Atlas in Georgia: Hyundai testet humanoide Roboter unter Fabrikbedingungen
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Hyundai Motor Group und Boston Dynamics haben am 21. September 2026 das Robotics Metaplant Application Center im US-Bundesstaat Georgia eröffnet. Die neue Einrichtung am Standort des Hyundai Metaplant America in Bryan County dient als Trainings- und Testzentrum, um den humanoiden Roboter Atlas unter realen Bedingungen der Automobilfertigung zu erproben.
Praxistraining und technische Fähigkeiten des humanoiden Roboters
Mit dem Start hat Boston Dynamics die erste Phase des Testzentrums in Betrieb genommen. Atlas durchläuft dort derzeit Übungen zur Teileklassifizierung, Sortierung, Materialsequenzierung sowie Handhabung und Positionierung von Komponenten vor der Endmontage.
Eine reguläre Einbindung in die Produktionslinie findet noch nicht statt; menschliche Trainer steuern die Einheiten stattdessen per Fernbedienung. Die Hyundai Motor Group führt die dabei erfassten Trainingsdaten über ein Kreislaufsystem direkt an das zugrundeliegende KI-Modell zurück.
Der elektrisch angetriebene humanoide Roboter Atlas verfügt über eine Höhe von 1,9 Metern, eine Reichweite von 2,3 Metern sowie 56 Freiheitsgrade. Boston Dynamics beziffert die dauerhafte Traglast auf 30 Kilogramm und die Spitzenlast auf 50 Kilogramm.
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Bei einer Einsatzfähigkeit im Temperaturbereich von minus 20 bis plus 40 Grad Celsius erreicht das System eine Laufzeit von rund vier Stunden, unterstützt durch autonome Batteriewechsel. Das in Massachusetts ansässige Unternehmen kooperiert zudem mit Google DeepMind und plant für das kommende Jahr 2027 den Umzug des Trainingszentrums in ein etwa zehnfach größeres Gebäude.
Der Technologie- und Produktchef von Boston Dynamics, Zack Jackowski, betonte in diesem Zusammenhang das Bestreben, physische künstliche Intelligenz im industriellen Maßstab zu etablieren.
Langfristige Rollout-Pläne und industrielle Skalierung
Die Hyundai Motor Group, die rund 7,6 Milliarden US-Dollar in den Metaplant investiert und mehr als 500 Millionen US-Dollar für KI-Infrastruktur und Fachpersonal bereitstellt, verfolgt einen mehrstufigen Zeitplan.
Ab 2028 soll Atlas regulär für die Teile-Sequenzierung im Werk in Bryan County eingesetzt werden, bevor der Einsatz ab 2030 auf die Komponentenmontage sowie schwere und monotone Hebeaufgaben ausgeweitet werden soll. Für die zweite Jahreshälfte 2029 plant der Konzern den Einsatz im Kia-Werk in Georgia, gefolgt von einer globalen Einführung.
Insgesamt plant die Hyundai Motor Group über die kommenden Jahre den Einsatz von 25.000 Atlas-Einheiten in den weltweiten Werken von Hyundai und Kia. Zudem strebt die Gruppe bis 2028 den Aufbau einer US-Robotikproduktion mit einer Jahreskapazität von 30.000 Einheiten an.
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Im bestehenden Werk bewegt der Konzern Teile bereits mit mehr als 500 fahrbaren Transportrobotern sowie über 50 Parkrobotern für fertige Autos. Das Gesamtsystem stützt sich auf Konzerntöchter: Mobis liefert Aktuatoren, Hyundai und Kia betreiben die Fertigung, Glovis steuert die Logistik bei und AutoEver übernimmt die Systemintegration.
Gewerkschaftliche Bedenken und Marktumfeld
Trotz der Expansionspläne befindet sich die Kommerzialisierung humanoider Roboter in einer frühen Phase. Boston Dynamics, dessen vierbeiniger Inspektionsroboter Spot bei über 500 Kunden in 46 Ländern eingesetzt wird, ist bislang nicht profitabel. Zum aktuellen Status von Atlas wurden weder Erfolgsraten, Schichtdauern noch Sicherheitsstatistiken, Stückpreise oder die aktive Roboterzahl im Zentrum veröffentlicht.
Gleichzeitig formiert sich Widerstand der Arbeitnehmervertreter. Die südkoreanische Gewerkschaft von Hyundai forderte zu Jahresbeginn, keine Roboter ohne vorherige Vereinbarung in Fertigungslinien einzusetzen. Hyundai erklärte im Juli, dass der Einsatz in Korea nicht Gegenstand laufender Tarifverhandlungen sei und man sich zunächst auf Georgia konzentriere.
Auch die Kia-Gewerkschaft verlangt ein Gremium zur Wahrung der Arbeitnehmerrechte im Zeitalter der Automatisierung. Hyundai-Vizevorsitzender Jaehoon Chang stellte klar, dass der Mensch in der Produktion weiterhin essenziell bleibe.
Branchenweit steht die Technologie vor einem potenziellen Wachstumsschub: Während die International Federation of Robotics für 2025 weltweit nur rund 7.000 verkaufte humanoid Industrie- und Serviceroboter verzeichnete, prognostiziert Barclays Research für den humanoiden Robotikmarkt bis 2035 ein Volumen von rund 200 Milliarden US-Dollar.
