Autonome Lieferung: Amazon investiert zehn Milliarden in Europa
09.06.2026 - 07:42:22 | boerse-global.de
Der Markt für autonome Lieferroboter explodiert. Gleich mehrere Großkonzerne kündigten diese Woche Milliarden-Investitionen an, die den Sprung von Pilotprojekten zur kommerziellen Massenanwendung bedeuten. Besonders der urbane Lebensmittelhandel und moderne Logistikzentren stehen im Mittelpunkt der Expansion.
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Amazon investiert zehn Milliarden in Europa
Der Online-Riese Amazon gab am Montag bekannt, mehr als zehn Milliarden Euro in die Modernisierung seines europäischen Logistiknetzes zu stecken. Die Ankündigung fiel auf der hauseigenen Veranstaltung „Delivering the Future" in London.
Herzstück der Offensive ist die neueste Version des Proteus-Roboters. Anders als seine Vorgänger, die nur in bestimmten Bereichen der Lagerhallen unterwegs waren, kann der neue Proteus künftig durch das gesamte Fulfillment-Center navigieren. Er transportiert Wagen mit einem Gewicht von bis zu 400 Kilogramm. Besonders bemerkenswert: Die Steuerung erfolgt per natürlicher Sprache – Mitarbeiter können dem Roboter einfache Anweisungen geben, ohne Programmierkenntnisse.
Ab der ersten Jahreshälfte 2027 sollen die ersten Systeme in europäischen Standorten in Betrieb gehen. Gleichzeitig will Amazon in Europa 25.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Die Beschäftigten sollen künftig höher qualifizierte Tätigkeiten übernehmen – etwa die Überwachung und Steuerung der automatisierten Systeme.
Starship verlässt den Campus – und setzt auf Supermärkte
Ein strategischer Kurswechsel zeichnet sich bei Starship Technologies ab. Das Unternehmen, das bisher vor allem auf Universitätsgeländen unterwegs war, zieht sich aus dem US-Campus-Geschäft zurück. Rund 1.200 Roboter werden abgezogen und künftig für Lebensmittelhändler in Europa und den USA eingesetzt.
Der Schritt folgt auf einen rasanten Erfolg im Lebensmittelsektor. In Finnland erreicht Starship bereits eine Marktdurchdringung von 20 Prozent bei Lieferungen aus dem Supermarkt. Die hauseigenen Daten zeigen: Jede autonome Lieferung ist drei bis vier Euro günstiger als die traditionelle Zustellung per Kurier.
Im Frühjahr 2026 knackte Starship die Marke von zehn Millionen autonomen Lieferungen weltweit. Die Flotte von über 3.000 Robotern absolviert täglich rund 125.000 Straßenüberquerungen – und das in acht Ländern.
Milliarden für Nuro – und eine Übernahme bei Serve
Auch die Konsolidierung im Markt schreitet voran. Serve Robotics hat in diesem Jahr den Konkurrenten Diligent Robotics übernommen. Damit erweitert Serve sein Geschäft: Bisher auf Gehwege und Außenlieferungen spezialisiert, steigt das Unternehmen nun in den Markt für Innenraum-Roboter ein – mit Fokus auf Krankenhäuser. Parallel dazu läuft die Partnerschaft mit Uber Eats weiter. Bis zu 2.000 Roboter sollen in den USA ausgeliefert werden.
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Ebenfalls am 4. Juni wurde bekannt, dass Uber seine Beteiligung am Startup Nuro weiter aufgestockt hat. Die Gesamtinvestitionen belaufen sich nun auf fast 500 Millionen Euro. Nuro hatte sich 2024 neu erfunden: Statt eigener Fahrzeuge zu bauen, lizenziert das Unternehmen heute seine autonome Software „Nuro Driver". Seit Mitte Mai ist Nuro auch in Deutschland aktiv. Und in Kalifornien erhielt das Startup Anfang Mai die Genehmigung, Robotaxi-Dienste zu testen.
Markt wächst rasant – auch schwere Brummer werden autonom
Der gesamte Markt für autonome Lieferroboter wächst mit einem Tempo von knapp 22 Prozent pro Jahr. Laut Grand View Research lag sein Volumen 2024 bei umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro. Bis 2033 soll er auf knapp acht Milliarden Euro steigen. Treiber sind die explodierenden Kosten für die letzte Meile – und der Wunsch des Handels, diese zu senken.
Doch nicht nur kleine Lieferroboter sind auf dem Vormarsch. Der chinesische Autobauer Dongfeng hat am Montag seine Marke „OpenVAN" vorgestellt – eine ganze Modellreihe fahrerloser Lieferfahrzeuge. Entwickelt mit dem Spezialisten Zelos, reicht die Spanne von leichten Transportern bis zu schweren Lastwagen mit mehreren Tonnen Zuladung. Ziel sind der urbane Güterverkehr und der Einzelhandel.
Und selbst die Baubranche entdeckt die autonome Technik. Am 5. Juni schloss Daedong Robotics eine Partnerschaft mit dem Baukonzern GS E&C. Gemeinsam wollen sie Roboter für den Materialtransport auf komplexen Baustellen entwickeln.
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