ASS, Darmkrebs

ASS und Darmkrebs: Studie senkt Rückfallrisiko von 15 auf 8 Prozent

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trumps tägliche Aspirineinnahme übersteigt übliche Präventionsdosen; Fachleute warnen vor Blutungen und raten von eigenmächtiger Langzeitanwendung ab.

Trump nimmt seit Jahrzehnten hoch dosiertes Aspirin: Risiken der Dauertherapie
Ein minimalistischer, klinisch sauberer Untersuchungsraum mit einem Stethoskop auf einem Beistelltisch. Illustration mit AI erstellt.

Aussagen von US-Präsident Donald Trump über seine jahrzehntelange Einnahme hochdosierter Schmerzmittel haben die Debatte über den Nutzen und die Risiken einer dauerhaften Vorbeugung mit Acetylsalicylsäure (ASS) neu entfacht.

Am 3. Oktober 2026 wurde bekannt, dass der 80-jährige Politiker nach eigenen Angaben seit mehr als 25 Jahren täglich 325 mg Aspirin zur Vorbeugung von Herzproblemen einnimmt. Gelegentlich erwähnte er auch eine Dosis von 386 mg. Kardiologen empfehlen zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen üblicherweise eine Niedrigdosis von 81 mg.

Mediziner und Fachorganisationen bewerten eine eigenmächtige Dauereinnahme kritisch, da Acetylsalicylsäure schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen kann.

Trumps Medikation und medizinische Bedenken

Trump begründete seine Routine am 3. Oktober 2026 bei einem Wahlkampfauftritt in Ohio damit, dass er die Einnahme vor allem aus psychologischen Gründen brauche. Bereits im Januar erklärte er gegenüber der New York Times, er wolle dünnes Blut durch sein Herz fließen lassen.

Der US-Präsident bezeichnet sich selbst als abergläubisch und lehnte Ratschläge von Medizinern ab, die Dosis auf 80 mg zu senken. Er bevorzuge Präparate des Herstellers Bayer und greife dabei gezielt zur großen Tablette.

In sozialen Netzwerken riefen die Angaben Verwunderung hervor, da Tabletten mit einer Stärke von 386 mg regulär nicht erhältlich sind. Gleichzeitig traten bei Trump seit Beginn seiner zweiten Amtszeit gesundheitliche Auffälligkeiten auf. Dazu gehören Einschlafen vor Kameras, geschwollene Knöchel, ein Hautausschlag am Hals sowie Blutergüsse und blaue Flecken an den Händen, die mit Make-up überdeckt werden.

Apotheker warnen grundsätzlich vor einem sorglosen Umgang mit dem Wirkstoff. Die Apothekerkammer Niedersachsen verweist insbesondere auf die Gefahr gefährlicher Magenblutungen bei unkritischer Langzeiteinnahme.

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Leitlinien der Kardiologie: Primär- versus Sekundärprävention

Internationale Fachgesellschaften ziehen eine klare Grenze zwischen dem Einsatz vor und nach einem kardiovaskulären Ereignis:

  • Primärprävention: Die US Preventive Services Task Force (USPSTF) rät Personen ab 60 Jahren ohne kardiovaskuläre Vorerkrankungen ausdrücklich von einer täglichen Einnahme zur Vorbeugung ab (Grad D), da das Blutungsrisiko den potenziellen Nutzen übersteigt. Bei Personen zwischen 40 und 59 Jahren mit einem Zehn-Jahres-KHK-Risiko von mindestens 10 Prozent sollte die Entscheidung individuell abgewogen werden (Grad C). Die Mayo Clinic unterstreicht ebenfalls, dass der Nutzen in der Primärprävention umstritten bleibt.
  • Sekundärprävention: Nach einem erlittenen Herzinfarkt oder Schlaganfall ist der therapeutische Nutzen hingegen klar belegt. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) empfiehlt bei etablierter atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder nach einem Infarkt lebenslang 75 bis 100 mg ASS pro Tag. Nach akutem Koronarsyndrom oder Stent-Implantation ist zunächst eine zwölfmonatige duale Plättchenhemmung vorgesehen, gefolgt von einer Monotherapie.

Wirkungsweise und dosierungsabhängige Effekte

Acetylsalicylsäure hemmt irreversibel die Enzyme COX-1 und COX-2. Da Thrombozyten keinen Zellkern besitzen und keine neuen Enzyme bilden können, hält die Hemmung der Blutplättchen für deren gesamte Lebensdauer von etwa 7 bis 10 Tagen an.

Die medizinische Wirkung variiert je nach Dosierung:
* 75 bis 150 mg/Tag: Hemmung der Thrombozytenaggregation (antithrombotisch)
* 300 bis 1000 mg/Tag: Schmerzlindernd und fiebersenkend
* 3 bis 4 g/Tag: Entzündungshemmend

Bei Schwangeren wird eine Dosis von 75 bis 150 mg pro Tag zwischen der 12. beziehungsweise 16. und der 36. Schwangerschaftswoche zur Vorbeugung einer Präeklampsie eingesetzt. Bei Kindern und Jugendlichen unter 16 bis 18 Jahren ist der Wirkstoff wegen des Risikos eines Reye-Syndroms kontraindiziert.

Zu den allgemeinen Risiken einer Dauertherapie gehören Magen-Darm-Blutungen, Magenreizungen, Geschwüre, intrakranielle Blutungen und hämorrhagische Schlaganfälle, wobei die Gefahren mit zunehmendem Alter steigen.

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Differenzierte Ergebnisse in aktuellen Studien

Neuere Forschungsprojekte untersuchen spezifische Patientengruppen. Eine Reanalyse der ASPREE-Studie an über 13.000 gesunden älteren Teilnehmern zeigte unter 100 mg Aspirin täglich bei den 20 Prozent mit dem höchsten polygenen Score für thrombozytenassoziierte Varianten eine geringere Demenzinzidenz als unter Placebo.

Gleichzeitig traten jedoch vermehrt schwere Blutungen auf. Die Studienautoren betonten, dass kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen sei und rieten von einer Selbstmedikation ab.

In der nordischen Phase-III-Studie Alascca unter Leitung von Prof. Anna Martling am Karolinska Institutet wurden 3.500 Patienten gescreent. Bei 626 Darmkrebspatienten mit einer Mutation im PI3K-Signalweg, die nach der Operation drei Jahre lang täglich 160 mg einnahmen, sank das Rückfallrisiko von 15 Prozent auf 8 Prozent. Das Gesamtüberleben verbesserte sich absolut um 10 Prozentpunkte, bei lediglich vier Fällen von Nebenwirkungen.

Eine Untersuchung von Real-World-Daten bei über 14.500 Patienten mit Riesenzellarteriitis zeigte zudem, dass die Gabe von 75 bis 300 mg ASS innerhalb von zwei Wochen nach der Diagnose schwere kardiovaskuläre Ereignisse senken kann.

Nach einem Jahr stieg jedoch das Risiko für gastrointestinale Blutungen. Nach drei Jahren blieb der kardiovaskuläre Schutz bestehen, während der anfängliche Überlebensvorteil verschwand. Die Autoren sehen hierin jedoch keine Basis für allgemeine Behandlungsempfehlungen.

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