Atomanlage, Sellafield

Atomanlage Sellafield: Boston Dynamics Roboter dekontaminieren Kernkraftwerk

Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 20:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Vierbeinige Roboter übernehmen gefährliche Dekontaminationsarbeiten in Sellafield. Die NDA plant den Einsatz auf 18 weitere Standorte auszuweiten.

Sellafield setzt auf Roboter: Boston Dynamics Spot revolutioniert den Nuklear-Rückbau
Ein vierbeiniger Industrieroboter erkundet eine komplexe, industrielle Anlage mit Rohrleitungen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der britischen Atomanlage Sellafield hat der Einsatz spezialisierter Industrierobotik eine neue Phase erreicht. Vierbeinige Roboter des Typs Spot von Boston Dynamics werden nun routinemäßig für die Dekontamination und den Rückbau der Anlage eingesetzt. Ziel der Automatisierung ist es, die Strahlenbelastung für das Personal signifikant zu senken und die Effizienz bei der Bewältigung eines der weltweit komplexesten nuklearen Altlastenprojekte zu steigern.

Technologische Präzision in gefährlichen Umgebungen

Die Einsatzgebiete der Roboter in Sellafield sind vielfältig und umfassen die 3D-Kartierung von Anlagenräumen, präzise Strahlungsmessungen sowie automatisierte Wischproben. Für letztere kommt eine patentierte Technologie namens Swab-Tool zum Einsatz, die von der Organisation RAICo entwickelt wurde. Diese Werkzeuge ermöglichen es, Oberflächenproben zu entnehmen, ohne dass Menschen die betroffenen Zonen betreten müssen.

Besondere Bedeutung kommt der Steuerungstechnik zu. Die Roboter werden unter anderem aus einem immersiven Raum ferngesteuert, wobei für die präzise Handhabung des Probenentnahme-Werkzeugs eine haptische Steuerung verwendet wird. Ein erster erfolgreicher Einsatz dieser Fernsteuerung unter Realbedingungen wurde bereits im März 2025 verzeichnet. Die Einführung in den Routinebetrieb im Jahr 2025 folgte auf eine mehrjährige Testphase, die zwischen 2021 und 2023 stattfand. Bevor die Roboter ihre Sicherheitszulassung für den nuklearen Bereich erhielten, war ein Vorbereitungsprozess von fünf Jahren erforderlich.

Wirtschaftliche Dimension und strategische Ausweitung

Das Projekt zur Beseitigung der Altlasten in Sellafield stellt eine langfristige finanzielle und technologische Herausforderung dar. Die Planungen für die vollständige Stilllegung reichen bis in das Jahr 2125, wobei die geschätzten Gesamtkosten bei 136 Milliarden Britischen Pfund liegen. Neben der Erhöhung der Sicherheit trägt der Robotereinsatz auch zur Kostenreduktion bei, da unter anderem die Menge an kontaminierten Abfällen, wie etwa Einweg-Schutzanzügen für Mitarbeiter, reduziert wird.

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Aufgrund der bisherigen Erfahrungen plant die Nuclear Decommissioning Authority (NDA), den Einsatz dieser Robotertechnologie auf insgesamt 18 Standorte auszuweiten. Damit wird die Automatisierung zu einer zentralen Säule der britischen Strategie für den Rückbau kerntechnischer Anlagen. Trotz des technologischen Fortschritts gibt es im Rahmen der Implementierung jedoch auch kritische Stimmen. So wurden Sicherheitsbedenken im Hinblick auf die Verwendung von Technologie aus den USA geäußert.

Partnerschaften für den nuklearen Sektor

Hinter der technologischen Integration steht eine enge Kooperation zwischen dem Roboterhersteller und spezialisierten Technologiepartnern. Das Unternehmen Createc aus Cockermouth agiert dabei als autorisierter Reseller und Integrationspartner für Boston Dynamics. Diese Zusammenarbeit besteht bereits seit dem Jahr 2020. Createc kombiniert die Mobilität des Spot-Roboters mit eigener Integrationstechnologie, um die spezifischen Anforderungen des Nuklearsektors weltweit sowie der britischen Industrie zu erfüllen.

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Der Geschäftsführer von Createc betonte in diesem Zusammenhang, dass die Schwerpunkte der gemeinsamen Entwicklung auf der Sicherheit und der zuverlässigen Datenerfassung in sensiblen Umgebungen liegen. Durch die Kombination von autonomer Navigation und spezialisierter Sensorik sollen Industrieroboter künftig noch komplexere Aufgaben in Umgebungen übernehmen, die für menschliche Arbeitskräfte unzugänglich oder zu gefährlich sind.

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