Autokatalyse: Soais Verfahren erzeugt mehr als 99,5 Prozent einer Molekülform
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 05:12 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Chemie-Nobelpreis 2026 geht an Henri B. Kagan und Kenso Soai. Die beiden Forscher werden für ihre Entdeckung nichtlinearer Effekte und der Autokatalyse in der asymmetrischen organischen Synthese ausgezeichnet, wie Berichte vom 7. Oktober 2026 darlegen.
Ihre wissenschaftlichen Arbeiten gelten als grundlegend für das Verständnis von Chiralität und Homochiralität sowie für die gezielte chemische Synthese molekularer Spiegelbilder, die insbesondere für die pharmazeutische Wirkstoffentwicklung von zentraler Bedeutung sind.
Grundlagen nichtlinearer Effekte und asymmetrischer Katalyse
Moleküle können in spiegelbildlichen Formen vorliegen, die als Enantiomere bezeichnet werden. Kagan, 95 Jahre alt, zeigte bereits im Jahr 1986, wie chemische Reaktionen einen gezielten Überschuss einer Enantiomerenform beziehungsweise einer Spiegelbildform erzeugen können. Dabei stellte der Forscher fest, dass das Reaktionsprodukt reiner sein kann als der eingesetzte Katalysator.
Durch diese Entdeckung nichtlinearer Effekte gelang es ihm, Methoden zu entwickeln, die einen deutlich größeren Überschuss einer gewünschten Form lieferten, als nach klassischen Modellen zu erwarten gewesen wäre.
Der 76-jährige Soai knüpfte an grundlegende Fragestellungen der Chiralität an und entwickelte in den 1990er-Jahren eine selbstverstärkende Reaktion. Im Jahr 1995 beschrieb Soai eine potenziell homochirale Reaktion. Darauf aufbauend präsentierte er 2003 ein Verfahren, das praktisch enantiomerenrein verlief und bei dem nur eine der beiden Molekülvarianten gebildet wurde.
Bei dieser sogenannten asymmetrischen Autokatalyse fungiert das Reaktionsprodukt selbst als Katalysator und beschleunigt kontinuierlich die Bildung der eigenen Form. In entsprechenden Experimenten erreichte eine Variante mehr als 99,5 % des Endprodukts.
Die diesjährige Auszeichnung rückt ein Verfahren in den Fokus, das Wirkstoffentwickler direkt betrifft: Bei der asymmetrischen Autokatalyse beschleunigt das Reaktionsprodukt selbst die Bildung der eigenen Molekülform — in Experimenten wurden mehr als 99,5 % einer Variante erreicht. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen in 3 Schritten, wie Sie dieses Prinzip für enantiomerenreine Synthesen nutzbar machen. Kostenlosen Leitfaden zur chiralen Synthese anfordern
Bedeutung für Medikamente und biologische Fragestellungen
Die Erkenntnisse beider Preisträger besitzen erhebliche praktische Relevanz für die chemische und pharmazeutische Industrie. Zahlreiche Wirkstoffe basieren auf chiralen Molekülen, deren spiegelbildliche Varianten im menschlichen Körper grundlegend unterschiedliche Effekte hervorrufen oder toxisch wirken können.
Die Vermeidung unerwünschter Formen ist daher ein entscheidender Sicherheitsfaktor bei der Herstellung von Medikamenten. Darüber hinaus findet die Forschung Anwendung bei der Synthese von Duft-, Aroma- und Pflanzenschutzmitteln.
Trotz der Tragweite ihrer Arbeiten zur Homochiralität liefern die Erkenntnisse laut Fachberichten keine endgültige Erklärung für das Phänomen der biologischen Homochiralität in der Natur, bei der in lebenden Organismen fast ausschließlich bestimmte Enantiomere vorkommen.
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Dotierung und Verleihung der Auszeichnung
Die renommierte Auszeichnung ist mit insgesamt 12 Millionen schwedischen Kronen dotiert, was umgerechnet rund 1 Million Euro beziehungsweise rund 1,06 Millionen Euro entspricht. Die offizielle feierliche Verleihung des Preises an Henri B. Kagan und Kenso Soai ist für den 10. Dezember vorgesehen.
