Auslandsinvestitionen: Deutschland zieht 86 Milliarden Euro an
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen am Standort Deutschland haben im Jahr 2025 eine deutliche Erholung verzeichnet. Nach Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) stiegen die Investitionen um 50 Prozent auf ein Gesamtvolumen von 86 Milliarden Euro (99,91 Milliarden US-Dollar). Damit liegen die aktuellen Zahlen rund 11 Prozent über dem Medianwert des Zeitraums von 2015 bis 2024. Die Entwicklung markiert eine Trendwende nach dem vorangegangenen Jahr, in dem noch ein Rückgang von 32 Prozent verzeichnet worden war.
Großbritannien verdrängt USA als wichtigster Investor
Innerhalb der Investorenstruktur kam es zu signifikanten Verschiebungen. Besonders deutlich stiegen die Zuflüsse aus Großbritannien. Mit einem Zuwachs von 284 Prozent auf insgesamt 26 Milliarden Euro entwickelte sich das Vereinigte Königreich zum wichtigsten Investor für die deutsche Wirtschaft. Britische Unternehmen hielten damit einen Anteil von 31 Prozent am gesamten Investitionsvolumen.
Im Gegensatz dazu war bei den Investitionen aus den USA ein deutlicher Rückgang zu beobachten. Die US-amerikanischen Zuflüsse sanken um 44 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro. In der Folge verringerte sich der US-Anteil am gesamten Investitionsaufkommen in Deutschland massiv: Lag dieser zuvor noch bei über 36 Prozent, beläuft er sich aktuell auf etwa 14 Prozent.
Europäische Partner stellen Großteil des Kapitals
Trotz der Verschiebungen bleibt Europa der wichtigste Kapitalgeber für den deutschen Markt. Insgesamt stammten über 80 Prozent des gesamten Investitionsvolumens aus europäischen Staaten. Andere Mitgliedstaaten der Europäischen Union investierten zusammen 43 Milliarden Euro. Dies entspricht zwar einem leichten Rückgang von 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorzeitraum, macht jedoch weiterhin mehr als die Hälfte der Gesamtsumme aus.
Während sich die Investitionsströme innerhalb Europas massiv verschieben, rücken neue Sicherheits- und Industriestrategien in den Fokus. Dieser kostenlose Report analysiert, welche Branchen von Europas milliardenschwerem Umbauprogramm am stärksten profitieren könnten. 800 Milliarden Euro Investitionswelle: Diese Branchen profitieren konkret
Neben den europäischen Kernmärkten zeigten sich auch in anderen Weltregionen Zuwächse. Saudi-Arabien und Chile verzeichneten ein Plus von jeweils 40 Prozent bei ihren Investitionssummen.
Die Zuflüsse aus China stiegen um 51 Prozent auf 199 Millionen Euro, was jedoch lediglich einem Anteil von 0,2 Prozent am Gesamtvolumen entspricht. Das IW gab in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass die Statistik grundsätzlich von starken Schwankungen und nachträglichen Revisionen geprägt sein könne.
Politische Risiken und neue Förderstrategien
Trotz der positiven Entwicklung im vergangenen Jahr wird die Attraktivität des Standorts in der politischen Debatte kritisch reflektiert. Bundeskanzler Friedrich Merz warnte mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor den Folgen eines möglichen Wahlsiegs der AfD.
Laut aktuellen Umfragen liegt die Partei dort bei 42 Prozent, während die CDU 22 Prozent erreicht. Ein solches Wahlergebnis könne nach Einschätzung des Kanzlers ausländische Investoren abschrecken. Merz bekräftigte zudem, dass eine Zusammenarbeit mit der AfD oder der Linkspartei ausgeschlossen bleibe.
Wer sich mit der strategischen Neuausrichtung des Standorts befasst, sollte auch die technologischen Treiber der kommenden Jahre kennen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, wie KI und Robotik die industrielle Basis verändern und welche Unternehmen dabei eine Schlüsselrolle spielen. Robotik und KI: So erkennen Sie die Profiteure der neuen Industrieära
Parallel dazu plant die Bundesregierung eine strategisches Neuausrichtung der Standortpolitik. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche kündigte an, die Außenwirtschaftspolitik resilienter und klarer zu gestalten. Hierzu sollen im Rahmen einer für Oktober geplanten Investorenkonferenz neue Regeln und Partnerschaften vorgestellt werden.
Zentraler Baustein dieser Strategie ist der sogenannte Deutschlandfonds. Dieser soll mit 30 Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln ausgestattet werden, um insgesamt 130 Milliarden Euro an privatem Kapital zu mobilisieren. Ziel sei es, verstärkt Investitionen in die Infrastruktur sowie in Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz und Deep Tech zu lenken.
