Erprobung beziehungsweise regulatorischen Zulassung, und belastbare Langzeitdaten zu Überlebensvorteilen stehen noch aus.
Für die onkologische Chirurgie bedeutet dies potenziell neue Vorstufen, die Operabilität nachträglich herstellen könnten – ein Feld, das in den kommenden Jahren durch die laufenden Studien weiter an Kontur gewinnen dürfte.
