Ayurveda-Strategie, Indien

Ayurveda-Strategie: Indien plant globale Anerkennung bis 2047

03.07.2026 - 09:13:38 | boerse-global.de

Indien verfolgt mit einem neuen Strategieplan das Ziel, Ayurveda bis 2047 als weltweit anerkanntes Medizinsystem zu etablieren.

NITI Aayog-Plan: Ayurveda bis 2047 global etablieren
Ayurveda-Strategie - Eine Weltkarte mit stilisierten ayurvedischen Symbolen, die Indiens globale Strategie zur Anerkennung von Ayurveda darstellt. 03.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein neuer Strategieplan des staatlichen Think Tanks NITI Aayog soll die traditionelle Heilkunst aus Indien in die Welt bringen. Das Ziel ist ambitioniert: Bis 2047 soll Ayurveda als zentrale Säule der globalen Gesundheitsversorgung etabliert sein.

Der am 2. Juli veröffentlichte Bericht „Strategic Roadmap for Making Ayurveda Global“ skizziert den Fahrplan. Er entstand in Zusammenarbeit mit der Beratungsgesellschaft PwC und sieht vor, Ayurveda von einer vorwiegend indischen Tradition zu einem weltweit anerkannten medizinischen System zu transformieren.

Exporte haben sich verdoppelt

Ayurveda wird derzeit in etwa 30 Ländern offiziell anerkannt. Forschungsaktivitäten gibt es in rund 70 Staaten. Die Exportzahlen der indischen Ayush-Industrie zeigen einen klaren Aufwärtstrend: Von 1,09 Milliarden US-Dollar im Jahr 2014 stiegen sie auf rund 2,16 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023.

Der Vertrieb erfolgt aktuell in rund 150 Länder. Ein Problem: Der Großteil der Produkte wird bisher als Nahrungsergänzungsmittel deklariert. Eine medizinische Anerkennung fehlt oft.

Indien hat eine personelle Basis von mehr als 355.000 registrierten Ayurveda-Praktikern. Rund 95 Prozent von ihnen arbeiten jedoch im Inland.

Drei Phasen bis zur Weltmarktführerschaft

Der strategische Fahrplan ist eng mit der nationalen Vision „Viksit Bharat@2047“ verknüpft. Er gliedert sich in drei zeitliche Etappen:

Phase 1 (2025–2029): Im Fokus stehen die flächendeckende Implementierung von WHO-GMP-Zertifizierungen für Produktionsstätten und der Aufbau eines globalen Registers.

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Phase 2 (bis 2035): Geplant sind spezifische Richtlinien, die an internationale Standards wie EU-Direktiven angepasst sind. Pilotprojekte sollen die Einbindung in Versicherungssysteme testen.

Phase 3 (bis 2047): Das Ziel ist die formelle Anerkennung von Ayurveda in mindestens 20 nationalen Gesundheitssystemen weltweit.

Wissenschaftliche Evidenz als Schlüssel

Ein zentraler Punkt der Strategie ist die verstärkte Ausrichtung auf wissenschaftliche Evidenz. Geplant sind globale klinische Studien und die Gründung einer „International Ayurveda Research Alliance“. Eine exportorientierte ayurvedische Pharmakopöe soll regulatorische Hürden in ausländischen Märkten senken.

Um die Akzeptanz in der westlichen Schulmedizin zu erhöhen, empfiehlt der Bericht Ayurveda-Wahlfächer an internationalen medizinischen Fakultäten. Zudem sollen Zentren an prominenten Standorten entstehen: am Times Square in New York, in der Nähe des WHO-Hauptsitzes in Genf und am Trafalgar Square in London.

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Die Strategie orientiert sich teilweise am Erfolg der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). China hat bereits über 30 Auslandszentren etabliert. Indien setzt zudem auf bestehende Kooperationen: Seit 2014 wurden über 75 Absichtserklärungen unterzeichnet und Ayush-Informationszellen in 39 Ländern eingerichtet.

Regulatorische Hürden bleiben

Ein wesentlicher Engpass bleibt die unterschiedliche regulatorische Einstufung ayurvedischer Produkte. NITI Aayog betont die Notwendigkeit gegenseitiger Anerkennungsabkommen und die Einhaltung internationaler Sicherheitsstandards.

In Fachgesprächen zwischen Regierungs- und Branchenvertretern Anfang Juli wurden die Bedeutung von Freihandelsabkommen und die Einführung eines speziellen „Ayush Quality Mark“ hervorgehoben. Durch die Integration in internationale Klassifikationssysteme wie das ICD-11 der WHO und die Zusammenarbeit mit dem WHO Global Traditional Medicine Centre in Jamnagar strebt Indien eine wissenschaftlich fundierte und regulatorisch abgesicherte globale Marktführerschaft an.

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