Atemwegsinfekte, Psychische

Atemwegsinfekte: Psychische Erkrankungen verdrängen Grippe als Ausfallgrund

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 14:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Analysen zeigen weniger Atemwegserkrankungen, zugleich bleiben Krankenstand und Impflücken bei Kindern sowie Senioren wichtige Themen.

Deutscher Lungentag 2026: Atemwegsinfekte und Impfstatus im Fokus
Ein nebliger Herbstwald mit goldenem Laub als Symbol für die beginnende kühle Jahreszeit und gesundheitliche Vorsorge. Illustration mit AI erstellt.

Der Deutsche Lungentag am 26. September 2026 rückt unter dem Motto „Infektionen der Atemwege und der Lunge: vermeiden, erkennen, behandeln“ die gesundheitliche Vorsorge für die kältere Jahreszeit in den Fokus.

Angesichts von jährlich etwa 20.000 Todesfällen durch Lungenentzündungen in Deutschland – Influenza, Covid-19 und Tuberkulose nicht eingerechnet – betonen Fachleute die Bedeutung einer frühzeitigen Infektprävention. Neben klinischen Empfehlungen geben aktuelle Analysen von Krankenkassen und Forschungsinstituten Einblick in das Infektionsgeschehen und den allgemeinen Krankenstand.

Aktuelle Trends beim Krankenstand und Atemwegserkrankungen

Eine Analyse der hkk für das erste Halbjahr 2026, die rund 610.000 krankengeldberechtigte Mitglieder umfasst, weist einen durchschnittlichen Krankenstand von 5,0 % aus. Dies entspricht einem Rückgang von 0,2 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.

Pro beschäftigter Person wurden im Schnitt 18,4 Fehltage registriert. Auffällig ist laut der hkk-Untersuchung, dass psychische Erkrankungen mit einem Zuwachs von 9,3 % erstmals die häufigste Ursache für Fehltage darstellten, während Atemwegserkrankungen um 19,6 % zurückgingen.

Im Bereich der Atemwegsinfekte lag die durchschnittliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit bei 5,8 Tagen je Fall. Dennoch bleibt das allgemeine Niveau der Krankheitstage hoch. Daten der AOK für das Jahr 2025 belegen durchschnittlich 23,3 Fehltage pro versicherten Beschäftigten.

Die Krankenkasse führt das seit 2022 bestehende hohe Niveau unter anderem auf die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zurück. Langzeiterkrankungen von mehr als sechs Wochen machen zwar nur einen geringen Teil der Fälle aus (bei der hkk 3,2 %), sind jedoch für fast die Hälfte aller Fehltage verantwortlich.

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Infektionslage und Impfempfehlungen für die Saison 2026

Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzte für die 36. Kalenderwoche 2026 rund 3,8 Millionen Menschen mit einer neu aufgetretenen akuten Atemwegserkrankung in Deutschland. Dies entspricht einer Quote von etwa 4.500 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. In der Herbst- und Winterzeit zirkulieren vermehrt Influenza-, Corona- und RS-Viren sowie bakterielle Erreger wie Pneumokokken.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Empfehlungen für das Jahr 2026 angepasst:
- Influenza: Empfohlen für Personen ab 60 Jahren, Schwangere und chronisch Kranke.

Neu aufgenommen wurden Personen mit häufigem Kontakt zu bestimmten Tierarten wie Schweinen oder Geflügel.
- COVID-19: Keine allgemeine Empfehlung mehr für gesunde Erwachsene; jährliche Auffrischungen sind für Menschen ab 75 Jahren sowie Risikogruppen vorgesehen.
- RSV: Eine einmalige Impfung wird für Personen ab 75 Jahren sowie für gefährdete 60- bis 74-Jährige empfohlen. Für Säuglinge ist eine passive Immunisierung vorgesehen.

Ein besonderer Fokus liegt auf Kindern mit chronischen Grunderkrankungen. Laut RKI-Analysen erhält derzeit nur etwa jedes zehnte betroffene Kind die empfohlene Grippeimpfung. Ohne eine Steigerung der Impfquote könnten in der kommenden Saison hochgerechnet 1,1 Millionen Kinder mit Vorerkrankungen ohne Schutz bleiben.

Praktische Maßnahmen zur Infektionsvermeidung

Zur Vorbeugung von Erkältungen raten Fachleute zu konsequenter Handhygiene, regelmäßigem Stoßlüften und der Vermeidung von engem Kontakt zu Erkrankten. Ergänzend dazu spielen Ernährung und das Raumklima eine Rolle.

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Die AOK weist darauf hin, dass Vitamin C eine Erkrankung nicht zuverlässig verhindert, aber die Dauer verkürzen kann. Zink könne bei frühzeitiger Einnahme Symptome abmildern. Empfohlen werden zudem Lebensmittel wie Kohlgemüse, rote Paprika, Beeren, Nüsse und Ingwer.

Für die Wohnraumgestaltung empfiehlt das Umweltbundesamt Temperaturen zwischen 19 und 20 Grad am Tag, um sowohl die Atemwege zu schonen als auch das Schimmelrisiko zu minimieren. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte idealerweise zwischen 40 und 60 % liegen, da zu trockene Heizungsluft die Filterfunktion der Schleimhäute beeinträchtigt.

Regionale Besonderheiten und zusätzliche Risiken

In Bayern startet die offizielle Grippesaison in der 40. Kalenderwoche. In München wird in diesem Zusammenhang ein niedrigschwelliges Impfangebot direkt auf dem Oktoberfest initiiert, bei dem Grippe- und Corona-Schutzimpfungen ohne Termin möglich sind.

In Österreich verzeichnen Gesundheitsbehörden zudem eine Zunahme von FSME-Infektionen. Bis Mitte September 2026 wurden 155 Fälle bestätigt, was über dem Gesamtwert des Vorjahres liegt.

Experten der MedUni Wien weisen darauf hin, dass Zecken bis zu Temperaturen von 5 bis 8 Grad aktiv bleiben und der Herbst daher ein geeigneter Zeitpunkt zur Überprüfung des Impfstatus ist. Nur 28 % der Geimpften in Österreich verfügen laut Marktforschungsdaten über einen aktuell gültigen Impfschutz.

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de | wissenschaft | 70155308 |