Asthma: Zwei Bakterienstämme vermitteln zwei Drittel des Schutzes
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forschende identifizieren Bakterien, die vor Atemwegserkrankungen schützen. Gleichzeitig liefern neue Studien wichtige Erkenntnisse zu Ernährung, Umweltfaktoren und Therapieansätzen.
Durchbruch beim Bauernhof-Effekt
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Prof. Markus Ege (LMU Klinikum/Helmholtz München) hat den Bauernhof-Effekt entschlüsselt. Die im Fachjournal NEJM Evidence veröffentlichte Studie zeigt: Kinder auf traditionellen Bauernhöfen erkranken seltener an Asthma und Allergien.
Analysen von über 1.000 Kindern – bestätigt durch Proben aus Frankreich und Finnland – identifizierten neun Gattungen gram-positiver Bakterien aus dem Kuhdarm als zentrale Schutzfaktoren. Besonders die Stämme Romboutsia timonensis und Glutamicibacter arilaitensis vermitteln zwei Drittel des Schutzes gegen Asthma und die Hälfte des Schutzes vor Heuschnupfen und Neurodermitis. Die Wirkung läuft über spezifische Rezeptoren wie AhR und PPAR?. Das Ziel: ein Medikament, das diesen natürlichen Effekt nachahmt.
Zucker verstärkt Asthma-Symptome
Eine Studie in Nutrients untersuchte an Tiermodellen den Einfluss zuckerreicher Ernährung auf bestehende Asthma-Erkrankungen. Bereits eine 15-tägige Gabe von Kondensmilch verstärkte allergische Entzündungen spürbar. Der Prozess beginnt im viszeralen Fettgewebe und führt über Leptin und Zytokine zur Wanderung von Entzündungszellen in die Lunge. Zucker ist demnach kein Auslöser, aber ein Verstärker der Symptomatik.
Gasherd ade: Weniger Asthma-Beschwerden
Eine Analyse in JACI: In Practice zeigt einen überraschend einfachen Hebel: Bei 85 Personen mit schwer kontrollierbarem Asthma verbesserte der Wechsel vom Gas- zum Elektroherd die Symptome deutlich. Der NO?-Wert in den Haushalten sank von 21,0 auf 6,3 ppb, der klinische ACQ-Wert zur Asthmakontrolle von 2,6 auf 1,5. Auch Notaufnahme-Besuche gingen in den zwei bis drei Monaten signifikant zurück.
Die neue Studie zeigt: Zwei Bakterienstämme aus dem Kuhdarm vermitteln zwei Drittel des Schutzes vor Asthma. Wie Sie diesen Effekt auch ohne Bauernhof nutzen können, erklärt der kostenlose Familien-Guide – mit Checkliste, Ernährungstipps und Haushalts-Hacks. Jetzt kostenlosen Familien-Guide anfordern
Intensität schlägt Dauer
Die Auswertung der UK-Biobank mit über 96.000 Teilnehmern liefert ein klares Signal: Für den Schutz vor Atemwegs- und Stoffwechselerkrankungen ist die Intensität der Bewegung entscheidender als die Dauer. Ein höherer Anteil intensiver Aktivität senkt das Risiko unabhängig vom Gesamtumfang.
Die DAK-Gesundheit meldet für Rheinland-Pfalz einen Rückgang des Krankenstandes auf 5,5 Prozent. Besonders auffällig: Die Fehltage wegen Atemwegserkrankungen sanken um knapp 25 Prozent. Parallel verstärkt das Helmholtz-Institut für One Health (HIOH) die Überwachung von Zoonosen. Eine klinische Überwachung in der Zentralafrikanischen Republik läuft bereits.
Antibiotikaresistenzen: Warnung aus dem Abwasser
Das HIOH wies nach, dass Resistenzen gegen das Antibiotikum Cefiderocol schon vor dessen Zulassung in Deutschland (2020) in klinischen Isolaten existierten. Zudem fanden Forscher in Wasserproben aus der Ostsee erhöhte Mengen multiresistenter Erreger nahe Kläranlagen.
KI gegen resistente Bakterien?
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Ein Hoffnungsträger: Forscher in Stanford generierten erstmals vollständige Bakteriophagen-Genome per KI. Von rund 300 Entwürfen erwiesen sich 16 Phagen als funktionsfähig und überwanden Resistenzen in E. coli-Bakterien. Fachleute mahnen jedoch strenge Biosicherheitskontrollen an.
Bei Vitaminen bleibt die Evidenzlage uneinheitlich. Während Vitamin E potenziell negative Effekte von Luftverschmutzung abmildern könnte, fehlen für eine allgemeine Empfehlung von Vitaminpräparaten bei Asthma weiterhin eindeutige klinische Belege.
