Autonome Luftfahrt: Sachsen eröffnet 3-Mio.-Hangar in Kamenz
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 11:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am Flugplatz Kamenz wurde ein neuer Hangar eingeweiht, der den Standort als Zentrum für autonome Luftfahrt in Sachsen stärken soll. Das Infrastrukturprojekt umfasst ein Investitionsvolumen von 3 Mio. Euro, wovon 850.000 Euro als Fördermittel durch Infrastrukturministerin Kraushaar (CDU) bereitgestellt wurden.
Wie aus Berichten vom 15. September 2026 hervorgeht, plant das Unternehmen MITEB an diesem Standort die Serienproduktion von unbemannten Luftschiffen und elektrischen Motorseglern.
Autonome Überwachung von Versorgungsleitungen
Das zentrale Projekt des Unternehmens ist das unbemannte Luftschiff MITEB, das bereits seit mehreren Monaten am Flughafen Kamenz intensiven Tests unterzogen wird.
Mit einer Länge von 12 Metern, einem Durchmesser von 2,20 Metern und einem Gewicht von 25 Kilogramm ist das System speziell für die Überwachung von Hochspannungs- und Erdgasleitungen konzipiert. Das Luftschiff wird von acht 600-Watt-Motoren angetrieben und kann bis zu 5 Kilogramm an spezialisierten Messgeräten tragen.
Die sächsische Aufbaubank unterstützt dieses Vorhaben durch eine Förderung, die bis Ende 2027 bewilligt ist. Ziel ist die Etablierung einer industriellen Fertigung in Kamenz, um den Bedarf an kosteneffizienten und ausdauernden Überwachungslösungen für kritische Infrastrukturen zu decken.
Globaler Markthochlauf für unbemannte Systeme
Die Entwicklungen in Sachsen stehen im Kontext einer massiven globalen Expansion autonomer Technologien. In der Luftfahrtbranche werden derzeit Konzepte für deutlich größere Plattformen erprobt.
So stellten Textron und Merlin Labs ein Konzept für eine unbemannte Cessna Skycourier vor, bei der das Cockpit zugunsten einer automatisierten Beladung durch eine Klappnase entfällt. Das System soll drei Tonnen Nutzlast über eine Reichweite von 1.000 Meilen transportieren können.
Im militärischen Bereich treibt die US Air Force das Programm für Collaborative Combat Aircraft (CCA) voran. Nach Angaben des zuständigen Staatssekretärs Troy Meink sollen bis zum Jahr 2032 mindestens 500 dieser Drohnen in Dienst gestellt werden.
Während in Kamenz ein 3-Mio.-Euro-Hangar für unbemannte Luftschiffe entsteht, verschärft sich der Wettbewerb um autonome Überwachungslösungen für kritische Infrastruktur. Wer jetzt die richtigen Förderwege und Einsatzszenarien kennt, sichert sich Kostenvorteile vor der Konkurrenz. Jetzt kostenlosen Strategie-Report anfordern
Lockheed Martin arbeitet unter dem Projektnamen Vectis an einem Group-5-Prototyp, der laut Projektleiter Ron Fehlen bis Ende 2027 erstmals fliegen soll. Das Kostenziel für das Luftfahrzeug wurde in früheren Angaben mit rund 20 Mio. US-Dollar beziffert.
Auch deutsche Unternehmen erweitern ihr Portfolio. Diehl Defence und Elbit Systems demonstrierten Anfang September 2026 das System SkyStriker, das eine Reichweite von über 200 Kilometern und eine Einsatzdauer von mehr als zwei Stunden aufweist.
Wingcopter brachte zudem den Wingcopter 262 auf den Markt. Die elektrische VTOL-Aufklärungsdrohne mit einer Spannweite von 262 Zentimetern und einer taktischen Reichweite von 150 Kilometern wird im Rahmen einer Kooperation mit TAF Industries für den Einsatz in der Ukraine in Massenproduktion gehen.
Expansion im maritimen Sektor
Parallel zur Luftfahrt verzeichnet der Markt für autonome Überwasser- und Unterwasserfahrzeuge signifikante Zuwächse. Das Unternehmen Sea Machines Robotics aus Boston meldete für das erste Halbjahr 2026 ein Buchungsvolumen, das zehnmal höher lag als im Vorjahreszeitraum. Zudem erhielt das Unternehmen einen Fünfjahresvertrag zur Ausrüstung der US Special Operations Forces mit portablen Autonomie-Kits.
In Europa hat die französische Beschaffungsbehörde DGA eine Ausschreibung für Langstrecken-USVs für die Marine Nationale gestartet. Die Anforderungen umfassen unter anderem eine Ausdauer von fünf bis zehn Tagen pro Mission bei einer Reichweite von mindestens 100 Seemeilen.
Deutsche Akteure wie Quantum Systems reagieren auf diesen Trend mit der Gründung einer maritimen Sparte. In Portugal wurden im Rahmen einer NATO-Übung bereits die Systeme Seavex und Subvex vorgestellt, wobei das Unterwasserfahrzeug Subvex für Operationen in bis zu 6.000 Metern Tiefe ausgelegt ist.
Der Fachkräftemangel bei autonomen Systemen wird für Infrastrukturbetreiber zum Engpass — doch die sächsische Aufbaubank fördert entsprechende Projekte noch bis Ende 2027. Dieser Leitfaden zeigt, welche regulatorischen Hürden Sie umgehen und wie Sie Ihr Team fit machen. Förder-Checkliste jetzt sichern
Ebenfalls im maritimen Sektor aktiv ist Rheinmetall mit dem Bau der Flottenaufklärungsschiffe der Klasse 424. Die Kiellegung des dritten, ca. 130 Meter langen Schiffs erfolgte in Wolgast mehrere Monate vor dem ursprünglichen Zeitplan. Die Indienststellung dieser Einheiten ist ab 2029 vorgesehen.
Während die zivile Nutzung in Kamenz im Fokus steht, beobachten Sicherheitsbehörden und Unternehmen weltweit die zunehmende technologische Reife vollautonomer Systeme, die zunehmend auch unter schwierigen Bedingungen wie Nachtlandungen auf fahrenden Schiffen oder in elektronisch gestörten Umgebungen operieren können.
