Autonome Logistik: 27.000 RoboVans fahren täglich über 1 Mio. km
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen der IAA Transportation 2026 in Hannover haben Stellantis Pro One und UQI Robotics Pläne für die Validierung autonomer Lieferlösungen bekannt gegeben.
Im Zentrum der Kooperation steht das vollelektrische und autonome Konzept „Box-on-Wheels“ (BOW.), das speziell für die Logistik auf der sogenannten letzten Meile in Europa entwickelt wurde. Ziel der Partnerschaft ist die Erprobung und spätere Markteinführung fahrerloser Transportsysteme im urbanen Raum.
Weltpremieren und Marktstrategie von Stellantis
Stellantis Pro One nutzt die Branchenmesse in Hannover für insgesamt drei Weltpremieren. Neben dem autonomen BOW.-Konzept stellt das Unternehmen den Smart Compact Van vor. Dieser wird als batterieelektrisches Fahrzeug (BEV) mit einer Reichweite von bis zu 270 Kilometern sowie ab dem Jahr 2027 in Varianten mit Diesel-, Benzin- und Mild-Hybrid-Antrieben angeboten.
Zudem wurde der Fiat Tris präsentiert, ein kompaktes Fahrzeug mit einer 6,9-kWh-Batterie, 90 Kilometern Reichweite und einer Nutzlast von mehr als 500 Kilogramm.
Die Nutzfahrzeugsparte von Stellantis verzeichnete im Jahr 2025 einen Absatz von 1,65 Millionen Fahrzeugen und Pickups, was einem weltweiten Marktanteil von etwa 15 Prozent entspricht. In Europa und Südamerika nimmt das Unternehmen damit die Spitzenposition ein. Mit der Strategie „Pro One Next“ strebt der Konzern die Vernetzung von 800.000 Fahrzeugen an. Unter dem Plan „FaSTLAne 2030“ ist zudem die Einführung von elf neuen Modellen vorgesehen.
Expansion autonomer Logistiksysteme in Europa
Der Partner UQI Robotics, der im Jahr 2020 als Joint Venture von UBTECH und Miracle Automation gegründet wurde, bringt umfangreiche Erfahrung in die Kooperation ein. Das Unternehmen verweist auf kumulierte Aufträge im Wert von mehr als 260 Millionen Euro und hat bereits über 7.000 Roboter in 66 Städten und Regionen im Einsatz.
Parallel zu diesen Entwicklungen baut der Anbieter Neolix seine Präsenz auf dem europäischen Markt aus. Wie im Rahmen der IAA Transportation 2026 angekündigt wurde, errichtet das Unternehmen eine Europazentrale in Luxemburg. Die Marktpräsenz soll sich künftig auf Länder wie Deutschland, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Portugal und die Schweiz erstrecken.
Während Stellantis Pro One und UQI Robotics ihr Box-on-Wheels-Konzept auf der IAA Transportation 2026 vorstellen und Neolix eine Europazentrale in Luxemburg errichtet, entscheidet sich, wer die letzte Meile künftig besetzt. Wer jetzt die Flottenintegration prüft, sichert sich Kostenvorteile, bevor Wettbewerber skalieren. Kostenlosen Praxis-Leitfaden zur autonomen Flottenintegration anfordern
Neolix betreibt weltweit bereits rund 27.000 sogenannte RoboVans, die täglich mehr als eine Million autonome Kilometer zurücklegen. Hintergrund dieser Expansion ist unter anderem der akute Personalmangel in der Logistikbranche. Angaben der IRU zufolge sind derzeit mehr als 500.000 Lkw-Fahrerstellen unbesetzt; bis zum Jahr 2030 werden weitere 660.000 Renteneintritte erwartet.
Autonomer Transport an Flughäfen und im ÖPNV
Auch im Bereich des Personentransports schreitet die Automatisierung voran. Der Flughafen Zürich hat den Einsatz von zwei vollautonomen Elektro-Shuttles gestartet, die nach dem SAE-Level 4 ohne Sicherheitsmonitor an Bord operieren und fernüberwacht werden.
Das Projekt wurde seit März 2025 gemeinsam mit dem Partner WeRide entwickelt. Nach einer vierwöchigen Testphase ohne Passagiere sollen die Shuttles für den Transport von Mitarbeitern genutzt werden.
In Österreich setzen die ÖBB beim European Forum Alpbach 2026 erstmals einen Elektrobus mit Level-4-Autonomie im Personenverkehr ein. Das Fahrzeug vom Typ Otokar e-Centro verkehrt auf einer festen Route mit einem Sicherheitsfahrer. Ein weiterer Einsatz ist für die Anbindung von Unternehmen im Industriepark Wolfurt-Campus an die S-Bahn in Vorarlberg geplant.
Pilotprojekte und industrielle Kapazitäten
Weitere Fortschritte melden Logistikdienstleister und Technologieunternehmen weltweit:
Über 500.000 Lkw-Fahrerstellen sind unbesetzt, bis 2030 kommen laut IRU weitere 660.000 Renteneintritte hinzu — der Personalmangel wird Ihre Tourenplanung härter treffen als jeder Wettbewerber. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie Level-4-Autonomie und automatisierte Intralogistik konkret gegen den Fahrermangel einsetzen. Compliance- und ROI-Checkliste jetzt abrufen
- Amazon Prime Air: Seit Februar 2026 wurden in Darlington (Großbritannien) mehr als 500 Drohnenflüge absolviert. Pakete unter 5 Pfund werden dort innerhalb eines Radius von 7,5 Meilen zugestellt, wobei die schnellste Lieferung 39 Minuten betrug.
- Ceva Logistics: Im September 2026 beginnt ein Pilotprojekt zur automatisierten Intralogistik in Singapur. Eingesetzt werden zwei elektrische Z10-Fahrzeuge von Zelostech, die eine Nutzlast von bis zu 2.500 Kilogramm bewältigen können.
- Alstef Mobile Robotics: Die Alstef Group plant den Bau eines 13.000 Quadratmeter großen Werks für fahrerlose Transportsysteme (AGV) in der Nähe von Rennes. Ziel ist die Produktion von 300 Einheiten pro Jahr bis 2027.
- Kommunale Projekte: In Großbritannien plant das BCP Council ein Pilotprojekt für Lieferroboter in den Gebieten Bournemouth, Christchurch und Poole, das innerhalb des nächsten Jahres starten könnte. In Rumänien treibt das Projekt PABLO die Beschaffung autonomer Roboter mit einem Gesamtbudget von über 56 Millionen Lei voran.
Während neue Projekte starten, endeten andere Vorhaben: Starship Technologies zog im August 2026 seine Lieferroboter aus Sheffield ab, nachdem ein Testbetrieb mit Uber Eats beendet worden war. Gleichzeitig etablieren sich alternative Konzepte wie Owl Express, das durch die Kombination von elektrischen Lastenfahrrädern und Nachtlieferungen versucht, die Effizienz in europäischen Städten zu steigern.
