Autonome Fahrzeuge: Bekanntheit steigt auf 58%, Vertrauen stagniert
14.06.2026 - 03:09:22 | boerse-global.de
Laut dem aktuellen JD Power Mobility Confidence Index 2026 kennen zwar 58 Prozent der Verbraucher die Technologie – ein deutlicher Anstieg von 43 Prozent im Jahr 2024. Doch das Vertrauen verharrt bei mageren 39 von 100 Punkten, exakt dem Wert von 2024 und nur knapp über den 37 Punkten von 2023.
Während autonome Systeme immer präsenter werden, stellt die neue EU-KI-Verordnung bereits heute klare Weichen für Sicherheit und Transparenz. Dieser kostenlose Guide erklärt Ihnen die wichtigsten Fristen und Pflichten, die Unternehmen beim Einsatz von KI jetzt kennen müssen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Sicherheitsängste bremsen die Akzeptanz
Trotz wachsender Bekanntheit: Weniger als jeder vierte Befragte kann sich vorstellen, in einem vollautonomen Fahrzeug mitzufahren. Die von JD Power und dem MIT Advanced Vehicle Technology Consortium durchgeführte Studie zeigt, dass für 60 Prozent der Konsumenten die persönliche Sicherheit das größte Hindernis ist. Fast ebenso viele (58 Prozent) sorgen sich um das Verhalten der Systeme in Notfällen, 51 Prozent zweifeln an der Zuverlässigkeit bei schlechtem Wetter oder komplexem Verkehr.
Das Vertrauen variiert stark je nach Einsatzbereich: Während 54 Prozent der Befragten autonome Lieferdienste für Essen akzeptieren würden, trauen nur 31 Prozent der Technologie zu, Kinder zu transportieren. Gerade einmal 16 Prozent fühlen sich wohl auf Straßen mit autonomen Lastwagen.
Eine am 13. Juni in der Fachzeitschrift Sustainability veröffentlichte Studie bestätigt diese Vorbehalte. In Fokusgruppen zeigten sich Teilnehmer zwar offen für die Bequemlichkeit und mögliche Kostenvorteile autonomer Lieferungen, äußerten jedoch Bedenken wegen drohender Arbeitsplatzverluste, praktischer Einschränkungen der Liefergeräte und der Gefahr eines ungesünderen Lebensstils.
Neue Gesetze ebnen den Weg für Tests
Weltweit arbeiten Regierungen an klareren Regeln für autonome Fahrzeuge. In den USA brachten die Senatoren Gary Peters und Deb Fischer am 12. Juni den Vehicle Safety Equipment Testing Act ein. Das parteiübergreifende Gesetz soll Zulieferern dieselben unabhängigen Testbefugnisse einräumen, die große Autohersteller bereits haben. Zuvor waren bereits 13,9 Millionen Dollar für die NHTSA-Abteilung für Automatisierungssicherheit bewilligt worden.
In Europa geht Portugal voran: Ein am 12. Juni verabschiedetes Dekret erlaubt ab Juli 2026 Tests autonomer Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen. Die Auflagen sind streng: Der Versicherungsschutz muss viermal so hoch sein wie üblich, die Höchstgeschwindigkeit wird während der Tests um 20 km/h gesenkt. Fahrer benötigen zudem mindestens sechs Jahre Fahrpraxis und ein sauberes Verkehrszentralregister.
Ob Mobilitätsdaten oder Risikoprofile – die rechtssichere Dokumentation von Innovationen ist durch die EU-KI-Verordnung strikt geregelt. Erfahren Sie in diesem kompakten Report, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten und wie Sie die neuen Compliance-Anforderungen erfüllen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum AI Act sichern
Die belgische Region Flandern genehmigte unterdessen als fünftes EU-Mitglied Teslas „FSD Supervised“ auf öffentlichen Straßen. Die von der flämischen Ministerin Annick De Ridder am 10. Juni unterzeichnete Freigabe folgt auf eine 5.000 Kilometer lange Testphase. Da es sich um Level 2 handelt, bleibt der Fahrer rechtlich verantwortlich und muss ein verpflichtendes Tutorial sowie einen Test absolvieren.
Branche expandiert trotz verhaltener Verbraucherstimmung
Die Anbieter autonomer Fahrzeuge treiben ihre Expansion ungeachtet der verhaltenen Verbraucherstimmung voran. Waymo hat sein Servicegebiet in Houston fast verdoppelt – auf rund 130 Quadratkilometer – in Vorbereitung auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Das Unternehmen veröffentlichte zudem in Nature Communications eine Studie zu einem neuen Referenz-Fahrermodell (ReD), das gemeinsam mit der TU Delft entwickelt wurde. Dieses Modell simuliert das Verhalten eines vorsichtigen menschlichen Fahrers als Benchmark für autonome Systeme.
In London bereiten Uber und Wayve den Start von Personenbeförderungsdiensten für den Sommer 2026 vor. Der Verkehrsausschuss der Londoner Stadtverwaltung prüft dabei verschiedene Regulierungsmodelle – unter anderem einen Ansatz aus Oslo, der autonome Fahrzeuge gezielt in Gebieten mit schlechter ÖPNV-Anbindung als Zubringer zu Bahn- und Bushaltestellen einsetzt.
Weitere Entwicklungen im Überblick:
- Lucid Motors kündigte eine Partnerschaft mit Uber und Nuro für Robotaxi-Betrieb in der San Francisco Bay Area ab Ende 2026 an.
- Atlanta startete am 12. Juni den Pilotbetrieb „ATL Spoke“ mit Level-4-Fahrzeugen als Ergänzung zu den bestehenden MARTA-ÖPNV-Linien.
- ComfortDelGro und Grab berichten von tausenden Fahrgästen in laufenden Tests im singapurischen Punggol. Grab plant einen Einheitspreis von umgerechnet rund 3,70 Euro pro Fahrt.
- Tennessee erließ ein Gesetz, das der Polizei erlaubt, Verkehrsstrafen an autonome Fahrzeuge per Einschreiben zu verschicken.
Goldman Sachs prognostiziert, dass derzeit zwar nur rund 1.500 autonome Fahrzeuge im Einsatz sind, ihr Anteil am Rideshare-Markt bis 2030 jedoch auf acht Prozent steigen könnte – das entspricht rund 35.000 Fahrzeugen. General Motors kündigte zudem an, ab 2028 „blickfreie“ Fahrfunktionen einführen zu wollen.
