Balkan-Bäckereien, Burek

Balkan-Bäckereien: Burek und Baklava füllen Lücken im Handwerk

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 00:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Filialen verbinden Balkan-Spezialitäten mit deutschen Backwaren; der Rückgang klassischer Bäckereien schafft zusätzliche Standorte.

Balkan-Bäckereien wachsen und verändern deutsche Innenstädte
Heller Innenraum einer modernen Bäckerei mit leeren Holzregalen und Blick auf eine ruhige Fußgängerzone. Illustration mit AI erstellt.

Balkan-Bäckereien gewinnen in deutschen Städten zunehmend an Bedeutung und füllen mit Spezialitäten wie Burek und Baklava spürbare Lücken im Bäckereihandwerk. Sichtbar wird dieser Trend unter anderem am Wachstum neuer Filialnetze: So eröffnete die 2021 in Pforzheim von Arben Jahdauti und Ramiz Krasniqi gegründete Kette Happy Baker im Februar 2026 einen Standort in der Hanauer Nürnberger Straße.

Das Unternehmen betreibt bereits Filialen in Offenbach, Wiesbaden, Kassel, Neu-Isenburg sowie Hanau und steht beispielhaft für eine dynamische Entwicklung, die das Bild vieler Fußgängerzonen verändert.

Strukturwandel im Handwerk und veränderte Essgewohnheiten

Hintergrund der Entwicklung ist auch der anhaltende Rückgang klassischer Handwerksbetriebe. Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks waren Ende 2025 bundesweit noch 8.659 Betriebe in der Handwerksrolle eingetragen, was einem Minus von 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Nach Einschätzung des Verbands können traditionelle Bäckereien und Balkan-Bäckereien jedoch nebeneinander koexistieren.

Der Regensburger Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder führt den Trend auf frei werdende Bäckereistandorte sowie veränderte Verzehrgewohnheiten zurück. Kleinere Speisen für unterwegs, die sich zwischen klassischem Snack und vollständiger Mahlzeit bewegen, gewinnen an Bedeutung.

Balkan-Bäckereien bewegen sich Hirschfelder zufolge an der Schnittstelle zwischen traditioneller Bäckerei und Imbiss. Zudem habe sich das Image des Balkans in Deutschland gewandelt: Kroatien gelte als etabliertes Reiseziel, Städte wie Belgrad und Sarajevo zögen Besucher an, und auch Albanien werde touristisch erschlossen.

Traditionelle Rezepturen treffen auf deutsches Sortiment

Das Speisenangebot verbindet traditionelle Balkan-Küche mit hiesigen Klassikern. Ende Juli 2026 eröffnete die 42-jährige Imrane Baftiu, deren Eltern als Gastarbeiter aus dem Kosovo nach Deutschland kamen, die Balkan Bakery in Ravensburg.

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Mit vier Beschäftigten zielt der Betrieb darauf ab, einen Ort der Gastfreundschaft zu bieten. Das Angebot umfasst Spezialitäten verschiedener Balkan-Nationen, darunter mit Spinat und Käse gefüllten Burek, Cevapcici sowie die Vanillecremeschnitte Krempita.

Ergänzend führt der Betrieb deutsche Backwaren wie Laugengebäck und Vollkornprodukte. Das Blätterteiggericht Burek besitzt eine lange Historie: Erste schriftliche Belege reichen nach Angaben des Portals Toettchen bis in das 16. Jahrhundert zurück.

Marktlage und Wettbewerb im Bäckerhandwerk

Auch in Hessen wächst die Zahl entsprechender Verkaufsstellen, unter anderem in Hanau, Offenbach, Wiesbaden und Dreieich. Die Kette Balkan Bäckerei etwa unterhält dort vier Standorte, darunter zwei Filialen in Hanau sowie jeweils ein Geschäft in Dreieich und Offenbach.

Der Geschäftsführer des Bäckerinnungsverbands Baden-Württemberg, Frank Sautter, beobachtet ebenfalls eine zunehmende Verbreitung. Zwar fehle eine eigene statistische Erfassung und die bundesweite Gesamtzahl lasse sich nicht exakt beziffern, doch das Angebot wachse inzwischen auch außerhalb der Metropolen.

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Ähnlich wie türkische Bäckereien fänden auch Balkan-Bäckereien ihren festen Platz. Für traditionelle Handwerksbäcker bringe dies zwar zusätzliche Mitbewerber und punktuelle Kundenverluste mit sich, eine existenzielle Bedrohung sieht Sautter darin jedoch nicht; größere Konkurrenz gehe von Discountern aus.

Preisvorteile hätten die neuen Betriebe nicht, da beide Seiten unter ähnlichem Kostendruck stünden, während traditionelle Betriebe meist ein breiteres Sortiment vorhielten. Zugleich seien die neuen Anbieter bislang kaum in den Bäckerinnungen organisiert.

Mehr zum Thema bei Süddeutsche Zeitung: „Burek statt Brezel? - Warum plötzlich überall Balkan-Bäckereien entstehen - Stil“

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