Auszubildende: 51 Prozent berichten von psychischen Belastungen im Betrieb
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Übergang von der Schule in die Berufswelt konfrontiert Auszubildende zunehmend mit psychischen Herausforderungen. Daten aus dem DGB-Ausbildungsreport 2026 verdeutlichen das Ausmaß dieser Entwicklung: 51 Prozent der Auszubildenden berichten demnach über psychische Belastungen. Unter den stark betroffenen Auszubildenden denken 49 Prozent häufig über einen vorzeitigen Ausbildungsabbruch nach.
Finanzielle Sorgen und strukturelle Missstände belasten den Alltag
Die Ursachen für die mentale Beanspruchung liegen oft in den allgemeinen Lebensumständen, aber auch in den betrieblichen Rahmenbedingungen. Laut dem Report des Deutschen Gewerkschaftsbundes führt bei der Hälfte der Betroffenen die finanzielle Lage zu spürbaren Belastungen.
Gut ein Drittel leidet unter einer schwierigen Wohnsituation. Zudem belasten zusätzliche Verpflichtungen: Jeweils knapp jeder zehnte Auszubildende nennt einen Nebenjob, die Pflege von Angehörigen oder die eigene Kindererziehung als maßgebliche Faktoren.
Gleichzeitig stehen viele Auszubildende im Betriebsalltag vor strukturellen Defiziten. Nach den Erhebungen leisten 35,4 Prozent regelmäßig Überstunden, die im Durchschnitt 3,2 Stunden pro Woche betragen. Bei 16,3 Prozent gehören fachfremde Tätigkeiten immer oder häufig zum Arbeitsalltag. Zudem herrscht bei 37,1 Prozent der Auszubildenden selbst im dritten Ausbildungsjahr noch Unklarheit darüber, ob sie vom Ausbildungsbetrieb übernommen werden.
Konflikte am Arbeitsplatz und fehlende Ansprechpersonen
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Zusätzlichen Stress verursachen Zwischenfälle im Arbeitsumfeld. Laut dem Barometer Bildungswelt 2026 der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung erlebten oder beobachteten 42 Prozent der befragten Auszubildenden verbale Aggressionen.
Diskriminierung wurde von 37 Prozent wahrgenommen, während 28 Prozent Mobbing oder systematische Ausgrenzung registrierten. Zudem wurden 24 Prozent mit sexueller Belästigung und 14 Prozent mit physischer Gewalt konfrontiert.
Gleichzeitig fehlt es vielen Nachwuchskräften an verlässlicher Unterstützung. Den Ergebnissen des DGB zufolge haben 42 Prozent der Auszubildenden niemanden, an den sie sich bei Problemen wenden können. Nur knapp 60 Prozent der betroffenen Auszubildenden kennen überhaupt eine Anlaufstelle. Im DGUV Barometer gaben zudem 12 Prozent an, im Fall von Sicherheits- oder Gesundheitsproblemen spontan keine Ansprechperson zu wissen.
Betriebliche Prävention und Beratungsangebote gefordert
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Angesichts dieser Befunde fordert DGB-Bundesjugendsekretärin Nina Krüger niedrigschwellige Beratungsangebote sowie verpflichtende Fortbildungen zum Thema mentale Gesundheit für das Ausbildungspersonal.
Expertinnen wie Prof. Steffi Riedel-Heller von der Universität Leipzig, Mitautorin des aktuellen Fehlzeiten-Reports, weisen darauf hin, dass die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen im betrieblichen Alltag ihr Potenzial noch nicht voll ausschöpfe.
Während Arbeit durch Struktur und soziale Kontakte auch stabilisierend wirken könne, steige das Belastungsrisiko besonders dann, wenn hohe Anforderungen auf geringen Handlungsspielraum treffen. Präventive Ansätze müssten daher direkt an den Arbeitsbedingungen und der betrieblichen Kommunikation ansetzen.
