ASML, Tata

ASML und Tata bauen Indiens erste Chipfabrik: 10 Mrd. Euro

26.05.2026 - 12:30:33 | boerse-global.de

ASML und Tata bauen gemeinsam Indiens erste kommerzielle Chipfabrik in Gujarat. Das Milliardenprojekt soll ab 2028 Chips für Auto, KI und Mobilgeräte fertigen.

ASML und Tata bauen Indiens erste Chipfabrik: 10 Mrd. Euro - Foto: über boerse-global.de
ASML und Tata bauen Indiens erste Chipfabrik: 10 Mrd. Euro - Foto: über boerse-global.de

Der niederländische Lithografie-Spezialist ASML und Tata Electronics bauen gemeinsam Indiens erste kommerzielle Chipfabrik.

Die Unternehmen unterzeichneten am Montag eine entsprechende Absichtserklärung. Ziel ist die Ausstattung der hochmodernen Fertigungsanlage im Dholera-Industriegebiet im Bundesstaat Gujarat mit fortsrittlichen Belichtungssystemen. Das Projekt ist Teil einer umfassenden Strategie, Indien als globalen Produktionsstandort für Halbleiter zu etablieren.

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Milliardenprojekt mit Zukunftstechnologie

Im Zentrum der Kooperation steht eine 300-Millimeter-Fabrik in Dholera. Mit Investitionen von umgerechnet rund zehn Milliarden Euro soll die Anlage künftig Chips für die Automobilindustrie, Mobilgeräte und Künstliche Intelligenz fertigen. ASML liefert dafür zunächst Deep-Ultraviolet-Systeme (DUV), mittelfristig ist auch der Einsatz der extrem teuren Extreme-Ultraviolet-Technologie (EUV) geplant.

Die Vereinbarung umfasst weit mehr als nur die Geräte-Lieferung. Beide Partner wollen gemeinsam Fachkräfte ausbilden, widerstandsfähige Lieferketten aufbauen und eine Forschungsinfrastruktur schaffen. Tata arbeitet zudem bereits mit dem taiwanesischen Hersteller Powerchip zusammen, der Prozess-Technologien von 28 bis 110 Nanometern beisteuert. Der Bau läuft, Experten rechnen mit der Betriebsaufnahme 2028.

Parallel entsteht in Dholera ein weiteres Prestigeprojekt: Die Firma Crystal Matrix baut eine Fabrik für Mini- und Micro-LED-Displays. Die Anlage umfasst Indiens erste Galliumnitrid-Halbleiterfertigung und ein Montagewerk. Die ersten Micro-LED-Bildschirme sollen in rund 22 Monaten vom Band laufen – und zwischen 1.200 und 1.500 direkte Arbeitsplätze schaffen.

Indiens erste Chip-Verpackungsfabrik läuft an

Während Dholera auf die Wafer-Produktion setzt, treibt Tata Electronics parallel die nachgelagerte Fertigung voran. Im nordostindischen Jagiroad (Assam) nahm das Unternehmen im April den ersten Bauabschnitt seiner Chip-Verpackungsanlage in Betrieb – ein Novum für Indien. Die Gesamtinvestition liegt bei umgerechnet rund drei Milliarden Euro.

Die Fabrik verfügt über einen Reinraum von knapp 93.000 Quadratmetern und soll bis Ende 2026 die volle Kapazität erreichen. Im Endausbau sind bis zu 48 Millionen Chips pro Tag möglich. Die Anlage bedient vor allem Kunden aus der Auto- und Industriebranche und könnte 15.000 direkte sowie 13.000 indirekte Jobs schaffen. Ein spezialisiertes Team aus dem südindischen Vemagal steuert den Technologietransfer.

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Auch im Bereich Spezialmaterialien tut sich etwas: In Khordha (Odisha) entsteht Indiens erste Siliziumkarbid-Fabrik. Die Tochterfirma SiCSem von Archean Chemical Industries unterzeichnete am 11. Mai eine Finanzierungsvereinbarung mit der staatlichen India Semiconductor Mission. Das Werk soll monatlich 5.000 Siliziumkarbid-Wafer und acht Millionen Verpackungseinheiten produzieren.

Neue Cluster und Rekord-Investitionen

Der Halbleiter-Boom zieht immer mehr Zulieferer und Partner an. Der Bundesstaat Tamil Nadu vereinbarte am Montag mit dem japanischen Präzisionshersteller MinebeaMitsumi den Bau einer Chip-Fabrik im Bezirk Tiruvallur – Investition: rund 220 Millionen Euro.

In Rajasthan laufen Gespräche über neue Anreize für die Elektronikfertigung. Der erste Chip-Cluster in Bhiwadi produziert bereits auf 20 Hektar jährlich rund 60 Millionen Chips. 20 weitere Unternehmen haben Investitionsanträge im Wert von über 130 Millionen Euro eingereicht.

Gujarat plant derweil einen neuen Elektronik-Cluster nahe Sanand. Auf 91 Hektar sollen sich Branchengrößen wie Micron Technology, Kaynes Technology und CG Power ansiedeln. Auch im Design-Sektor gibt es Bewegung: Cyient Semiconductors sicherte sich eine Finanzierungsrunde von Edelweiss, die das Unternehmen mit rund 460 Millionen Euro bewertet.

Strategischer Rahmen: Partnerschaft mit den Niederlanden

Die Tata-ASML-Allianz ist eingebettet in eine vertiefte diplomatische Zusammenarbeit. Bei einem Besuch von Premierminister Narendra Modi in den Niederlanden im Mai 2026 vereinbarten beide Länder eine Strategische Partnerschaft für 2026-2030. Die Halbleiter-Kooperation steht dabei neben Wasserstoff und Handel als zentrale Säule.

Die wirtschaftlichen Rahmendaten untermauern den Aufbruch: Im Fiskaljahr 2025/26 erreichten die ausländischen Direktinvestitionen mit umgerechnet rund 87 Milliarden Euro einen Rekordwert – ein Plus von 17 Prozent. Handelsminister Piyush Goyal meldete am 24. Mai weiter starke Exportzahlen. Das Handelsdefizit weitete sich jedoch auf umgerechnet rund 26 Milliarden Euro aus – ein klares Signal, warum die Regierung auf heimische Produktion setzt.

Ausblick: Vom Planen ins Produzieren

Die indische Halbleiterindustrie tritt in eine entscheidende Phase ein. Die India Semiconductor Mission hat mit einem Fördertopf von umgerechnet rund 8,5 Milliarden Euro in den letzten vier Jahren zwölf Großprojekte angeschoben. Mit dem Tata-ASML-Deal rückt nun die technische Umsetzung in den Fokus: die Installation der Lithografie-Systeme in Dholera und der Hochlauf der Verpackungsfabrik in Assam bis Jahresende.

Ob die Pläne aufgehen, hängt maßgeblich vom synchronen Wachstum der Lieferketten und der Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte ab. Die Zusage von ASML, in die Talententwicklung zu investieren, deutet auf eine langfristige Strategie hin: Indien soll fest in der globalen Chip-Wertschöpfungskette verankert werden. Ob die ersten Micro-LEDs und 300-Millimeter-Wafer tatsächlich 2027 und 2028 vom Band laufen, wird zeigen, ob das Land die technischen Hürden meistern kann.

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