Bauchspeicheldrüsenkrebs: Bis zu 80 Prozent entwickeln Kachexie
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 12:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Außerhalb der medizinischen Fachwelt ist der Begriff Kachexie weitgehend unbekannt, obwohl das Syndrom weit verbreitet ist und Fachleuten zufolge als häufige unmittelbare Todesursache gilt.
Das Phänomen des massiven körperlichen Verfalls manifestiert sich vor allem in späten Stadien schwerer chronischer Krankheiten. Neben Krebserkrankungen tritt es auch im Verlauf von chronischen Herz- und Lungenerkrankungen, schweren Infektionen sowie rheumatoider Arthritis auf.
Hohe Betroffenheit bei fortgeschrittenen Krebsleiden
Besonders häufig tritt das Syndrom in der Onkologie in Erscheinung. Wie aus Berichten hervorgeht, betrifft Kachexie in Österreich vor allem Krebspatienten, wobei die Zahl der Betroffenen im Land auf rund 10.000 Personen geschätzt wird. Die Häufigkeit variiert dabei stark in Abhängigkeit von der jeweiligen Tumorart.
Besonders drastisch zeigt sich das Bild beim Bauchspeicheldrüsenkrebs, bei dem die Häufigkeit der Kachexie bis zu 80 Prozent erreicht. Bei Lungenkrebs wird das Auftreten mit 40 bis 60 Prozent beziffert, während es beim Leberkarzinom 20 bis 30 Prozent der Erkrankten betrifft. Für die Betroffenen bedeutet dieser Zustand einen gravierenden Verlust an Lebensqualität und eine erhebliche Verschlechterung der allgemeinen Überlebenschancen.
Fehlende Biomarker und begrenzte therapeutische Mittel
Der genaue biologische Mechanismus, der hinter der Kachexie steht, ist wissenschaftlich bislang unklar. Charakteristisch für das Krankheitsbild ist, dass der Körper in erheblichem Maße Muskelmasse und Fettgewebe abbaut, ohne dass sich dieser Verfall durch eine gewöhnliche Kalorienzufuhr aufhalten ließe.
Beim Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickelt sich eine Kachexie bei bis zu 80 Prozent der Erkrankten — zugelassene Medikamente dagegen gibt es bislang nicht. Was in der Praxis bleibt, sind drei Hebel: energiereiche Ernährung, Physiotherapie zum Erhalt der Muskelfunktion und psychosoziale Begleitung. Kostenlosen Praxisleitfaden jetzt anfordern
Die Diagnostik steht vor großen Hürden: Es existiert bislang kein verlässlicher Biomarker für eine frühzeitige Erkennung des Syndroms, und spezifische Medikamente zur ursächlichen Behandlung der Kachexie stehen der Medizin bisher nicht zur Verfügung.
In der klinischen Praxis stützt sich die therapeutische Begleitung mangels zugelassener Arzneimittel auf unterstützende Maßnahmen. Dazu gehören eine gezielte energiereiche Ernährung, physiotherapeutische Interventionen zum Erhalt der verbleibenden Muskelfunktionen sowie begleitende psychische Unterstützung für die Patientinnen und Patienten.
Neue Forschungsinitiativen formieren sich
Angesichts der unzureichenden Behandlungswege rückt die wissenschaftliche Aufarbeitung verstärkt in den Fokus. Nach Einschätzung des Virologen Andreas Bergthaler von der Medizinischen Universität Wien wird die Kachexie zwar maßgeblich von der jeweiligen Grunderkrankung getrieben, raubt den Erkrankten und dem Behandlungsteam jedoch wertvolle Zeit für den eigentlichen Kampf gegen diese Basisleiden.
Ein verlässlicher Biomarker zur Früherkennung fehlt, spezifische Medikamente stehen nicht zur Verfügung — die Diagnostik bleibt schwierig. Dieser Leitfaden zeigt, welche Warnzeichen Pflegekräfte und Angehörige kennen sollten und wie die Begleitung danach Schritt für Schritt aufgebaut wird. Leitfaden zur Kachexie-Begleitung sichern
Um das Verständnis für die Mechanismen des körperlichen Verfalls zu vertiefen und künftige Therapieansätze voranzutreiben, wurde das Vienna Cachexia Network ins Leben gerufen. Im Rahmen dieser Initiative fand in Wien zudem ein wissenschaftliches Symposium statt, an dem unter anderem Vickie Baracos von der University of Alberta teilnahm.
Die Bemühungen zielen darauf ab, die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu verstärken und mittelfristig zielgerichtete diagnostische sowie therapeutische Möglichkeiten gegen das Auszehrungssyndrom zu entwickeln.
