Australien: Rechenzentren müssen Netto-Stromerzeuger werden
Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 22:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die australische Regierung hat einen nationalen KI-Rahmen verabschiedet, der Betreiber dazu verpflichtet, als Netto-Stromerzeuger zu agieren. Die neuen Regeln, die Anfang der Woche vorgestellt wurden, sehen vor, dass die Unternehmen ihre eigene erneuerbare Energieinfrastruktur aufbauen müssen, um den rasant wachsenden Energiebedarf der Branche zu decken.
Neue Pflichten für Infrastruktur und Ressourcen
Das Gesetzespaket, das die Regierung bis Anfang 2027 umsetzen will, adressiert den enormen Energie- und Wasserverbrauch der Künstlichen Intelligenz. Premierminister Anthony Albanese betonte, Australien wolle das erste Land sein, das diese Anforderungen in einem einheitlichen nationalen Rahmen bündelt.
Neben der Netto-Stromerzeugungspflicht müssen die Betreiber künftig die vollen Kosten für ihren Netzanschluss tragen und zusätzliche Wasserinfrastruktur finanzieren. Zur Stabilisierung des Stromnetzes müssen die Anlagen zudem in der Lage sein, ihren Verbrauch in Zeiten extremer Netzbelastung zu reduzieren. Der Rahmen adressiert auch Standort- und Gemeinschaftsauswirkungen. Eine neue KI-Behörde im Ministerium des Premierministers soll die Politik koordinieren.
Die Regierung plant zudem, im Zuge dieser Regulierungsreform den Urheberrechtsschutz für Kreative zu stärken. Die Zustimmung des Nationalkabinetts wird für August 2026 erwartet.
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Erneuerbare versus Atomkraft
Der stellvertretende Technologieminister Andrew Charlton betonte die Notwendigkeit dieser Maßnahmen. Rechenzentren machten derzeit rund zwei Prozent des nationalen Stromnetzes aus. Dieser Bedarf werde sich voraussichtlich in den nächsten zehn Jahren verdreifachen.
Die Labour-Regierung setzt darauf, diesen massiven Energiebedarf durch erneuerbare Energien wie Solar und Wind zu decken. Minister Charlton wies Vorschläge für Atomkraft zurück und bezeichnete sie als kommerziell irrelevant für den aktuellen Bedarf der Branche. Die Opposition kritisiert diese Haltung und verweist auf globale Trends: Große Technologiekonzerne in den USA setzen zunehmend auf Atomkraft, darunter auch kleine modulare Reaktoren.
Im Bundesstaat New South Wales erwägt die Regierung offenbar, eine Gesetzeslücke im Strominfrastruktur-Fahrplan zu schließen. Derzeit können einige Großverbraucher, darunter Hyperscale-Rechenzentren, bestimmte Kosten der Energiewende umgehen – was die Haushalte über ihre Stromrechnungen tragen müssen.
Marktwachstum und Energiespeicher
Der Regulierungsvorstoß kommt in einer Zeit, in der Australien weiterhin eines der attraktivsten Länder für Rechenzentrumsinvestitionen ist – 2024 belegte das Land weltweit Platz zwei. Derzeit sind mehr als 160 Rechenzentren in Betrieb, weitere 90 befinden sich in der Entwicklung. Rund 80 Prozent der Kapazitäten konzentrieren sich auf Sydney und Melbourne.
Das Interesse der Branche bleibt trotz der neuen Anforderungen hoch. Das KI-Unternehmen Anthropic plant einen 1,4-Gigawatt-Campus in Australien und hat mehrere Anbieter um Angebote gebeten, darunter AirTrunk, NEXTDC, IREN, CDC Data Centres und Stack Infrastructure.
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Eine Analyse der Commonwealth Bank deutet darauf hin, dass der Anstieg der Rechenzentrumsnachfrage durch ein deutliches Wachstum der heimischen Energiespeicher ausgeglichen werden könnte. Zwischen Juli 2025 und Mai 2026 wurden 401.185 Haushaletsbatterien installiert – ein Anstieg von über 200 Prozent im Jahresvergleich. Prognosen zufolge könnte die zusätzliche Speicherkapazität im nationalen Strommarkt bis 2030 27 Gigawattstunden erreichen. Das würde eine Entladekapazität bieten, die den erwarteten neuen Bedarf von 1,3 Terawattstunden durch Rechenzentren bei weitem übersteigt. Die Bundesregierung hat diesen Trend kürzlich unterstützt, indem sie weitere 4,9 Milliarden Euro (umgerechnet) für ihr Haushaltsbatterie-Programm bereitstellte.
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