Autoimmunerkrankungen: Nur 30 Prozent akzeptieren FND-Diagnose
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Einordnung neurologischer Symptome bei bestehenden Autoimmunerkrankungen stellt die medizinische Praxis vor erhebliche Herausforderungen. Eine Ende Oktober 2026 vorgelegte Untersuchung der University of East Anglia und der University of Cambridge verdeutlicht die diagnostische Unsicherheit sowie die psychische Belastung, die mit der Feststellung einer funktionellen neurologischen Störung (FND) einhergehen.
Die in der Fachzeitschrift Rheumatology International veröffentlichte und von The Lupus Trust finanzierte Forschungsarbeit basiert auf den Angaben von 1.853 Patienten, 400 Klinikern sowie 463 Mitgliedern der Öffentlichkeit, ergänzt durch qualitative Interviews.
Geringe Akzeptanz psychosomatischer Erklärungen
Die erhobenen Daten belegen eine deutliche Kluft zwischen medizinischen Klassifikationen und der Wahrnehmung der Betroffenen. Lediglich 30 Prozent der befragten Patienten stimmten einer Diagnose einer funktionellen neurologischen Störung zu. Eine rein psychosomatische Erklärung fand noch weniger Rückhalt: Nur 7 Prozent der Patienten akzeptierten diese Begründung für ihre Beschwerden.
Deutlich höher lag die Akzeptanz hingegen bei anderen Diagnosen. So stimmten 86 Prozent der Befragten der Feststellung einer Depression zu, während 53 Prozent eine Einordnung als Fibromyalgie akzeptierten. Diese Unterschiede verdeutlichen, dass bestimmte Krankheitsbezeichnungen im Kontext von Autoimmunerkrankungen auf erhebliche Vorbehalte stoßen.
Diskrepanzen bei Stigmatisierung und schwere psychische Folgen
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Ein zentraler Bestandteil der Untersuchung lag auf der Stigmatisierung psychischer und neurologischer Symptome. Dabei zeigte sich eine erhebliche Diskrepanz zwischen Fachpersonal und Patienten: Während 72 Prozent der Ärzte der Ansicht waren, dass psychische Symptome weniger stigmatisiert seien, wenn sie direkt durch eine körperliche Erkrankung verursacht werden, teilten nur 50 Prozent der Patienten und 48 Prozent der befragten Öffentlichkeit diese Einschätzung.
Die diagnostische Unsicherheit und die Art der Arzt-Patienten-Kommunikation können für Betroffene gravierende Konsequenzen haben. Der Untersuchung zufolge berichteten einige Patienten von Suizidgedanken, nachdem sie Konsultationen im medizinischen Umfeld als abweisend erlebt hatten. Die Befunde veranschaulichen die potenziell schwerwiegenden Belastungen, die durch unzureichende Kommunikation im Behandlungsverlauf entstehen können.
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Empfehlungen für eine ganzheitliche Versorgung
Aus den Ergebnissen leiten die beteiligten Wissenschaftler konkrete Empfehlungen für die klinische Praxis ab. Im Mittelpunkt steht die Forderung nach klareren und nachvollziehbareren Erklärungen bei der Diagnosestellung. Zudem sollten Behandelnde bestehende Unsicherheiten offen anerkennen, anstatt ungesicherte Einordnungen zu treffen.
Darüber hinaus empfehlen die Studienautoren eine multidisziplinäre Betreuung, um der Komplexität von Autoimmunerkrankungen und neurologischen Symptomen gerecht zu werden. Ebenso sei eine verstärkte Sensibilität für Geschlechter- und andere Verzerrungseffekte in der medizinischen Versorgung erforderlich, um Fehleinschätzungen und Fehlkommunikation künftig zu vermeiden.
