Autonome Autos: Großbritannien legt Sicherheitsstandards bis 2027 vor
17.06.2026 - 17:52:19 | boerse-global.de
London – Die britische Regierung hat einen Konsultationsentwurf für Sicherheitsstandards selbstfahrender Autos vorgelegt. Das Regelwerk soll noch 2027 in Kraft treten.
Die Konsultation startete am 17. Juni 2026 und läuft bis zum 9. September. Sie konkretisiert das „Automated Vehicles (AV) Act 2024" und definiert, wann ein autonomes System als sicher gilt: Es muss einem „sorgfältigen und kompetenten menschlichen Fahrer" entsprechen.
Fünf Säulen der Sicherheit
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Der Entwurf gliedert die Anforderungen in fünf Kernbereiche: Fahrzeugkontrolle, Gefahrenerkennung, Verkehrsregelbefolgung, Interaktion mit anderen Verkehrsteilnehmern und Anpassungsfähigkeit an wechselnde Bedingungen. Verkehrsminister Simon Lightwood betonte, dass menschliches Versagen an rund 88 Prozent aller gemeldeten Unfälle beteiligt sei.
Interessant: Frühere Studien zeigten zwar breite öffentliche Zustimmung zum Sicherheitsmaßstab, aber auch Skepsis. Teilnehmer empfanden die Formulierung als vage und lehnten ab, dass Technologieunternehmen eigene Standards setzen. Das endgültige Regelwerk soll dem Parlament 2027 vorgelegt werden.
Vertrauenslücke bei Verbrauchern
Die Branche kämpft mit einem Glaubwürdigkeitsproblem. Laut einer Studie von Thatcham Research und CEBR erkennen zwar 67 Prozent der Fahrer das Unfallvermeidungspotenzial – doch 58 Prozent wollen abwarten, bis die Technologie ausgereifter ist.
Thatcham Research fordert transparente, messbare Standards und unabhängige Sicherheitsprüfungen. Versicherer bräuchten absolute Klarheit, hieß es – bloße Unternehmenszusagen reichten nicht.
Testbetrieb in London läuft
Parallel zur Regulierung verdichten sich die Praxistests. Mitte Juni untersuchte der Londoner Verkehrsausschuss die Bereitschaft für fahrerlose Taxis – inklusive einer Testfahrt mit einem Fahrzeug der Firma Wayve in Nord-London. Auch Uber startete Anfang 2026 eine Partnerschaft für selbstfahrende Taxis in London, mit breiterem Rollout ab Ende 2027.
Internationale Spannungen
Während Großbritannien seinen eigenen Rahmen schafft, brodelt es auf europäischer Ebene. Am 15. Juni berichtete Reuters über Unstimmigkeiten in Teslas Sicherheitsstatistiken für die „Full Self-Driving"-Technologie. Die niederländische Zulassungsbehörde hatte FSD zwar im April 2026 unter der UN-Regelung 171 genehmigt – doch die britischen Prinzipien setzen nun einen eigenen Maßstab.
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Immerhin: 18 EU-Staaten unterzeichneten am 8. Juni eine gemeinsame Erklärung für grenzüberschreitende Tests autonomer Lastwagen. Die EU stellt dafür 2026 rund 20 Millionen Euro für digitale Infrastruktur bereit.
Wirtschaftliche Perspektiven
Das Verkehrsministerium sieht enormes Potenzial: Der Sektor könnte bis 2035 rund 38.000 qualifizierte Arbeitsplätze schaffen und Milliarden Pfund zur Wirtschaftsleistung beitragen. Darüber hinaus verspricht die Technologie mehr Mobilität für Ältere und Menschen mit Behinderungen – und unterstützt das langfristige Ziel von null Verkehrstoten und Schwerverletzten.
