BARMER-Report: Ausgaben für Herzinsuffizienz-Medikamente steigen um 121 Prozent
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 20:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der BARMER-Arzneimittelreport 2026, vorgestellt in Berlin, zeigt einen deutlichen Kostenanstieg bei Medikamenten gegen Herzinsuffizienz und Asthma über das vergangene Jahrzehnt. Die Krankenkasse hat dafür ihre Versichertendaten von 2014 bis 2024 ausgewertet und dabei Versicherte mit Herzinsuffizienz ab 50 Jahren sowie Asthma-Patienten ab 18 Jahren betrachtet.
Deutlicher Anstieg der Gesamtausgaben
Die BARMER-Gesamtausgaben für Herzinsuffizienz-Medikamente stiegen demnach zwischen 2014 und 2024 um 121 Prozent auf 441 Millionen Euro. Bei Asthma-Medikamenten fiel der Anstieg mit 80 Prozent auf 516 Millionen Euro etwas moderater aus, liegt aber in absoluten Zahlen sogar höher.
Die Zahl der behandelten Patienten wuchs im selben Zeitraum deutlich langsamer: um 14 Prozent bei Herzinsuffizienz und lediglich 3 Prozent bei Asthma. Der Kostenanstieg ist damit nicht in erster Linie auf mehr Behandelte zurückzuführen, sondern auf teurere Therapien pro Person.
Patentgeschützte Präparate als Preistreiber
Besonders deutlich zeigt sich das bei den patentgeschützten Arzneimitteln. Pro Person stiegen die entsprechenden Ausgaben bei Herzinsuffizienz von 512 Euro im Jahr 2014 auf 1.451 Euro im Jahr 2024 – ein Plus von 183 Prozent. Bei Asthma legten die patentgeschützten Arzneimittelausgaben pro Person um 106 Prozent auf 769 Euro zu.
Auch bei den durchschnittlichen Nettokosten je Patient zeigt sich dieses Muster: Bei Herzinsuffizienz stiegen sie von 1.176 Euro (2014) auf 2.283 Euro (2024), ein Plus von 94 Prozent, wobei patentgeschützte Mittel um 183 Prozent zulegten, Generika hingegen nur um 22 Prozent.
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Bei Asthma kletterten die Medikamentenkosten je Patient von 770 Euro auf 1.351 Euro, rund 80 Prozent mehr, während patentgeschützte Präparate um 106 Prozent teurer wurden.
Der Bericht nennt als Kostentreiber moderne Präparate und biologische Therapien. Als Beispiel werden SGLT2-Inhibitoren angeführt, die 2020 eine erweiterte Zulassung für chronische Herzinsuffizienz erhielten; ihre Apothekenpreise lagen zwischen 2,36 und 2,42 Euro je Tablette.
Nicht gedeckte Kosten und therapeutischer Nutzen
Laut Report bleiben erhebliche Kostenanteile ungedeckt: Bei Asthma beziffert der Bericht diese auf 65,5 Millionen Euro beziehungsweise 13 Prozent, bei Herzinsuffizienz auf 127,7 Millionen Euro oder 29 Prozent.
Dem stehen laut zitierten Studien Verbesserungen im Behandlungsergebnis gegenüber: Die Sterblichkeit bei Herzinsuffizienz sank demnach, und bei ausgewählten Asthma-Studienteilnehmern gingen Exazerbationen um 44 Prozent und Krankenhausaufnahmen um 60 Prozent zurück.
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Der Rückgang der kardiovaskulären Sterblichkeit geht dem Report zufolge zur Hälfte auf die Arzneimitteltherapie und zur Hälfte auf die Reduktion von Risikofaktoren zurück. Der Kostenanstieg bei beiden Erkrankungen übertraf laut Bericht die durchschnittliche Einnahmenentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung.
Forderungen von BARMER und Branchenverband
Vor diesem Hintergrund fordert BARMER eine Weiterentwicklung des AMNOG-Verfahrens, eine stärkere Einbeziehung von Zusatznutzen und Einsatzumfang bei der Preisfestsetzung sowie mehr Prävention.
Der Pharmaverband vfa reagierte auf den Report mit der Forderung nach einem Gesamtblick auf Krankheitslast, Versorgung und vermeidbare Folgekosten. Der Verband verweist darauf, dass die Zahl der von Adipositas Betroffenen zwischen 2015 und 2023 von rund 10 Millionen auf 16,7 Millionen gestiegen sei.
Bei acht häufigen chronischen Erkrankungen seien die Behandlungskosten im selben Zeitraum weniger stark gestiegen als die Behandlungskosten in Deutschland insgesamt, während die Zahl der Betroffenen bei fast allen Erkrankungen zugenommen habe.
Zudem sei der Anteil von Arzneimitteln und Krankenhausbehandlungen an den gesamten Krankheitskosten überwiegend gesunken, während Pflege, ärztliche Versorgung oder private Haushalte größere Kostenanteile getragen hätten. Der vfa plädiert daher ebenfalls für mehr Prävention und frühzeitige Behandlung als Weg, langfristige Folgekosten zu vermeiden.
