Bankbetrug, Telefon

Bankbetrug am Telefon: So bringen Täter Opfer zur Smartphone-Fernsteuerung

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 23:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Betrüger setzen auf falsche Bankanrufe, Fernzugriff und psychischen Druck; Behörden warnen vor Geldtransfers und Datenweitergabe.
Ein schattiger, minimalistischer Wohnraum mit einem einsamen Stuhl am Fenster, der eine nachdenkliche und ruhige Atmosphäre erzeugt. Illustration mit AI erstellt.

Kriminelle kontaktieren derzeit vermehrt Bankkunden über das Telefon oder per Messenger, geben sich als Bankmitarbeiter aus und versuchen, die Kontrolle über deren Smartphones zu erlangen. Sicherheitsbehörden und IT-Experten in mehreren Ländern schlagen Alarm, da die Täter mit gezieltem Social Engineering, technischen Täuschungen und erheblichem psychologischem Druck vorgehen.

Druckmittel und angebliche Sicherheitskonten

Die Vorgehensweise der Anrufer folgt oft einem ähnlichen Muster. Die Polizei im polnischen Chorzów warnt vor Betrügern, die angebliche Hackerangriffe auf das Konto, verdächtige Transaktionen oder unbefugte Kreditanträge erfinden.

Unter starkem Zeitdruck werden die Betroffenen dazu gedrängt, Geld auf vermeintlich sichere Konten zu transferieren, Bargeld an Automaten abzuheben und einzuzahlen, Freigabecodes wie BLIK-Codes oder Online-Banking-Daten herauszugeben oder Fernzugriffs-Apps zu installieren.

Die Polizei stellt klar, dass echte Bankmitarbeiter niemals zu Geldtransfers zur Absicherung auffordern und eine vertrauenswürdig erscheinende Rufnummernanzeige kein Beweis für die Identität des Anrufers ist. Betroffene sollten sofort auflegen, das Institut über die offizielle Nummer kontaktieren, Karten sperren und Anzeige erstatten.

In Brasilien warnt die Zivilpolizei von Paraná (PCPR) vor einer vergleichbaren Masche namens „Golpe da falsa central bancária“. Auch dort gaukeln Täter unberechtigte Kontobewegungen vor und drängen zu Pix-Überweisungen auf angebliche Sicherheitskonten.

Fernando Garbelini von der PCPR betont, dass Kreditinstitute weder Passwörter, Sicherheitscodes noch Überweisungen zum Schutz des Guthabens verlangen, ebenso wenig die Installation von Programmen.

Die PCPR rät Geschädigten, unverzüglich ihre Bank zu verständigen, das Rückholverfahren des Banco Central (Mecanismo Especial de Devolução) zu beantragen, Anzeige erstatten oder Hinweise anonym über die Notrufnummer 181 zu melden.

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Perfektionierte Technik und internationale Netzwerke

Die Betrugsnetzwerke agieren technisch hochgerüstet. Das Sicherheitsteam von Okta Threat Intelligence untersuchte Phishing-Baukästen für Telefonbetrug. Dabei leiten Angreifer unter dem Vorwand technischer Unterstützung die Opfer auf gefälschte Seiten, greifen Anmeldedaten in Echtzeit ab und steuern den Login im Browser des Nutzers fern.

Die gefälschten Seiten passen sich dynamisch an Sicherheitsabfragen wie Push-Bestätigungen oder Zahlencodes an. Okta empfiehlt daher phishing-resistente Verfahren wie Passkeys oder Hardware-Sicherheitsstandards.

Thomas Peacock von der Sicherheitsfirma BioCatch weist darauf hin, dass Kriminelle auch mit Schadsoftware infizierte Anwendungen – etwa für kostenlose Fußballübertragungen – nutzen, um Mobilgeräte fernzusteuern. Überweisungen würden dabei häufig nachts ausgeführt.

Das Unternehmen testete entsprechende Detektoren mit über 500 Millionen Nutzern weltweit und nutzt feine Unterschiede zwischen menschlicher Bedienung und Fernsteuerungen, um verdächtige Zahlungen rechtzeitig zu stoppen.

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Da herkömmliche Passwörter bei modernen Phishing-Angriffen oft nicht mehr ausreichen, gewinnen neue, sicherere Anmeldeverfahren wie Passkeys zunehmend an Bedeutung. Ein kostenloser Report erklärt, wie Sie diese Technologie bei gängigen Diensten einrichten und so Ihre Online-Konten effektiv vor Hackern schützen. Passkeys: Die sichere Alternative ohne Passwort-Stress gratis nachlesen

In der Ukraine beobachtet Idea Bank laut Maksym Yadviga eine Variante, bei der Betrüger ihre Opfer davon überzeugen, eigenständig Kredite bei teils sechs bis sieben Banken an einem einzigen Tag aufzunehmen und die Summen an Dritte zu überweisen. Künstliche Intelligenz helfe bei der Erstellung gefälschter Nachrichten, Bilder und Stimmen.

Die Statistik der ukrainischen Zentralbank NBU für 2025 verzeichnete 256.000 betrügerische Kartentransaktionen mit einem Gesamtschaden von 1,4 Milliarden Hrywnja. Zwar sanken die Fälle gegenüber 2024 um 5 Prozent, die finanziellen Verluste stiegen jedoch um 24 Prozent bei einem Durchschnittsschaden von 5.536 Hrywnja.

Auch in Schweden melden die Organisation SSF und die Initiative Säkerhetskollen Anrufe angeblicher Mitarbeiter des Zahlungsdienstes Swish. Unter dem Vorwand einer angeblichen Bitcoin-Bestellung im Wert von 5.000 schwedischen Kronen (rund 430 Euro) fordern meist englischsprachige Anrufer den Start von Fernzugriffssoftware. Dabei manipulieren die Täter die Anruferkennung über das Internet: Nach britischen Nummern im Juli 2026 und norwegischen im September 2026 nutzten sie zuletzt deutsche Vorwahlen mit der Kennung +49.

Dass die Masche auch hierzulande greift, zeigt ein Fall des Polizeipräsidiums Osthessen: In Fulda überwies ein 72-jähriger Mann nach dem Anruf eines vermeintlichen Bankmitarbeiters einen unteren vierstelligen Betrag auf ein unbekanntes Konto.

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