Augenbefund, Vorhofflimmern

Augenbefund zeigt Vorhofflimmern: Vier Jahre vor der Diagnose

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 22:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine britische Studie verknüpft eine dünnere Netzhautschicht mit späterem Vorhofflimmern, betont aber: Das EKG bleibt unverzichtbar.

Netzhautbild kann späteres Vorhofflimmern Jahre zuvor anzeigen
Nahaufnahme der menschlichen Netzhautstruktur mit feinen Nervenfasern bei klinischer Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

Eine Studie von Forscherinnen und Forschern des University College London (UCL) und des Moorfields Eye Hospital, veröffentlicht in PLOS Digital Health, liefert Hinweise darauf, dass Veränderungen der Netzhaut mit einem späteren Auftreten von Vorhofflimmern zusammenhängen.

Die Arbeit stützt sich auf Daten von 90.190 Menschen aus zwei britischen Kohorten und zeigt, dass eine dünnere Netzhautschicht mit einem erhöhten Risiko für die Herzrhythmusstörung einhergeht.

Große Datenbasis aus zwei Kohorten

Für die Untersuchung wurden zwei Datensätze herangezogen: die AlzEye-Kohorte mit 50.651 Personen, von denen 5.735 Vorhofflimmern hatten, sowie die UK Biobank mit 39.539 Teilnehmenden, darunter 526 Betroffene.

Die AlzEye-Kohorte umfasst Patientinnen und Patienten ab 40 Jahren, die zwischen 2008 und 2018 erfasst wurden; rund 11 Prozent von ihnen hatten Vorhofflimmern.

Im Zentrum der Analyse steht die sogenannte mGCIPL – eine Kombination aus der Makula-Ganglienzellschicht und der inneren plexiformen Schicht der Netzhaut. Bei Menschen mit Vorhofflimmern fiel diese Schicht in der AlzEye-Kohorte im Schnitt um 1,96 Mikrometer dünner aus, in der UK Biobank um 1,19 Mikrometer.

Veränderungen zeigen sich Jahre vor der Diagnose

Besonders aufschlussreich ist die Längsschnittanalyse innerhalb der UK Biobank: Bei 39.013 Teilnehmenden wurde über einen Zeitraum von durchschnittlich 10,3 Jahren nachverfolgt, ob sich Vorhofflimmern entwickelte.

In diesem Zeitraum kam es zu 838 Neudiagnosen, die im Mittel 3,95 Jahre nach der Netzhautaufnahme gestellt wurden. Pro Standardabweichung, um die die mGCIPL dünner ausfiel, stieg die Rate späterer Diagnosen um 27 Prozent, bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 5 bis 54 Prozent.

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Die Studie aus London deutet darauf hin, dass eine dünnere Netzhautschicht ein Vorhofflimmern im Schnitt rund vier Jahre vor der Diagnose ankündigen kann – ein Fenster, das für Ihre Vorsorge zählt. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie das Augensignal einordnen, welche Warnzeichen Sie ernst nehmen und welche Fragen Sie beim nächsten Arztbesuch stellen. Kostenlosen Vorsorge-Leitfaden anfordern

Bei jenen, die später tatsächlich erkrankten, ließ sich die dünnere mGCIPL bereits im Schnitt vier Jahre vor einer Krankenhauseinweisung nachweisen. Die Netzhautveränderungen scheinen also nicht Folge, sondern Vorbote der Erkrankung zu sein – ein Zeitfenster, das für eine frühere Diagnostik interessant sein könnte.

Kein Ersatz für das EKG

Die Studienautoren betonen jedoch, dass der beobachtete Zusammenhang nicht als kausal zu verstehen ist und die Netzhautmessung ein EKG nicht ersetzen kann. Die Ergebnisse liefern vielmehr einen zusätzlichen Anhaltspunkt dafür, dass Augenuntersuchungen künftig als ergänzendes Werkzeug bei der Risikoeinschätzung dienen könnten – etwa im Rahmen ohnehin durchgeführter augenärztlicher Routineuntersuchungen.

Relevanz für Deutschland

Vorhofflimmern betrifft hierzulande schätzungsweise rund 2 Millionen Menschen. Der aktuelle Herzbericht der Deutschen Herzstiftung mit Daten aus dem Jahr 2024 zeichnet ein ähnliches Bild der Krankheitslast: Insgesamt gab es 509.490 vollstationäre Krankenhausbehandlungen wegen Herzrhythmusstörungen, mit rund 29.800 Todesfällen – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr von 493.636 auf 509.490 Fälle beziehungsweise von rund 520 auf 532 Fälle je 100.000 Einwohner.

Allein wegen Vorhofflimmern wurden rund 360.800 Menschen stationär behandelt, während rund 1,6 Millionen Menschen in Deutschland eine entsprechende Diagnose haben.

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Die Bedeutung frühzeitiger Erkennung unterstreicht auch eine weitere Zahl aus dem Herzbericht: 20 bis 30 Prozent der ischämischen Schlaganfälle werden auf Vorhofflimmern zurückgeführt. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Katheterablationen bei Vorhofflimmern zwischen 2019 und 2024 um 78,1 Prozent erhöht – ein Hinweis darauf, dass die Behandlungsmöglichkeiten ausgebaut wurden, eine frühzeitige Diagnose aber weiterhin entscheidend bleibt.

Sollten sich die Befunde aus der britischen Studie in weiteren Untersuchungen bestätigen, könnte die Analyse von Netzhautbildern langfristig zu einem zusätzlichen Baustein in der Früherkennung von Vorhofflimmern werden – als ergänzendes Signal neben etablierten Verfahren wie dem EKG.

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de | wissenschaft | 70120664 |