Ballaststoff-Getränke: Coca-Cola testet Dosen mit 6 g Faserstoffen
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 18:14 Uhr | Redaktion boerse-global.deBallaststoffe gelten in der Ernährungswissenschaft als wesentliche Bausteine für eine geregelte Verdauung, lang anhaltende Sättigung und die allgemeine Darmgesundheit. Vor diesem Hintergrund beobachtet der Markt eine wachsende Zahl an Produkten, die gezielt mit Ballaststoffen angereichert und als funktionelle Getränke beworben werden.
Fachquellen und Experten gehen derweil der Frage nach, inwieweit speziell zugesetzte Faserstoffe in flüssiger Form überhaupt notwendig sind, um den täglichen Bedarf zu decken.
Wachsendes Angebot an angereicherten Erfrischungen
Die Getränkeindustrie baut ihr Angebot an ballaststoffangereicherten Produkten kontinuierlich aus. Der Getränkekonzern Coca-Cola testet ab Ende Oktober 2026 in Teilen von New York, New Jersey und Pennsylvania zuckerfreie Versionen von Coca-Cola Zero Sugar, Sprite Zero Sugar und Fresca, die jeweils 6 g präbiotische Ballaststoffe pro Dose enthalten. Bei dieser Maßnahme handelt es sich um einen regional begrenzten Testlauf ohne Angaben zu einer künftigen Ausweitung.
In diesem Segment bewegen sich bereits mehrere Anbieter: Die Marke OLIPOP vertreibt Produktlinien mit 6 und 9 g Ballaststoffen je Dose, während PepsiCo die Marke Poppi im Jahr 2025 für rund 2 Mrd. US-Dollar übernahm. Auch auf dem europäischen Markt finden sich entsprechende Neueinführungen.
More Nutrition bietet das Erfrischungsgetränk FIZI mit 10 g Ballaststoffen pro Dose an, um den Zuckergehalt zu reduzieren. Der spanische Hersteller Pascual brachte das Hafer-Roggen-Getränk Vivesoy Fibra mit 3,5 g Ballaststoffen pro Glas auf den Markt, das laut Unternehmensangaben 50 % mehr Fasern enthalte als andere Hafergetränke.
Zufuhrdefizite und ernährungsphysiologische Empfehlungen
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Hintergrund des Trends ist eine weit verbreitete Unterversorgung in der Bevölkerung. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen eine Zufuhr von mindestens 30 g Ballaststoffen pro Tag.
Daten der spanischen ANIBES-Studie zeigen demgegenüber für Spanien einen täglichen Durchschnittswert von lediglich 13 g, verglichen mit den von der EFSA empfohlenen 25 g pro Tag. Pascual verwies zudem auf Erhebungen von Innova Market Research, wonach 71 % der Verbraucher auf ihre Ballaststoffaufnahme achten und 55 % diese als Schlüsselfaktor für die Verdauung sehen.
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Der Molekularbiologe František Knobloch legte dar, dass die menschlichen Vorfahren geschätzte 80–100 g Ballaststoffe täglich konsumierten, während die moderne Zufuhr oft nur bei 10–15 g liege.
Eine Verdopplung bis Verdreifachung dieser Menge bringe Vorteile für die metabolische Gesundheit, die kardiovaskuläre Prävention, die Verdauung und möglicherweise die Immunfunktion mit sich. Er empfiehlt dafür unter anderem Psyllium, Pektin, Inulin, Fruktooligosaccharide, Galaktooligosaccharide sowie Akazienfaser.
Verarbeitungsgrad und natürliche Alternativen
Ob die Anreicherung verarbeiteter Lebensmittel den gleichen gesundheitlichen Nutzen wie vollwertige Lebensmittel erzielt, bleibt Gegenstand der Forschung. Eine im Fachjournal Nature Metabolism veröffentlichte randomisierte Crossover-Studie aus dem Jahr 2026 untersuchte 57 gesunde, normalgewichtige Erwachsene mit einem mittleren Alter von 26 Jahren.
Bei 32 Teilnehmenden, die Mahlzeiten mit rund 300 kcal bei nahezu identischen Makronährstoff- und Ballaststoffmengen erhielten, lag der Insulinspiegel nach der ultrahochverarbeiteten Mahlzeit zu den Zeitpunkten 40, 60, 90 und 120 Minuten signifikant höher.
Prof. Dr. Daniela Berg vom UKSH Kiel betonte hierzu, dass die Untersuchung zwar keine neurologischen Erkrankungen belege, jedoch die physiologische Relevanz des Verarbeitungsgrades aufzeige.
Zudem betonen Fachleute wie Dr. Milan Trojánek, dass sich komplexe Strukturen wie das Mikrobiom nicht isoliert über einzelne Präparate steuern lassen. Stattdessen empfiehlt er für die Darmgesundheit den Rückgriff auf traditionell fermentierte Lebensmittel wie Kimchi, Krautsalat, Tempeh oder Kefir.
