Atlas, GR3-Hand

Atlas GR3-Hand: Boston Dynamics setzt auf 13 Freiheitsgrade und vier Finger

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 03:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die vierfingrige GR3-Hand bietet mehr Bewegungsachsen als ihr Vorgänger; unabhängige Daten zu Leistung und Haltbarkeit fehlen bislang.

Boston Dynamics zeigt neue Atlas-Hand GR3 mit 13 Freiheitsgraden
Eine saubere industrielle Werkbank aus Metall mit einem Bohrer und verschiedenen Werkstücken in einer hellen Werkstatt. Illustration mit AI erstellt.

Boston Dynamics hat mit dem Modell GR3 eine Neuentwicklung für die Hände des humanoiden Roboters Atlas vorgestellt. Der Greifer verfügt über 13 Freiheitsgrade – fast doppelt so viele wie die Vorgängergeneration GR2, die sieben Freiheitsgrade aufwies. Die Konstruktion setzt auf vier Finger inklusive eines opponierbaren Daumens mit einer Hand mit vier Freiheitsgraden und soll die Geschicklichkeit bei komplexen manuellen Tätigkeiten spürbar steigern.

Konstruktion setzt auf vier Finger und Stoßdämpfung

Bei der GR3-Hand verzichtet der Hersteller bewusst auf den kleinen Finger. Wie Tests zeigten, entstand kein Verlust an Geschicklichkeit, wenn Ring- und kleiner Finger zusammengebunden wurden.

Im Gegenzug verringert die Reduzierung auf vier Glieder die mechanische Komplexität. Die Hand ist für Lasten von bis zu 45 kg ausgelegt und verfügt über rücktreibbare, stoßabsorbierende Gelenke, die mechanische Einwirkungen und Schläge bei der Arbeit abfedern sollen.

Für die Erfassung der Umgebung und die Steuerung von Berührungskräften sind Drucksensoren an den Fingerspitzen sowie auf der Handfläche verbaut. Ergänzt wird diese Sensorik durch ein propriozeptives System, das Rückschlüsse auf Gelenkpositionen und einwirkende Kräfte zulässt.

Ausgelegt ist das Gesamtsystem für taktile Manipulation, Pinch- und Dreipunktgriffe sowie den gezielten Einsatz von Werkzeugen. Das Training der Bewegungsabläufe erfolgt über menschlich aufgezeichnete Bewegungsdaten, Simulationen und Reinforcement Learning.

Werkzeugeinsatz in ersten Demonstrationen

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Bereits am 1. Oktober 2026 präsentierte Boston Dynamics erste Aufnahmen einer vierfingrigen Atlas-Hand, bei der die Maschine einen Bohrer einsetzte und Holz bearbeitete. Zusätzliche Video-Demonstrationen zeigten Atlas beim Hantieren mit einem Akkuschrauber, beim Drehen einer Mutter sowie bei der präzisen Handhabung kleinerer Gegenstände wie einem Drumstick und einem Golfball.

Trotz der gezeigten Fähigkeiten fehlen bislang unabhängige Leistungs- und Produktionsdaten. Boston Dynamics hat für die GR3-Hand bisher keine Zahlen zu Erfolgsquoten im industriellen Betrieb, Eingriffsraten, Lebensdauer, Reparaturintervallen oder Durchsatz veröffentlicht. Auch ist derzeit nicht bestätigt, ob die neue GR3-Hand bereits an jenen Atlas-Einheiten installiert ist, die derzeit im Testbetrieb trainieren.

Am 21. September 2026 hatte Boston Dynamics auf dem Gelände der Hyundai Motor Group Metaplant America nahe Savannah im US-Bundesstaat Georgia das Robotics Metaplant Application Center eröffnet. In dieser ersten Betriebsphase trainiert Atlas dort das Sortieren von Teilen für die Montage.

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Hyundai plant, in den kommenden Jahren zunächst 25.000 Einheiten des Roboters weltweit in Hyundai- und Kia-Werken einzusetzen. Am Standort in Georgia soll Atlas ab 2028 Teile sortieren und ab 2030 Komponenten montieren. Bis 2028 soll eine US-Fabrik des Konzerns jährlich 30.000 Roboter fertigen; das Trainingszentrum soll 2027 in ein rund zehnmal größeres Gebäude umziehen.

Konkurrierende Ansätze in der Robotik

In der Branche gibt es unterschiedliche Ansichten über die optimale Fingerzahl für humanoid Manipulatoren. Während Boston Dynamics auf vier Finger setzt, zeigte das Unternehmen Clone Robotics eine fünfgliedrige Hand auf Basis seines Systems Torso 3, die per Fernsteuerung bedient wird. Fünf Finger können theoretisch eine höhere Geschicklichkeit bieten, steigern jedoch den mechanischen Aufwand.

Clone Robotics will die Teleoperation nutzen, um menschliche Fingerfertigkeit zugänglich zu machen, bevor autonome Steuerungen ausreichend zuverlässig arbeiten. Für November 2026 plant Clone Robotics den Start des Modells Torso 4, das für stationäre Zweiarm-Aufgaben im Unternehmensumfeld vorgesehen ist. Ob dieses System Aufgaben vollständig selbstständig ausführen kann und wie es sich im dauerhaften Einsatz bewährt, bleibt offen.

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