Atlas-Fertigung, Boston

Atlas-Fertigung: Boston Dynamics will die Montagezeit auf eine Stunde senken

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 23:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Boston Dynamics entwickelt Atlas für größere Stückzahlen; die Montage soll nächstes Jahr rund eine Stunde dauern.
Ein moderner, hochpräziser Fertigungsbereich mit Werkbänken und mechanischen Komponenten in einer Industriehalle. Illustration mit AI erstellt.

Die Skalierung humanoider Roboter für den industriellen Einsatz erfordert grundlegende Anpassungen in der Produktion. Bei Boston Dynamics nimmt der Bau eines einzelnen Atlas-Roboters derzeit etwa einen Tag in Anspruch.

Wie Berichte zur Fertigungsstrategie des US-Unternehmens verdeutlichen, strebt der Entwickler für das nächste Jahr eine Reduzierung der Bauzeit auf rund eine Stunde an; langfristig soll der Prozess lediglich Minuten dauern.

Diese Zielmarken beziehen sich dabei spezifisch auf den Montageprozess des vorgestellten Roboters und nicht auf den gesamten Ausstoß fertiger Produktionslinien oder kommerzielle Liefertermine.

Integrierte Fertigungsmethoden und kurze Feedbackschleifen

Die Fertigung von Atlas stützt sich auf eine enge Verzahnung von Entwicklung und Herstellung. Boston Dynamics setzt bei der mechanischen Bearbeitung auf In-House-Präzision, um enge Toleranzen und spezifische Verzahnungen direkt vor Ort zu realisieren. Gefertigte Bauteile wechseln häufig noch am selben oder am folgenden Tag von der Zerspanung in die Montage und Reparatur.

Parallel zum Robotdesign entwickelt das Unternehmen die passenden Fertigungsmethoden. Dazu zählen die gezielte Werkzeugauswahl sowie die schrittweise Integration von Roboterarmen in den eigenen Montageablauf.

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Die kurzen Feedbackschleifen zwischen Konstruktion und praktischem Test ermöglichen fortlaufende Modifikationen. Ein knapp sechsminütiges Video zur Prototypenfertigung dient dem Unternehmen dabei zugleich als Instrument zur Rekrutierung von Fachkräften.

Neues Handdesign und industrielle Schlüsselkomponenten

Ein zentraler Schritt hin zu größeren Stückzahlen betrifft die Greifwerkzeuge. Boston Dynamics stellte eine neu gestaltete Hand für Atlas vor. Die frühere Generation mit drei Fingern war nicht für eine Massenproduktion in Zehn- oder Hunderttausender-Stückzahlen ausgelegt. Das neue System verfügt über vier Finger, 13 Freiheitsgrade sowie taktile Sensoren zur präzisen Erfassung von Form und Gewicht der gegriffenen Objekte.

Auch bei den Zulieferern zeichnen sich feste Strukturen ab. Hyundai Mobis fertigt alle 31 elektrischen Gelenkaktuatoren für Atlas, was laut Berichten rund 70 Prozent der Hardware-Stückliste ausmacht.

Die Prototypenfertigung startete im Forschungszentrum Uiwang in der Provinz Gyeonggi, während die Serienlieferung nach Tests bei Boston Dynamics bis 2028 vorgesehen ist. Lieferanten wurden zudem aufgefordert, Werkzeuge für 10.000 Einheiten vorzubereiten.

Für das Energiesystem wählte Boston Dynamics zylindrische 2170-Zellen von Samsung SDI. Jede Atlas-Einheit nutzt 70 dieser Zellen mit 5.000 Milliamperestunden im tabless-Design, was einem Akkupaket von etwa 1,3 Kilowattstunden entspricht – rund 1,6 Prozent der 84-Kilowattstunden-Batterie eines Hyundai Ioniq 5. Unter typischer Fabriklast liegt die Betriebsdauer bei zwei bis vier Stunden, der Ladevorgang dauert 90 Minuten.

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Atlas kann zudem autonom zur Station navigieren und den Akku in unter drei Minuten eigenständig wechseln. Samsung SDI liefert praktisch alle Erstvolumina, während LG Energy Solution als Zweitlieferant qualifiziert ist.

Erprobung im Werkseinsatz und Ausbaupläne

Die Praxistauglichkeit wird im Hyundai Metaplant America bei Savannah im US-Bundesstaat Georgia erprobt. Dort eröffnete Boston Dynamics das Robotics Metaplant Application Center, wo Atlas neben Werksmitarbeitern für Logistik, Teilesequenzierung und Bauteilmontage trainiert wird.

Zu den Funktionen gehören millimetergenaue Bauteilsortierung, mehrstündige Schichten, autonome Navigation ohne Bodenmarkierungen und simulationsbasiertes KI-Training in wenigen Stunden.

Unter CEO Rohit Prasad priorisiert das Unternehmen messbare Leistungsdaten vor Vorführungen. Im nächsten Jahr soll das Anwendungszentrum in ein zehnmal größeres Gebäude im Metaplant umziehen, wobei Chief Product & Technology Officer Zack Jackowski die Optimierung von Lieferkette, Produktion, Tests und Rollout hervorhebt.

Langfristig sind 25.000 Atlas-Einheiten für Hyundai- und Kia-Werke geplant, ergänzt durch ein neues US-Werk mit einer jährlichen Kapazität von 30.000 Robotern.

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