Barmer-Report, Arzneimittelausgaben

Barmer-Report: Arzneimittelausgaben bei Herzinsuffizienz steigen um 121 Prozent

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Barmer meldet stark höhere Medikamentenausgaben, während der Report zugleich sinkende Sterblichkeit und weniger Asthma-Komplikationen beschreibt.

Barmer-Report 2026: Arzneimittelkosten bei Herzinsuffizienz und Asthma steigen
Ein minimalistisch gestalteter, heller Laborflur mit medizinischer Ausstattung in einer Forschungseinrichtung. Illustration mit AI erstellt.

Der vorgestellte Barmer Arzneimittelreport 2026 fordert eine umfassende Betrachtung der Krankheitslast, der Versorgung sowie der Folgekosten bei chronischen Volkskrankheiten.

Im Zentrum der Analyse stehen erhebliche Ausgabensteigerungen in der medikamentösen Versorgung von Patienten, insbesondere bei Herzinsuffizienz und Asthma bronchiale. Die Krankenkasse sieht Reformbedarf bei der Preisbildung, während Industrievertreter auf veränderte Kostenstrukturen und den Nutzen innovativer Therapien verweisen.

Deutlicher Kostenanstieg bei Herzinsuffizienz und Asthma bronchiale

Die Auswertung der Barmer für den Zeitraum von 2014 bis 2024 zeigt eine spürbare finanzielle Dynamik bei den untersuchten Versicherten, zu denen Personen mit Herzinsuffizienz ab 50 Jahren sowie Personen mit Asthma bronchiale ab 18 Jahren zählten.

Bei Barmer-Versicherten stiegen die Gesamtausgaben für Medikamente bei Herzinsuffizienz um 121 % auf 441 Mio. Euro. Bei Asthma bronchiale kletterten die Ausgaben um 80 % auf 516 Mio. Euro.

Diese Entwicklung übertrifft den Zuwachs bei den Behandlungszahlen deutlich: Die erfassten Fälle nahmen laut Barmer im selben Zeitraum lediglich um 14 % bei Herzinsuffizienz beziehungsweise um 3 % bei Asthma zu. Parallel dazu erhöhten sich die Nettokosten je behandelter Person und Jahr markant.

Bei Herzinsuffizienz stiegen sie von 1.176 Euro im Jahr 2014 auf 2.283 Euro im Jahr 2024, was einem Zuwachs von 94 % entspricht. Bei Asthma bronchiale kletterten die jährlichen Nettokosten je Person von 770 auf 1.351 Euro, ein Plus von 74 %.

Anzeige

Wer sich mit den steigenden Kosten und der Komplexität moderner Medikamente befasst, sollte auch die eigenen Blutwerte genau im Blick behalten. Dieser kostenlose Report erklärt, welche Werte wirklich wichtig sind – und welche oft überbewertet werden. Laborwerte-Selbstcheck: Verstehen, handeln, gesund bleiben!

Patentgeschützte Präparate treiben die Ausgaben

Als maßgeblichen Treiber dieser Entwicklung identifiziert die Krankenkasse patentgeschützte Arzneimittel. Bei diesen Präparaten betrug der Kostenanstieg über die zehn Jahre 183 % bei Herzinsuffizienz und 106 % bei Asthma, wo die Kosten für patentierte Medikamente auf 769 Euro stiegen. Demgegenüber legten die Ausgaben für Generika mit 22 % bei Herzinsuffizienz und 38 % bei Asthma moderater zu.

Reportautor Daniel Grandt bezifferte die durchschnittlichen Herzinsuffizienz-Arzneimittelkosten je Person und Jahr auf 512 Euro für 2014 und auf 1.451 Euro für das Jahr 2024. Laut Barmer waren zudem 29 % der realen Kosten bei Herzinsuffizienz nicht gedeckt, was einem Betrag von 127,7 Mio. Euro entspricht.

Bei Asthma belief sich der nicht gedeckte Anteil auf 65,5 Mio. Euro oder 13 % der Kosten. Gesamtwirtschaftlich verweist die Kasse darauf, dass die Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung zwischen 2014 und 2024 um 57 % stiegen, während die Arzneimittelausgaben um 65 % zulegten. Die beitragspflichtigen GKV-Einnahmen wuchsen in diesem Zeitraum jährlich um 3,1 %.

Forderungen nach Reformen und therapeutischer Nutzen

Vor diesem Hintergrund fordert Barmer-Chef Christoph Straub eine Weiterentwicklung der Nutzenbewertung und faire Arzneimittelpreise. Die Kasse dringt auf eine Reform des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) und der Preisbildung, eine stärkere Ausgabenkontrolle, zusätzliche Datenerhebungen nach der Zulassung sowie verstärkte Präventionsmaßnahmen.

Anzeige

Angesichts der Diskussion um Therapiekosten und Nutzenbewertungen gewinnen fundierte Informationen über die eigene Medikation an Bedeutung. Ein unabhängiger Medizinexperte enthüllt, welche Mittel im Alter plötzlich riskant werden – ein kostenloser Report ist jetzt verfügbar. Stürze, Schwindel, Verwirrtheit: So schützen Sie sich mit dem richtigen Medikamentenwissen

Bei der Preisfestsetzung sollten der Zusatznutzen und der tatsächliche Einsatzumfang neuer Medikamente stärker gewichtet werden, verbunden mit Nachverhandlungen bei veränderter Evidenz oder Marktlage.

Gleichzeitig verzeichnet der Report spürbare medizinische Fortschritte. Laut Studien sank bei ausgewählten Patienten mit Herzinsuffizienz die Sterblichkeit; der geschätzte Überlebensgewinn liegt bei sechs Jahren für 55-Jährige und bei fünf Jahren für 70-Jährige. Bei Asthma bronchiale gingen die Exazerbationen um 44 % zurück, während die Krankenhausaufnahmen um 60 % sanken.

Reaktionen aus der pharmazeutischen Industrie

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) nahm am 23. September 2026 Stellung zum Report und forderte ebenfalls eine umfassende Betrachtung von Krankheitslast, Versorgung und Folgekosten.

Der Verband hält den Ergebnissen entgegen, dass bei acht häufigen chronischen Erkrankungen – darunter Depressionen, Hypertonie und Asthma – die Behandlungskosten im Zeitraum von 2015 bis 2023 weniger stark gestiegen seien als die Behandlungskosten in Deutschland insgesamt.

Zudem habe sich die Zusammensetzung der Aufwendungen verschoben: Bei den untersuchten Krankheitsbildern sank laut vfa überwiegend der Anteil von Arzneimitteln und Klinikbehandlungen an den Gesamtkrankheitskosten, während Pflege, ärztliche Versorgung und private Haushalte größere Anteile trügen.

Zugleich wies der Verband darauf hin, dass die Zahl der von Adipositas Betroffenen zwischen 2015 und 2023 von rund 10 auf 16,7 Mio. gewachsen sei, und betonte die Bedeutung von Prävention sowie eines frühen Zugangs zu Therapien.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70177565 |