Babymilch-Skandal, Ermittlungen

Babymilch-Skandal: Ermittlungen gegen Nestlé und Danone

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 17:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Seit 2010 reichten Hersteller 235 Klagen gegen Gesundheitsregeln ein. WHO kritisiert Verzögerungstaktiken mit Milliardenfolgen für die Gesellschaft.

Lebensmittelindustrie: 235 Klagen gegen Gesundheitsvorschriften weltweit
Ein Richterhammer liegt auf Verpackungen von hochverarbeiteten Lebensmitteln als Symbol für den Rechtsstreit um Regulierung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Weltweit wehren sich Lebensmittelhersteller juristisch gegen schärfere Gesundheitsregeln. Seit 2010 gab es 235 Klagen gegen staatliche Regulierungen – mit einer Gesamtprozessdauer von fast 600 Jahren.

Verzögerungstaktik mit Milliardenfolgen

Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation kritisiert das Vorgehen der Industrie deutlich: Jede Verzögerung koste die Gesellschaft Milliarden. Die Zahlen dahinter sind alarmierend. Rund eine Milliarde Menschen gelten als adipös, zwei weitere Milliarden als übergewichtig. In Großbritannien, den USA und Australien machen hochverarbeitete Produkte bereits die Hälfte der täglichen Ernährung aus.

Doch Regulierungen können wirken. 2021 verlor Kellogg’s eine Klage gegen Werbebeschränkungen für Produkte mit hohem Fett-, Zucker- oder Salzgehalt. Das Urteil gilt als Präzedenzfall.

Indien: Energy Drinks unter Druck

Die indische Lebensmittelaufsicht FSSAI bleibt hart: Innerhalb von 90 Tagen müssen Hersteller die Bezeichnung „Energy Drink“ von ihren Produkten entfernen. PepsiCo, Red Bull und Monster forderten ein Jahr Umsetzungszeit – vergeblich.

Der Markt wächst jährlich um über 12 Prozent. Allein 2023 wurden 907 Millionen Liter abgesetzt. In der Region Rajasthan beschlagnahmten Behörden bereits tausende Einheiten, die den neuen Vorgaben nicht entsprechen.

Europa: Streit um Nutri-Score

Estnische Wirtschaftsverbände lehnen die Einführung des Nutri-Score ab. Ihre Begründung: Die wissenschaftliche Wirksamkeit sei nicht belegt. Als Argument führen sie Frankreich an – dort ist das System seit 2017 aktiv, die Adipositasraten stiegen jedoch weiter.

Die Skepsis ist auch in der Industrie angekommen. Danone, Ferrero und Nestlé haben sich teilweise aus dem System zurückgezogen.

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Thailand plant Natriumsteuer

In Thailand steht eine Steuer auf Instantnudeln und Snacks zur Debatte. Berechnungen zufolge könnte sie innerhalb von zehn Jahren über 150.000 Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen verhindern. Die wirtschaftlichen Verluste durch salzreiche Ernährung beziffert das Land auf 78 Milliarden Baht jährlich.

Russland und Deutschland: Drastische Salz- und Zuckerwerte

Die WHO empfiehlt maximal 5 Gramm Salz pro Tag. In Russland konsumieren Menschen durchschnittlich bis zu 12 Gramm. Die App „Honest SIGN“ soll mit über 40.000 Produkteinträgen für Transparenz sorgen.

In Deutschland zeigt Foodwatch-Daten zufolge ein erschreckendes Bild: Viele Kinder erreichen ihre empfohlene Jahreszuckergrenze bereits im Sommer. Ein erheblicher Teil ihrer Energie stammt aus freien Zuckern.

Verunreinigte Babymilch: Ermittlungen gegen Nestlé und Danone

Neben der Zusammensetzung rücken Sicherheitsmängel in den Fokus. In Österreich und Frankreich ermitteln Behörden gegen Nestlé und Danone wegen verunreinigter Babymilch. Nach Anzeigen wegen Toxin-Kontaminationen liefen Rückrufe in über 60 Ländern.

Werbeverbote auf dem juristischen Prüfstand

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Der belgische Staatsrat erklärte im Mai ein Werbeverbot für den Begriff „Soldes“ außerhalb gesetzlicher Zeiten für EU-rechtswidrig. Das Urteil zeigt: Staatliche Werbebeschränkungen müssen sich eng an EU-Recht orientieren.

Unterdessen setzt die Industrie auf nachhaltigere Verpackungen. Koehler Paper startete im Frühjahr eine Kampagne für Papierverpackungen – zeitgleich zur ersten Lesung des Verpackungsdurchführungsgesetzes im Bundestag. Der Druck auf die Branche wächst also von allen Seiten.

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