Ausbildungsreport, Azubi

Ausbildungsreport: Mehr als jeder zweite Azubi psychisch belastet

Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 18:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mehr als die Hälfte der Auszubildenden fühlt sich psychisch belastet. Finanzielle Sorgen und Wohnungsnot sind Hauptgründe, so der neue DGB-Report.

DGB-Ausbildungsreport 2026: Psychische Belastung bei Azubis erreicht Höchststand
Ein erschöpfter Auszubildender sitzt nachdenklich an einem Schreibtisch mit Dokumenten in einer spärlich eingerichteten Wohnung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der im August 2026 veröffentlichte Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zeichnet ein besorgniserregendes Bild der aktuellen Ausbildungssituation in Deutschland. Den Ergebnissen zufolge fühlt sich mit 50,6 % mehr als jeder zweite Auszubildende psychisch belastet. Als maßgebliche Faktoren für diese Entwicklung werden im Bericht finanzielle Sorgen sowie die schwierige Wohnsituation angeführt.

Wirtschaftliche Instabilität gefährdet Ausbildungserfolg

Ein zentraler Aspekt der Analyse ist die finanzielle Lage der Nachwuchskräfte. Demnach geben 49,9 % der befragten Auszubildenden an, dass finanzielle Sorgen ihre psychische Gesundheit beeinträchtigen.

Die Daten verdeutlichen die prekäre Lage: 65,3 % der Auszubildenden können von ihrer Vergütung nicht selbstständig leben. Ein Drittel ist auf finanzielle Unterstützung durch die Eltern angewiesen, während jeder achte Azubi zusätzlich einen Nebenjob ausübt, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Verschärft wird diese Situation durch wohnungspolitische Rahmenbedingungen. Für 35 % der Betroffenen stellt die Wohnsituation einen wesentlichen Belastungsfaktor dar.

In diesem Zusammenhang sorgt eine geplante Maßnahme im Bundesland Baden-Württemberg für Diskussionen: Das Land beabsichtigt, Wohnzuschüsse für Auszubildende mit einem Fahrtweg von mehr als zwei Stunden zu streichen. Experten kalkulieren, dass dies für die betroffenen Nachwuchskräfte eine finanzielle Mehrbelastung von bis zu 3.000 Euro pro Jahr bedeuten könnte.

Anzeige

Wer die Zufriedenheit und Bindung seiner Nachwuchskräfte stärken möchte, findet in diesem Leitfaden wertvolle Ansätze für eine strukturierte Begleitung während der ersten Monate. Mehr Azubis halten durch die Probezeit – mit diesem strukturierten Leitfaden für Ausbilder

Sinkende Zufriedenheit und strukturelle Mängel im Betrieb

Die allgemeine Zufriedenheit der Auszubildenden ist laut der Untersuchung auf 65,7 % gesunken. Dies stellt den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2006 dar und entspricht einem Rückgang um etwa 6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr, als der Wert noch bei 71,6 % lag. Die Analyse, für die 13.227 Auszubildende aus 25 Berufen befragt wurden, benennt zudem konkrete Belastungsfaktoren im Arbeitsalltag.

Rund 20,9 % der Befragten klagen über Leistungs- und Zeitdruck, während 19,6 % den herrschenden Personalmangel als Belastung empfinden. Weitere 19,2 % fühlen sich durch einen zu hohen Verantwortungsdruck unter Stress gesetzt.

Die Auswirkungen auf die physische und psychische Verfassung sind deutlich: 49,4 % der Azubis fühlen sich nach dem Arbeitstag erschöpft, und 43,9 % gaben an, trotz Krankheit zur Ausbildung erschienen zu sein. Zudem leisten 35,4 % regelmäßig Überstunden, und 16,3 % werden mit Tätigkeiten betraut, die nicht ihrem eigentlichen Ausbildungszweck entsprechen.

Anzeige

Eine klare Struktur und empathische Führung können entscheidend dazu beitragen, Ausbildungsabbrüche in schwierigen Phasen zu reduzieren. Dieser kostenlose Report zeigt auf, wie Betriebe die Weichen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit stellen können. Entscheidende Stellschrauben für eine motivierende Probezeit entdecken

Die Bedeutung der Betreuungsqualität und gewerkschaftliche Forderungen

Trotz der belastenden Gesamtsituation zeigt der Report auch protektive Faktoren auf. Eine qualitativ hochwertige Betreuung im Betrieb hat einen signifikanten Einfluss auf das Wohlbefinden der Nachwuchskräfte. Bei einer guten fachlichen Begleitung sinkt der Anteil der hoch belasteten Auszubildenden auf lediglich 8,5 %.

Dennoch bleibt die allgemeine Lage angespannt, was sich auch in den Beratungszahlen widerspiegelt. Die Beratungsstelle Azuro verzeichnete für das Jahr 2025 insgesamt 207 Langzeitberatungen, wobei das Betriebsklima der häufigste Anlass für die Kontaktaufnahme war.

Vor dem Hintergrund, dass im Jahr 2025 mit 476.000 neu geschlossenen Ausbildungsverträgen ein Rückgang um 2,1 % verzeichnet wurde, mahnt der DGB Reformen an.

Die Gewerkschaft fordert eine Mindestvergütung in Höhe von 80 % der jeweiligen tariflichen Ausbildungsvergütung sowie den verstärkten Bau von speziellen Wohnheimen für Auszubildende, um den finanziellen und psychischen Druck auf die Nachwuchskräfte zu mindern.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 69982302 |