Autonome Lkw: Lidl testet fahrerlose Level-4-Fahrzeuge ab sofort
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Logistikdienstleister und Gerätehersteller setzen verstärkt neue automatisierte Fulfillment- und Pakethandhabungs-Robotersysteme ein, um Lieferkettenabläufe zu optimieren.
Vor dem Hintergrund anhaltender Personalengpässe und steigender Anforderungen an die Umschlaggeschwindigkeit reicht das Spektrum der aktuellen Implementierungen von kabinenlosen Schwerlast-Elektrofahrzeugen auf öffentlichen Straßen bis hin zu multifunktionalen Robotersystemen in Distributionszentren und Luftfrachtdepots.
Autonome Fahrzeuge im Straßeneinsatz
Im Straßengüterverkehr erreichen fahrerlose Systeme zunehmend den regulären Testbetrieb. In Deutschland setzt das Handelsunternehmen Lidl einen kabinenlosen Elektro-Lkw mit Automatisierungsgrad nach SAE Level 4 auf öffentlichen Straßen im Store-Lieferverkehr ein.
Das Fahrzeug verkehrt mit Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts zwischen den Verteilzentren in Edermünde bei Kassel und einer nahen Filiale. Der fahrerlose Transporter verfügt über eine Kapazität von 15 Euro-Paletten und bewältigt bis zu 3 Fahrten pro Tag.
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Während der vier Monate dauernden Projektlaufzeit wird ein Umschlag von über 3.000 Paletten erwartet. Wie Lidl und Einride darlegen, sei als nächste Stufe ein sogenannter Multi-Stop-Milk-Run mit mehreren Stationen denkbar, um Logistikengpässen und Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Einride selbst baut die nächste Generation seiner Einride-Driver-Technologie auf der NVIDIA-Hyperion-Plattform auf, einer Level-4-Referenzarchitektur für Rechenleistung, Sensorik und Software, und integriert das Sicherheitssystem NVIDIA Halos.
Das Unternehmen betreibt hunderte Elektro-Lkw für Großkunden in den USA, Europa sowie im Nahen Osten und strebt basierend auf der Kundennachfrage eine Flottengröße von 1.500 bis 2.000 Fahrzeugen bis 2028 an.
Rund 80 Prozent dieses Bedarfs gelten laut Einride als mittelfristig automatisierbar. Für Training und Tests greift das Unternehmen auf die Cloud-Plattform NVIDIA Blackwell zurück und nutzt synthetische Daten über NVIDIA Cosmos.
In Asien vereinbarten Scan Global Logistics und Cycle & Carriage am C&C-Standort in Singapur eine Absichtserklärung für einen elektrischen autonomen Straßentest, der zu den frühesten überwachten Projekten dieser Art in der Region zählt.
Die Homologation wurde bereits erteilt, während behördliche Abstimmungen zur finalen Route laufen. Der auf 3 bis 6 Monate angesetzte Straßentest soll im vierten Quartal 2026 beginnen und von Sicherheitsbeauftragten per Fernzugriff überwacht werden.
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Auf der Messe IAA Transportation in Hannover präsentierten chinesische Hersteller ihre Entwicklungen für den europäischen Markt. Neolix zeigte erstmals im Rahmen einer offiziellen Live-Demo einen RoboVan fahrerlos auf einer Außenroute, realisiert mit Unterstützung der Deutschen Messe und T-Systems.
Das System nutzt 12 Kameras, einen LiDAR-Sensor sowie eine kartenunabhängige Navigation, welche die Einführungskosten um 90 Prozent reduzieren soll. SAIC Maxus stellte auf derselben Veranstaltung den Robovan vor, ein SAE-Level-4-Nutzfahrzeug für urbane Anwendungen mit 3 LiDAR-Sensoren, 11 Kameras, über 6 Kubikmetern Ladevolumen und einer Nutzlast von bis zu 1.500 kg.
Automatisierung in Verteilzentren und Luftfracht
Auch innerhalb der Lagerhallen schreitet die robotische Integration voran. Bei KLM Cargo am Flughafen Schiphol ergab ein Pilotprojekt mit einem System der DERO Groep und Bildverarbeitungssoftware von Fizyr, dass 97 Prozent der Luftfrachtpakete automatisch von Flugzeugpaletten verarbeitet werden konnten.
Die aus drei Robotern bestehende Anlage übernimmt das zuvor vollständig manuelle und körperlich anstrengende Entladen von Packstücken, die teils über 15 bis 20 kg wiegen.
Auf Anlagenebene führte Penske Logistics am 22. September 2026 in Illinois ein automatisiertes System von Cimcorp für die Backwaren-Distribution ein. Die Kombination aus Portalrobotern und Lagersteuerung ermöglicht eine Kommissionierung auf Tablett-Ebene mit 100 Prozent Auftragsgenauigkeit bei einer Halbierung des Arbeitskräftebedarfs.
Schneider Electric investiert unterdessen am Standort Tuas in Singapur 25 Millionen Singapur-Dollar in Automatisierungstechnik; bis 2027 soll das dortige System etwa 40 Prozent der ausgehenden Waren abwickeln.
Weitere Betreiber wie Del Papa Distributing schlossen Automatisierungslücken über integrierte Palettenverpackungsroboter, während die Elster GmbH am Standort Lotte seit Anfang Juli 2026 einen mobilen Roboter vom Typ Jungheinrich EAE 212a zur Versorgung von 12 Stationen mit bis zu 1.200 kg Nutzlast nutzt.
Neben Hardwaresystemen etablieren sich herstellerübergreifende Leitstände wie RCS2.0 von VisionNav Robotics, um heterogene Flotten nach Standards wie VDA 5050 reibungslos in bestehende Lagerstrukturen einzubinden.
