Auszubildende, Belastung

Auszubildende: Über 50% berichten psychische Belastung

Veröffentlicht am: 22.08.2026 um 10:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Erstmals meldet über die Hälfte der Auszubildenden psychische Belastung. Finanzielle Sorgen und Betriebsklima sind zentrale Treiber.

DGB-Bericht 2026: Mehrheit der Azubis fühlt sich psychisch belastet
Ein erschöpfter Auszubildender sitzt an einem Werkbankplatz in einem Betrieb und wirkt sichtlich belastet. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der im August 2026 veröffentlichte Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) offenbart eine kritische Lage für den Berufsnachwuchs in Deutschland. Erstmals gibt mehr als jeder zweite Auszubildende (50,6 Prozent) an, sich psychisch belastet zu fühlen.

Diese Entwicklung trifft auf eine Arbeitswelt, in der auch Unternehmen und Führungskräfte zunehmend mit den ökonomischen und gesundheitlichen Folgen von Stress und Burnout konfrontiert sind.

Strukturelle Belastungsfaktoren in der Berufsbildung

Die Ursachen für die hohe psychische Belastung unter den 13.227 für den Report befragten Teilnehmenden sind vielfältig. An erster Stelle stehen finanzielle Sorgen, die von 49,9 Prozent der Befragten angeführt werden. Mehr als zwei Drittel der Auszubildenden gaben an, nicht eigenständig von ihrer Vergütung leben zu können.

In diesem Zusammenhang wird die prekäre Wohnsituation für 35 Prozent der Befragten zum Problem. Eine zusätzliche Belastung droht laut dem Bericht in Baden-Württemberg, wo die geplante Streichung von Wohnzuschüssen zu Mehrkosten von bis zu 3.000 Euro pro Jahr führen könnte.

Neben monetären Aspekten belasten die Arbeitsbedingungen im Betrieb die psychische Gesundheit. Rund 20,9 Prozent leiden unter Leistungs- und Zeitdruck, während 19,6 Prozent Personalmangel als Belastungsfaktor nannten. Über ein Drittel der Auszubildenden (35,4 Prozent) leistet regelmäßig Überstunden. Zudem erreichte der Anteil derer, die ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten müssen, mit 16,3 Prozent einen neuen Höchststand.

Gesundheitliche Folgen und Präsentismus

Die Auswirkungen dieser Rahmenbedingungen zeigen sich in einem hohen Erschöpfungsgrad: 49,4 Prozent der Auszubildenden fühlen sich nach dem Arbeitstag erschöpft. Besonders kritisch wird das Phänomen des Präsentismus bewertet: 43,9 Prozent der Befragten geben an, trotz Krankheit zur Ausbildung zu gehen.

Die allgemeine Zufriedenheit mit der Ausbildung sank im Vergleich zu früheren Erhebungen um 6 Prozentpunkte auf 65,7 Prozent – den niedrigsten Stand seit zwei Jahrzehnten. In Branchen wie dem Hotelfach liegt dieser Wert mit 54 Prozent sogar noch deutlich darunter.

Ein entscheidender Faktor zur Abmilderung dieser Effekte ist laut der Datenlage die Betreuungsqualität. Während bei einer guten fachlichen Unterstützung nur 8,5 Prozent der Auszubildenden eine hohe Belastung empfinden, klagen 41,7 Prozent darüber, im Betrieb niemanden für vertrauliche Gespräche zu haben. Der DGB fordert daher neben einer besseren Unterstützung vor Ort auch eine Erhöhung der Mindestausbildungsvergütung.

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Wirtschaftliche Auswirkungen auf Unternehmen und Management

Die Problematik psychischer Belastungen beschränkt sich nicht auf den Berufsnachwuchs, sondern zieht sich durch alle Hierarchieebenen der Wirtschaft. Eine Arbeitsmarktstudie der AXA für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zeigt, dass vier von zehn Betrieben steigende Kosten durch Personalausfälle verzeichnen.

Dennoch ergreift jedes vierte KMU keine gezielten Präventionsmaßnahmen gegen psychisch bedingte Fehlzeiten. Es wurde jedoch beobachtet, dass Unternehmen mit einer auf Eigenverantwortung basierenden Führungskultur seltener von solchen Ausfällen betroffen sind.

Auch die Führungsebene steht unter erheblichem Druck. Eine Studie von Cohesity unter deutschen CEOs ergab, dass 60 Prozent der Befragten ein Burnout befürchten. Als wesentlicher Treiber wird hier der Druck durch Cybersicherheit genannt, auf den sich nur 49 Prozent der Geschäftsführer ausreichend vorbereitet fühlen.

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Kostenentwicklung und politischer Kontext

Die steigenden Gesundheitskosten werden zunehmend zu einem Standortfaktor. Analysen von Aon prognostizieren für das Jahr 2026 einen Anstieg der arbeitgeberseitigen Gesundheitskosten um 8,8 Prozent auf 14.432 US-Dollar je Beschäftigten. In Deutschland spiegelt sich diese Entwicklung in den steigenden Lohnnebenkosten wider, die zwischen 2015 und 2025 um 48 Prozent gewachsen sind.

Während eine Arbeitsstunde im Jahr 2025 durchschnittlich 45 Euro kostete, wird für 2026 ein Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge auf über 42 Prozent projiziert. In einem Brandbrief an die Bundesregierung forderten Wirtschaftsvertreter zuletzt Sozialreformen, um diese Beiträge wieder auf 40 Prozent zu senken.

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