Bankensektor, Ausfälle

Bankensektor: Ausfälle bei Lloyds und Barclays erschüttern Vertrauen

Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Banken modernisieren mit Cloud und Blockchain, kämpfen aber mit Ausfällen und Cyberangriffen. Neue Zahlungsdienste und tokenisierte Einlagen treiben die Transformation.

Fintech-Update: Cloud, Blockchain und Ausfälle bei Banken
Moderner Finanzdatenzentrum-Serverraum mit blauen Leuchten und fortschrittlicher Serverinfrastruktur Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die globale Finanzbranche steht vor einer gewaltigen Aufgabe: Altsysteme modernisieren, ohne den laufenden Betrieb zu gefährden. Banken setzen dabei auf Cloud-Lösungen und Blockchain-Technologien, kämpfen aber gleichzeitig mit Ausfällen und Cyberangriffen.

Private Cloud als Treiber der Digitalisierung

Immer mehr Großbanken setzen auf private Cloud-Infrastrukturen, um ihre globalen Systeme zukunftsfähig zu machen. Die Standard Chartered, die in 54 Märkten aktiv ist, hat sich für eine Partnerschaft mit Broadcom entschieden. Ziel ist die Modernisierung mittels VMware Cloud Foundation – ein Schritt, der die Sicherheit und Ausfallsicherheit verbessern soll. Schließlich verlangen Kunden rund um die Uhr Zugriff auf Bankdienstleistungen.

Im Fintech-Sektor treibt die „Infrastructure-as-a-Service"-Idee neue Zahlungsdienste voran. Cross River stellt die Bankinfrastruktur für X Money, einen Dienst für Peer-to-Peer-Zahlungen und Visa-Debitkarten. Nach einem begrenzten Beta-Start im Mai 2025 weitete X Money die Testphase im März 2026 aus.

Blockchain erobert den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr

Besonders in Südkorea gewinnt die Blockchain-Technologie für internationale Überweisungen an Fahrt. Die KB Kookmin Bank, größtes Kreditinstitut des Landes, plant für August 2026 den Start von Dollar-Zahlungen über J.P. Morgans Kinexys-Plattform. Damit ist sie die erste südkoreanische Bank, die das Blockchain-System für Firmenkunden nutzt. Die Plattform hat bereits kumuliert über 4 Billionen Dollar umgesetzt – bei täglichen Volumina von mehr als 7 Milliarden Dollar.

Andere südkoreanische Institute ziehen nach. Am 19. Juni 2026 unterzeichnete die Toss Bank eine Absichtserklärung mit der Solana Foundation, um Blockchain-basierte Überweisungen zu testen. Zudem startet Coupang mit der Woori Bank einen Pilotversuch für Echtzeit-Abrechnungen mit Won-Stablecoins auf der Tempo-Blockchain – zunächst für den Essenslieferdienst.

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Im Bereich digitaler Vermögenswerte haben LayerZero und Keeta im Juli 2026 tokenisierte Bankeinlagen eingeführt. Das System unterstützt neun Hauptwährungen, darunter US-Dollar, Euro und Yen, auf mehreren Blockchains wie Ethereum und Solana. Die Einlagen werden bei Bivo, einem lizenzierten US-Unternehmen, verwahrt.

Technische Pannen erschüttern das Vertrauen

Trotz aller Fortschritte bleiben technische Ausfälle eine große Herausforderung. Am 27. Juli 2026 kam es bei mehreren britischen Großbanken – darunter Lloyds, Barclays und Halifax – zu erheblichen Störungen. Kunden konnten sich nicht in Mobile-Banking-Apps einloggen, der Online-Zugriff war blockiert, Überweisungen scheiterten. Beschwerden häuften sich ab Mittag. Lloyds bestätigte, dass Verzögerungen im Faster-Payments-System die Ursache waren.

Solche Vorfälle sind kein Einzelfall. Bereits am 19. März 2026 fielen die digitalen Dienste von DBS und POSB in Singapur für etwa eine Stunde aus – tausende Nutzer waren betroffen. Die Aufsichtsbehörde Monetary Authority of Singapore (MAS) reagierte prompt: Sie behält den 1,8-fachen Multiplikator auf risikogewichtete Aktiva für DBS' operationelles Risiko bei, erlaubte aber die Wiederaufnahme nicht essenzieller Aktivitäten.

Cyberangriff und Kapitaldebatte

Die Sicherheitslage bleibt angespannt. Am 24. Juli 2026 wurde Triple-A, ein lizenziertes Zahlungsinstitut mit Sitz in Singapur, Opfer eines Hackerangriffs. Die Angreifer erbeuteten über einen Zeitraum von 31 Stunden 11,8 Millionen Dollar aus Treasury-Wallets auf sieben verschiedenen Blockchains. Das Unternehmen betont, dass Kundengelder dank regulatorischer Sicherheitsvorkehrungen nicht betroffen waren.

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Doch nicht nur technische Risiken belasten die Branche. Britische Banken, vertreten durch den Verband UK Finance, beklagen, dass die Kapitalvorschriften der Bank of England sie gegenüber der Wall Street benachteiligen. Die Eigenkapitalanforderungen sind demnach deutlich höher und schränken die Kreditvergabe ein. Besonders bitter: Britische Banken müssen Milliarden für Software-Investitionen vom Kapital abziehen – eine Praxis, die für US-Wettbewerber nicht gilt.

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