Augentransplantation, Patientin

Augentransplantation: Patientin nach 5 Jahren Blindheit sieht wieder

Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 03:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Erstmals wurde einer Patientin ein kompletter anatomischer Augenblock transplantiert. Die 67-Jährige kann nach dem Eingriff wieder Farben und Umrisse erkennen.

Turiner Ärzteteam: Erste erfolgreiche Augenblock-Transplantation
Ein hochmodernes Operationsmikroskop in einer sterilen Augenklinik zur Darstellung medizinischer Innovationen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Einem Ärzteteam in Turin ist eine medizinische Sensation gelungen. Erstmals wurde einer Patientin ein kompletter anatomischer Augenblock transplantiert – mit Erfolg.

Die Transplantation, die alles verändert

Im Ospedale Molinette in Turin operierte Michele Reibaldi eine 67-jährige Frau. Die Patientin war nach einem schweren Autounfall fünf Jahre lang blind. Das linke Auge hatte einen irreversiblen Sehnervschaden erlitten, das rechte ein schweres Trauma.

Die Lösung: Die Ärzte entnahmen gesundes Gewebe aus dem blinden linken Auge – Hornhaut, Lederhaut, Bindehaut und Makula. Diesen Block transplantierten sie auf das rechte Auge. Die Operation dauerte sechs Stunden.

Erste Ergebnisse sind vielversprechend. Das Gewebe wuchs an. Die Patientin kann wieder Farben sowie Umrisse von Personen und Gegenständen erkennen.

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Fachleute wie Camiel vom Amsterdam UMC betonen die Einzigartigkeit des Eingriffs. Eine wissenschaftliche Validierung und Langzeitergebnisse stehen allerdings noch aus. Der italienische Gesundheitsminister Schillaci spricht von einem Beleg für die Leistungsfähigkeit des nationalen Gesundheitssystems.

Mikrochip als Netzhaut-Ersatz

Parallel zu den chirurgischen Durchbrüchen gibt es Fortschritte bei der geographischen Atrophie – einer fortgeschrittenen Form der trockenen altersbedingten Makuladegeneration (AMD). Ende Juli 2026 erhielt ein neuartiges Netzhautimplantat die europäische Zulassung.

Der Mikrochip ist zwei mal zwei Millimeter groß und nur 30 Mikrometer dünn. Er wird unter die Netzhaut eingesetzt und wandelt Infrarotlicht in elektrische Signale um. Entwickelt wurde das System unter anderem von Frank G. Holz vom Universitätsklinikum Bonn.

Die klinischen Daten beeindrucken: Nach zwölf Monaten zeigten 84 Prozent der Teilnehmer eine messbare Verbesserung der Sehschärfe. Auf der ETDRS-Tafel konnten sie mindestens zehn zusätzliche Buchstaben lesen.

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Schluss mit monatlichen Spritzen

Auch bei der feuchten AMD gibt es Neuigkeiten. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfahl im Juli 2026 die Zulassung eines permanent implantierten, wiederbefüllbaren Systems zur Wirkstoffabgabe.

Das von Roche entwickelte Implantat gibt den Wirkstoff Ranibizumab kontinuierlich direkt im Auge ab. Es wird einmalig chirurgisch eingesetzt und nur alle sechs Monate nachgefüllt.

Eine Phase-III-Studie mit 415 Patienten belegte: Die Methode wirkt genauso gut wie die bisher üblichen monatlichen Injektionen in den Glaskörper. Für Patienten bedeutet das weniger Termine und eine geringere Belastung.

Die Augenheilkunde wird personalisierter und technischer. Während komplexe Verfahren wie in Turin Einzelfälle lösen, zielen Implantate und Depotsysteme auf die breite Versorgung chronisch Kranker ab.

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