Asthma und COPD: Semaglutid reduziert Anfälle um 40%
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 00:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die medizinische Forschung untersucht zunehmend das Potenzial von GLP-1-Rezeptor-Agonisten über deren etablierte Einsatzgebiete wie Diabetes mellitus und Adipositas hinaus.
Aktuelle Auswertungen zur Anwendung von Wirkstoffen wie Semaglutid bei Patienten mit Asthma und der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) liefern Hinweise auf einen signifikanten therapeutischen Zusatznutzen. Im Mittelpunkt stehen dabei Daten des Imperial College London, die auf Fachkongressen Anfang September 2026 diskutiert wurden.
Ergebnisse der Auswertungen des Imperial College London
Eine umfassende Untersuchung unter der Leitung von Chloe Bloom vom Imperial College London analysierte den Einsatz von GLP-1-Wirkstoffen bei erwachsenen Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen in Großbritannien. Die Datengrundlage umfasste vier parallele Analysen, an denen jeweils etwa 20.000–22.000 Personen mit Asthma oder COPD teilnahmen. Die Ergebnisse wurden auf dem ERS-Kongress in Barcelona präsentiert.
Die Auswertungen deuten darauf hin, dass die Gabe von GLP-1-Präparaten das Risiko für akute gesundheitliche Verschlechterungen im Vergleich zur Behandlung mit Sulfonylharnstoffen um 14% reduzierte. Besonders deutlich zeigten sich die Effekte bei dem Wirkstoff Semaglutid: Hier wurde eine Assoziation mit 40% weniger Asthmaanfällen festgestellt. Bei Patienten, die unter COPD leiden, verringerten sich die Krankheitsschübe um 20%.
Neben Semaglutid wurden weitere Wirkstoffe der gleichen Klasse untersucht. Den Analysen zufolge führte der Einsatz von Exenatid zu einer Reduktion der Beschwerden um 23%, während für Dulaglutid ein Rückgang um 12% ermittelt wurde. Der stärkste beobachtete Effekt ergab sich dabei stets im direkten Vergleich zur Gruppe der mit Sulfonylharnstoffen behandelten Patienten.
Wissenschaftliche Einordnung und methodische Grenzen
Trotz der vielversprechenden Zahlen weisen die beteiligten Forscher des Imperial College London auf die methodischen Einschränkungen hin. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lassen die Ergebnisse keinen direkten Schluss auf eine Kausalität zu.
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Ein wissenschaftlicher Ursachenbeweis steht somit noch aus. Aus diesem Grund fordern die Experten die Durchführung randomisierter Studien, um die Effekte unter kontrollierten Bedingungen zu verifizieren.
Bis zum Vorliegen dieser weiteren klinischen Belege wird ausdrücklich davon abgeraten, bestehende Therapieregime eigenmächtig zu verändern. Die aktuellen Erkenntnisse dienen zunächst als Basis für die weitere pharmazeutische Forschung und klinische Erprobung.
Weitere internationale Studienresultate
Die Beobachtungen aus Großbritannien werden durch Daten aus anderen Regionen ergänzt. Eine dänische Kohortenstudie, die 27.523 Asthma-Patienten umfasste, kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Auch hier wurden unter der Einwirkung von GLP-1-Wirkstoffen seltener auftretende Exazerbationen, also akute Verschlimmerungen der Krankheit, registriert.
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Zusätzlich liefert eine Untersuchung aus den USA Erkenntnisse zum Vergleich verschiedener moderner Wirkstoffe. In dieser Studie wurden zwei Gruppen mit jeweils 8.176 Personen verglichen, wobei die eine Gruppe Tirzepatid und die andere Semaglutid erhielt.
Das Ergebnis dieser Untersuchung zeigte jedoch keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Medikamenten in Bezug auf die respiratorischen Outcomes. Dies deutet darauf hin, dass die beobachteten positiven Effekte möglicherweise eine generelle Eigenschaft der Wirkstoffklasse der GLP-1-Rezeptor-Agonisten darstellen könnten.
