Ausbildung: Mainz verbindet Medizin und Pflege auf einer Station
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 07:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wie eng Ärztinnen und Pflegekräfte im Klinikalltag zusammenarbeiten, hängt oft davon ab, wie gut sich die Berufsgruppen bereits in der Ausbildung kennenlernen. An der Unimedizin Mainz wird seit Mai 2026 ein Modell erprobt, das genau hier ansetzt: eine interdisziplinäre Ausbildungsstation, auf der Medizinstudierende und Pflege-Auszubildende gemeinsam Patientinnen und Patienten betreuen.
Zwei Zimmer als Testfeld für neue Zusammenarbeit
Das Pilotprojekt ist bewusst klein angelegt. Die Station umfasst zwei Patientenzimmer mit insgesamt vier Patienten. In diesem überschaubaren Rahmen sollen angehende Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte lernen, Verantwortung gemeinsam zu tragen, statt – wie in der klassischen Ausbildung häufig üblich – getrennt voneinander an denselben Patienten vorbeizuarbeiten.
Die Beteiligung der beiden Gruppen ist dabei unterschiedlich organisiert. Medizinstudierende im Praktischen Jahr betreuen die Patienten vier Wochen lang und müssen sich für einen Platz auf der Station bewerben – die Teilnahme ist also freiwillig und kompetitiv. Pflege-Auszubildende hingegen durchlaufen die Station drei Wochen lang, für sie ist die Teilnahme verpflichtender Bestandteil der Ausbildung.
Ziel: besserer Austausch zwischen den Berufsgruppen
Klinikdirektor Christian Lange erklärte, worum es dem Projekt im Kern geht: einen besseren Austausch zwischen den beiden Berufsgruppen zu ermöglichen.
Hintergrund ist die Beobachtung, dass Kommunikationsprobleme zwischen Medizin und Pflege in der klinischen Praxis immer wieder zu Reibungsverlusten führen – sei es bei der Übergabe von Informationen, bei Entscheidungen am Patientenbett oder im täglichen Stationsablauf.
Die Mainzer Ausbildungsstation zeigt, wie Medizinstudierende und Pflege-Auszubildende schon in der Ausbildung gemeinsam Verantwortung tragen. Unser kostenloser Praxisleitfaden übersetzt das Pilotprojekt in eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Ihr Haus — von der Stationsauswahl bis zur ersten gemeinsamen Übergabe. Kostenlosen Praxisleitfaden anfordern
Wenn angehende Fachkräfte schon während der Ausbildung lernen, auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten, könnte sich das langfristig auf die Versorgungsqualität auswirken.
Die gemeinsame Betreuung von Patienten durch Studierende und Auszubildende unterscheidet sich von klassischen Ausbildungsstrukturen, in denen beide Gruppen meist getrennte Lernpfade durchlaufen und sich erst im späteren Berufsleben regelmäßig abstimmen müssen. Die Mainzer Station soll diesen Übergang vorziehen und in einem geschützten Rahmen erproben.
Bedeutung für den Standort Rheinland-Pfalz
Die Unimedizin Mainz ist die einzige Universitätsklinik in Rheinland-Pfalz und nimmt damit im Bundesland eine besondere Rolle für die Ausbildung medizinischer und pflegerischer Fachkräfte ein. Ein Modellprojekt an dieser Stelle hat entsprechend Signalwirkung für die Ausbildungslandschaft im Land, auch wenn es zunächst nur einen kleinen Ausschnitt des Klinikbetriebs betrifft.
Als Pilotprojekt angelegt, ist die Station zunächst ein Testlauf. Ob und in welcher Form das Konzept ausgeweitet wird, hängt davon ab, welche Erfahrungen die Beteiligten in den kommenden Monaten sammeln.
Reibungsverluste bei der Übergabe zwischen Medizin und Pflege kosten Zeit und Qualität. Eine Checkliste für klare Rollen- und Übergabestrukturen hilft, bevor getrennte Lernpfade die spätere Zusammenarbeit erschweren. Checkliste für Übergabestrukturen sichern
Angesichts des demografischen Wandels und des damit verbundenen wachsenden Versorgungsbedarfs gewinnt die Frage, wie gut Medizin und Pflege zusammenarbeiten, zusätzlich an Bedeutung – gerade in der Versorgung älterer und chronisch kranker Patienten, bei denen enge Abstimmung zwischen den Berufsgruppen besonders wichtig ist.
Ob sich das Mainzer Modell auf andere Universitätskliniken übertragen lässt, bleibt vorerst offen. Die begrenzte Größe der Station – zwei Zimmer, vier Betten – macht deutlich, dass es sich um einen ersten, kontrollierten Schritt handelt, dessen Ergebnisse noch ausstehen.
