Bauchfett-Studie: BMI-Risiko für 19 Krebsarten identifiziert
22.06.2026 - 13:03:27 | boerse-global.de
Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene leiden an Stoffwechselerkrankungen, die früher als typische Beschwerden der Lebensmitte galten. Besonders die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) sowie Prädiabetes und Bluthochdruck nehmen rasant zu.
Ein drastisches Beispiel liefert das Thanh Nhan Krankenhaus in Hanoi: Dort behandelten Ärzte einen 17-jährigen Patienten mit einem BMI von über 30. Der Jugendliche hatte nicht nur eine Fettleber, sondern auch stark erhöhte Leberenzymwerte von rund 200 U/L und Prädiabetes.
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Dr. Nguyen Hoang Giang von der Klinik berichtet, dass über 40 Prozent der dort betreuten 6.000 Diabetespatienten zusätzlich unter metabolischen Lebererkrankungen leiden. Ein Trend, der sich weltweit bestätigt.
Weltweit jeder Dritte betroffen
Globalen Schätzungen zufolge sind bereits mehr als 30 Prozent der Weltbevölkerung von einer Fettleber betroffen. Bei Diabetikern steigt die Quote auf über 50 Prozent. In Italien warnt Hepatologe Claudio Tiribelli, dass etwa jeder vierte Erwachsene eine Fettleber aufweist.
Die Gefahr: Ohne frühzeitige Intervention kann die Erkrankung über eine Steatohepatitis und Fibrose bis hin zur Leberzirrhose oder Leberkrebs fortschreiten. Besonders tückisch: Betroffene sterben häufiger an Herzinfarkten oder Schlaganfällen als an direkten Leberkomplikationen.
Die Zuckerfalle: Fructose als Treiber
Als Hauptursachen für den Anstieg in jungen Altersgruppen identifizieren Mediziner Bewegungsmangel und kalorienreiche Ernährung. Neben Fast Food steht vor allem der hohe Konsum von zuckerhaltigen Getränken und Fructose in der Kritik.
Fructose wird primär in der Leber verstoffwechselt und fördert dort die Fettsynthese. Experte BS Nguy?n Xuân Tu?n erklärt, dass selbst schlanke Menschen bei einseitiger Ernährung oder hohem Fruchtsaftkonsum eine Fettleber entwickeln können.
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Entscheidend ist das viszerale Fett, das sich in der Bauchhöhne ansammelt. Eine Studie aus dem Jahr 2023 mit 862 Teilnehmern belegte, dass viszerales Fett maßgeblich zur Arteriosklerose beiträgt. Selbst bei normalem BMI kann ein großer Taillenumfang – bei Männern über 90 cm, bei Frauen über 80 cm – das Herzinfarktrisiko erhöhen.
Eine Meta-Analyse aus dem Juni 2026 unterstreicht zudem den Zusammenhang zwischen steigendem BMI und dem Risiko für 19 Krebsarten. Bei Leberkrebs steigt das Risiko pro fünf BMI-Punkte um 20 Prozent.
Neue Hoffnung aus der Forschung
In der Pharmaforschung werden derzeit verschiedene Ansätze zur Behandlung der Fettleber erprobt. Ein bekanntes Anthelminthikum namens Niclosamid wird aktuell auf sein Potenzial zur Beeinflussung von Stoffwechselprozessen getestet.
Forscher der Universitäten Zürich und Pisa untersuchen zudem BET-Protein-Inhibitoren. Diese Epigenetik-Medikamente sollen Entzündungsprozesse im Fettgewebe reduzieren und die Gefäßfunktion normalisieren.
Parallel dazu gewinnen digitale Lösungen an Bedeutung. Seit Juni 2026 setzen Gesundheitsprogramme verstärkt auf Smartwatches zur Überwachung von Vitalparametern. Ziel ist ein Wandel von der reinen Behandlung hin zur Prävention.
Experten empfehlen zur Reduktion von Bauchfett eine ballaststoffreiche Ernährung und den Verzicht auf stark verarbeitete Lebensmittel. Bereits eine Reduktion des Fast-Food-Konsums um 20 Prozent könne spürbare Effekte erzielen.
GLP-1-Medikamente: Segen mit Nebenwirkungen
Die Einführung neuer Medikamente zur Gewichtsreduktion wie GLP-1-Rezeptor-Agonisten bringt spezifische Herausforderungen mit sich. Eine auf dem Fachkongress ENDO 2026 vorgestellte Studie an 753 Erwachsenen zeigte: Die körperliche Aktivität sank nach Therapiebeginn messbar.
Die durchschnittliche tägliche Schrittzahl verringerte sich von etwa 5.047 auf 4.487 Schritte. Studienleiterin Dr. Sajana Maharjan warnt vor einem möglichen Verlust an Muskelmasse.
Pharmaunternehmen wie Eli Lilly, AstraZeneca und Novo Nordisk arbeiten deshalb an neuen Wirkstoffkombinationen. Ziel ist es, den Fettabbau zu fördern und gleichzeitig die Muskelmasse zu erhalten. In Studien erreichte die Kombination von Cagrilintide einen Fettabbau von bis zu 67 Prozent.
Ein weiterer Forschungsansatz namens ATX-304 zielt darauf ab, den Ruheumsatz des Körpers zu steigern. In ersten Tests bei prädiabetischen Patienten führte das zu einer Reduktion des viszeralen Fetts um etwa fünf Prozent.
