Autonome Hafenlogistik: Group-GTS startet kommerziellen Lkw-Pilot in Antwerpen
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen der „Port of the Future Week“ fand Mitte September in Antwerpen und Rotterdam der zweite „Autonomous Summit“ statt. Während die erste Ausgabe der Veranstaltung im Jahr 2025 vorrangig die technologische Machbarkeit thematisierte, lag der Fokus in diesem Jahr auf der konkreten praktischen Umsetzung autonomer Systeme im Hafenbetrieb. Branchenexperten und Hafenverantwortliche diskutierten Strategien, um die Automatisierung von der Pilotphase in den Regelbetrieb zu überführen.
Kommerzielle Pilotprojekte in Belgien
Ein zentraler Baustein dieser Entwicklung ist der erste kommerzielle Pilotversuch mit einem autonomen Lastkraftwagen im Hafen von Antwerpen-Bruges. In diesem Herbst transportiert ein mit Technik von Inceptio Technology ausgestattetes Fahrzeug des Logistikdienstleisters Group-GTS Container zwischen dem Depot in Kallo am linken Scheldeufer und den Terminalanlagen am rechten Ufer. Der Betrieb erfolgt rund um die Uhr. Langfristig ist eine Ausweitung dieses Modells auf den North Sea Port sowie den Hafen von Rotterdam vorgesehen.
Bereits im vergangenen Jahr verzeichnete der Hafen Antwerpen die landesweit erste Fahrt eines vollautonomen Lkw auf öffentlichen Straßen. Aktuell demonstrierte das Unternehmen Zelostech ein Logistikfahrzeug, das ohne Sicherheitsfahrer auskommt und über die erste Zulassung für den öffentlichen Straßenverkehr in Belgien verfügt. Das Fahrzeug wird seit einem Jahr auf einer Route eingesetzt, die Stadt, Region und Hafengebiet verbindet.
Zusätzlich wurden während des Summits verschiedene Technologien für unterschiedliche Verkehrsträger vorgestellt. Dazu gehörten ferngesteuerte Züge des Anbieters OTIV, ferngesteuerte Binnenschiffe von Seafar sowie autonome Lkw-Modelle von DAF und Volvo. Für Spediteure und Betriebsleiter verspricht die zunehmende Automatisierung eine höhere Effizienz, eine beschleunigte Schiffsabfertigung sowie eine Reduzierung menschlicher Fehlerquellen.
Automatisierung der Fahrzeuglogistik bei Audi
Parallel zu den Entwicklungen in den Seehäfen schreitet die Automatisierung in der Industrielogistik voran. Im Audi-Werk Ingolstadt wurde ein System zum automatisierten Be- und Entladen von Fahrzeugen auf Bahnwaggons demonstriert. Zum Einsatz kam die „Unikie Marshalling Solution“, die auf externen LiDAR-Sensoren und einer 5G-Infrastruktur der Telekom basiert.
Dieses Projekt, das zuvor bereits im Hafen von Emden erprobt wurde, gilt als wichtiger Schritt für die Logistikkette des Volkswagen-Konzerns, da rund 70 Prozent der Neufahrzeuge per Bahn transportiert werden. Die Technologie ermöglicht es, Fahrzeuge in engen Logistikarealen fahrerlos zu manövrieren.
Internationale Automatisierungsprojekte in Asien und Afrika
Auch international wurden in den letzten Tagen bedeutende Fortschritte gemeldet. Am 25. September wurde im chinesischen Hafen Tangshan (Jingtang-Hafengebiet) das erste vollautomatisierte Containerterminal der Provinz Hebei in Betrieb genommen. Beim Festmachen des 140 Meter langen Schiffes „Yinghai 77“ wurde die Steuerung von einem einen Kilometer entfernten Kontrollzentrum übernommen.
Während der Hafen Antwerpen-Bruges den ersten kommerziellen autonomen Lkw-Pilot im Containerverkehr rund um die Uhr betreibt, entscheidet sich für Speditionen im DACH-Raum, ob sie diesen Effizienz-Sprung mitnehmen oder abgehängt werden. Unser kostenloser Leitfaden ordnet ein, welche Hebel heute realistisch sind und wie Sie Ihr eigenes Automatisierungs-Potenzial bewerten. Jetzt kostenlosen Leitfaden zur autonomen Hafenlogistik anfordern
Laut Hafenangaben liegt die Arbeitseffizienz des Terminals bei 120 Prozent eines traditionellen Standorts, während der Energieverbrauch pro 10.000 TEU um 21,25 Prozent unter dem nationalen Bestwert liegen soll. Jährlich sollen so 7,3 Millionen Yuan eingespart werden.
In Ägypten unterzeichnete die Suezkanal-Wirtschaftszone (SCZONE) eine Vereinbarung mit Nafith Egypt zur Entwicklung eines digitalen Truck-Management-Systems im Hafen Sokhna. Die Investition beläuft sich auf über eine Milliarde Ägyptische Pfund. Auf einer Fläche von 167.000 Quadratmetern soll ein Stellplatz für bis zu 1.100 Lkw entstehen, wodurch der tägliche Durchsatz innerhalb von zwei Jahren um bis zu 60 Prozent gesteigert werden soll.
In Singapur startete der Dienstleister SATS einen integrierten Transportservice mit autonomen Frachtfahrzeugen (ACV) in der dortigen Freihandelszone. Die derzeit eingesetzten Modelle können bis zu 800 Kilogramm Fracht transportieren und sollen die Abhängigkeit von Fahrerplänen verringern.
Elektrifizierung und Drohneneinsatz im Offshore-Bereich
Ergänzt werden die autonomen Systeme durch großflächige Elektrifizierungsmaßnahmen. APM Terminals bestellte für den Standort Elizabeth 96 Elektro-Trucks von Orange EV, was als eine der bisher umfangreichsten Verpflichtungen zur Hafenelektrifizierung gilt. In Indien starteten Montra Electric und Wonder Cement den Betrieb von 250 schweren Elektro-Sattelzugmaschinen auf einem Frachtkorridor zwischen Rajasthan und Gujarat.
Der Fahrermangel bremst den Containerumschlag in vielen Häfen bereits heute — autonome Transportsysteme sollen genau diese Lücke schließen. Wer wissen will, welche Zulassungs- und Sicherheitsanforderungen in der EU gelten und welche Schritte vor einem eigenen Pilot nötig sind, findet im kostenlosen Leitfaden einen klaren Fahrplan. EU-Zulassungs-Fahrplan für autonome Lkw jetzt sichern
Auch der Einsatz von Drohnen für die Logistik gewinnt an Bedeutung. Das Logistikunternehmen DSV plant für den Herbst 2026 einen kommerziellen Offshore-Frachtdienst in der deutschen Nordsee unter Einsatz von Skyways-Drohnen.
Dass solche Systeme bereits effizient arbeiten, zeigten RWE und Ampelmann: In einer sechswöchigen Wartungskampagne im britischen Windpark Triton Knoll wurden im August und September über 250 Drohnenflüge absolviert, um mehr als neun Tonnen Material direkt zu den Windkraftanlagen zu transportieren.
