Atomrückbau: Salem Robotics stellt 17-Milliarden-Markt in Aussicht
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Autonome Systeme und ferngesteuerte Roboter übernehmen zunehmend Aufgaben in Hochrisikobereichen – vom Atomkraft-Rückbau bis zum Katastrophenschutz. Die Branche verspricht mehr Sicherheit für Menschen und milliardenschwere Einsparungen.
Milliardenmarkt Atomrückbau: Software soll Strahlung messen
Das texanische Start-up Salem Robotics hat am 30. Juli eine Software vorgestellt, die Bestandsroboter wie den Vierbeiner Spot von Boston Dynamics in autonome Strahlungsmessgeräte verwandelt. Die hardwareunabhängige Lösung soll Arbeiter aus hochradioaktiven Zonen heraushalten. CEO Caleb Horan und CTO Janak Panthi beziffern den adressierbaren Markt auf über 17 Milliarden Euro.
In Großbritannien läuft parallel ein Jahrhundertprojekt: Die Atomruine Sellafield wird mit mobilen Robotern kartiert und gereinigt. Die Kosten sind auf umgerechnet rund 160 Milliarden Euro veranschlagt, die Arbeiten sollen bis 2125 dauern. Die Maschinen messen Strahlung und nehmen Wischproben. Am Standort Oldbury sortieren ferngesteuerte Roboterarme mit haptischem Feedback Brennelement-Schutt – ein Ansatz, der das teure Endlager-Volumen deutlich reduzieren soll.
Zentaur-Roboter statt KI: Teleoperation als Gegenentwurf
Während viele Hersteller auf künstliche Intelligenz setzen, geht die Firma Satyress Robotics einen bewussten Gegenweg. Ihr am 31. Juli vorgestellter „Threehalves"-Roboter verzichtet komplett auf KI-Autonomie und setzt auf direkte Fernsteuerung. Der 2,10 Meter große und 110 Kilogramm schwere Zentaur ist für Sichtkontakt-Einsätze bei Waldbränden und in Katastrophengebieten konzipiert. Werkzeuge wie Kettensägen und Bohrer lassen sich per Schnellkupplung montieren.
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Die kommerzielle Version soll frühestens in zwei Jahren erscheinen. Der Fokus auf Sicherheit ist kein Zufall: Die Forstwirtschaft zählt mit 110,4 TodesfälIen pro 100.000 Beschäftigten zu den gefährlichsten Berufen überhaupt.
Ebenfalls am 31. Juli präsentierte DEEP Robotics seinen Feuerwehr-Roboterhund Pulse. Das System navigiert mit LiDAR, Tiefenkameras und Infrarotsensoren eigenständig durch verrauchte und dunkle Umgebungen.
Militär setzt auf autonome Versorgung
Die US-Armee hat American Rheinmetall einen 18-Monats-Vertrag für das Projekt Sustainment erteilt. Gemeinsam mit den Partnern Harbinger, Forterra und Primordial Labs entstehen hybride, unbemannte Bodenfahrzeuge für den Nachschub – gesteuert per Sprachbefehl. Ziel: Soldaten aus der Gefahrenzone holen.
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Bei der Übung Project Convergence Capstone 6 auf Fort Irwin demonstrierte Safe Pro Group Ende Juli KI-gestützte Bedrohungserkennung. Das System identifiziert über 150 Sprengstofftypen aus Drohnenbildern. Die Datenbank umfasst 2,9 Millionen Aufnahmen; in der Ukraine kam die Technologie bereits bei mehr als 51.000 Detektionen zum Einsatz.
Die Marine Singapurs setzt künftig auf Unterwasser-Drohnen zur Minenabwehr in der Straße von Malakka. Die autonomen Fahrzeuge von RTsys verfügen über mehr als zwölf Stunden Akkulaufzeit und orten Minen per hochauflösendem Seitensicht-Sonar.
Indien und Türkei: Roboter im Alltagseinsatz
Das Bengaluru-Unternehmen Genrobotic weitet seinen autonomen Müllroboter Bandicoot auf die Metropolen Delhi, Mumbai und Chennai aus. 50 Einheiten sind bereits im Einsatz. Die Maschinen nutzen LiDAR und Computer Vision; der Leasingpreis liegt bei umgerechnet etwa 16.000 Euro für 24 Monate.
Im türkischen Bergwerk Tüprag sorgt autonome Kartierungstechnik von Exyn Technologies für Effizienzsprünge: Die Vermessungszeit sank von 40 auf fünf Minuten, die Abdeckung wuchs um 300 Prozent. Zuvor unzugängliche Erzvorkommen konnten erschlossen werden – und jede fünfte Nachvermessung entfällt komplett.
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