Axia-DiGA-App: 51 Prozent erreichen ASAS20, Kontrollgruppe nur 9 Prozent
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 01:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Schmerzmedizin steht an mehreren Fronten gleichzeitig im Umbruch. Neue Wirkstoffe, digitale Therapiebegleiter und veränderte regulatorische Rahmenbedingungen deuten darauf hin, dass sich Behandlungsansätze für chronische Schmerzpatienten in den kommenden Jahren spürbar verändern könnten.
Ein aktuelles Beispiel liefert das Unternehmen ZYUS, das Topline-Ergebnisse seiner Phase-2a-Studie UTOPIA-1 zu Trichomylin als Zusatztherapie bei fortgeschrittenem Krebs mit mäßigen bis starken Schmerzen vorlegte.
ZYUS-Studie zu Trichomylin bei Krebsschmerzen
An der Untersuchung nahmen 11 Patienten an 3 kanadischen Standorten teil. Laut ZYUS wurden 91 Prozent der Teilnehmenden erfolgreich auf eine stabile Dosis titriert, ohne dass behandlungsbedingte schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auftraten.
Unter den 7 auswertbaren, protokolltreuen Patienten verbesserten sich am Ende der Dosierungsphase die durchschnittlichen Schmerzen bei 43 Prozent, die Schmerzintensität bei 29 Prozent und die Schmerzbeeinträchtigung bei 57 Prozent um mindestens 30 Prozent.
Bemerkenswert ist zudem der Blick auf den Opioidverbrauch: Von 7 Patienten mit Bedarfsopioid-Rezept benötigten 2 während der Behandlung mit Trichomylin keines mehr. Bei den verbleibenden 5 Nutzern entfielen rund 79 Prozent des Opioidverbrauchs auf die Titrationsphase, aber nur noch etwa 6 Prozent auf die anschließende stabile Dosierungsphase.
ZYUS kündigte an, die Opioidreduktion künftig als ko-primären Endpunkt in weiteren Studien zu verankern, und will die Ergebnisse im Oktober 2026 auf einem Kongress in Montreal vorstellen.
Regulatorische Erleichterungen für individuelle Rezepturen
Parallel zu solchen Studienergebnissen bewegt sich auch die Gesetzgebung. Schwarz-Rot plant, einen erst zwei Monate zuvor in Kraft getretenen Passus im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz wieder zu ändern. Bislang mussten Schmerzpatienten vor dem Einsatz individueller Rezepturen einen sechsmonatigen Therapieversuch mit Fertigarzneimitteln durchlaufen.
Wer sich mit modernen Wegen der Schmerzlinderung befasst, sollte auch natürliche Ansätze zur Unterstützung des Körpers kennen. Dieser bebilderte PDF-Guide zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Gelenkbeschwerden durch gezielte Akupressur selbst aktiv lindern können – ganz ohne Hilfsmittel. 101 Druckpunkte gegen Schmerzen jetzt kostenlos herunterladen
Künftig soll dieser Therapieversuch nur noch bei zugelassenen Indikationen verpflichtend sein, die starre Mindestdauer von sechs Monaten entfallen und die Entscheidung über die Behandlungsdauer den behandelnden Ärzten überlassen werden. Eine Beratung im Gesundheitsausschuss war für die Folgewoche vorgesehen.
Digitale Begleiter und Aufklärung für Betroffene
Auch abseits medikamentöser Innovationen tut sich einiges. Eine randomisierte, kontrollierte 12-Wochen-Studie zur App Axia-DiGA mit 186 Betroffenen axialer Spondyloarthritis zeigte, dass die digitale Anwendung Krankheitsaktivität und Funktion stärker verbesserte als die Standardversorgung allein.
Die adjustierten Gruppenunterschiede betrugen nach 12 Wochen 1,51 BASDAI-Punkte und 1,14 BASFI-Punkte. Beim ASAS20-Ansprechen lag die Quote bei 51 Prozent gegenüber 9 Prozent in der Kontrollgruppe, beim ASAS40 bei 23 Prozent gegenüber 3 Prozent.
Die Nutzungsdaten fielen hoch aus: Teilnehmende nutzten die App während der 90-tägigen Studienphase im Schnitt 69 Tage, 77,9 Prozent an mindestens fünf Tagen pro Woche. Allerdings fehlten Placebokontrolle und Doppelverblindung, und die Langzeitadhärenz bleibt unklar.
Neben digitaler Unterstützung setzen viele Betroffene auf bewährte Techniken der Traditionellen Chinesischen Medizin, um ihren Alltag zurückzugewinnen. Ein kostenloser Ratgeber erklärt nun den sogenannten 3-Finger-Trick, mit dem sich spürbare Linderung bei Gelenkschmerzen erzielen lässt. Kostenlosen Akupressur-Guide hier anfordern
Auf der Ebene der Patientenaufklärung informierte das Städtische Klinikum Wolfenbüttel beim Patientenabend „Rückenschmerzen verstehen und behandeln“ rund 150 Bürger über Ursachen, Schmerztherapie, Physiotherapie und operative Optionen.
Vorgestellt wurden unter anderem Facettengelenksinfiltration, periradikuläre Therapie und Rückenmarkstimulation. Betont wurde, dass sich die Behandlung nach Ursache und individueller Situation richtet und eine Operation nicht zwangsläufig notwendig ist.
Grundlagenforschung zu Schmerzmechanismen
Auf molekularer Ebene liefert eine 2026 in der Fachzeitschrift PAIN veröffentlichte Studie des Universitätsklinikums Würzburg neue Einblicke. Untersucht wurde die TRPA1-Variante H560D bei einem Patienten mit starken Schmerzen und Small Fiber Neuropathie. Der veränderte Schmerzkanal zeigte sich laut den Forschenden weniger aktiv und gelangte offenbar nicht richtig an die Oberfläche der Nervenzellen.
Die Ergebnisse legen nahe, dass eine verminderte Proteinfunktion dennoch mit Schmerzen verbunden sein kann – ein Hinweis darauf, dass genetische Befunde in der klinischen Praxis vorsichtig interpretiert werden sollten. Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.
Zusammengenommen zeichnen diese Entwicklungen ein Bild einer Schmerzmedizin, die sich gleichzeitig auf mehreren Ebenen bewegt: neue Wirkstoffkandidaten mit Blick auf Opioidreduktion, digitale Unterstützungsangebote für chronisch Kranke, gelockerte regulatorische Hürden für individuelle Therapien und ein wachsendes Verständnis der zugrunde liegenden Schmerzmechanismen auf zellulärer Ebene.
