Arztterminsuche, Versicherten

Arztterminsuche: 71 Prozent der Versicherten sehen ernste Probleme

Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 22:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine YouGov-Erhebung offenbart Hürden bei der Terminvergabe. Krankenkassen und Politik setzen auf digitale Versorgung, Telemedizin und Reformen.

Arzttermine in Deutschland: Umfrage zeigt Bedarf an digitalen Lösungen
Ein heller, moderner Wartebereich in einer Arztpraxis ohne Personen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Mehrheit der Versicherten in Deutschland hat ernsthafte Probleme bei der Arztterminsuche. Das zeigt eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag der Siegerland-Krankenkasse (SBK) unter 2032 Befragten.

71 Prozent bewerten die Suche nach medizinischen Terminen als oft schwierig. 58 Prozent empfinden den Zeitaufwand als belastend. Kein Wunder also, dass die Forderungen nach digitalen Lösungen laut werden.

Digitale Portale als Lösung?

73 Prozent der Befragten sprechen sich für ein zentrales Online-Portal aus. 74 Prozent wünschen sich einen besseren Überblick über verfügbare Arztkapazitäten. Die Umfrage zeigt auch eine soziale Schieflage: 80 Prozent gehen davon aus, dass Privatversicherte schneller Termine bekommen.

Die SBK reagiert bereits: Sie fordert ein digital gestütztes Primärversorgungssystem mit standardisierter Ersteinschätzung und Vergabe nach medizinischer Dringlichkeit. Schon im Juli integrierte die Kasse den Terminservice der 116117 in ihre App.

Streit um Krankschreibung

Niedersachsens Gesundheitsminister Philippi (SPD) attackiert derweil Pläne von Bundesgesundheitsminister Linnemann (CDU). Der will telefonische Krankschreibung und die Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag abschaffen. Philippi nennt das widersprüchlich und warnt vor überfüllten Wartezimmern.

Er fordert stattdessen ein starkes Primärarztsystem und mehr digitale Werkzeuge. Erste Projekte gibt es schon: In Cottbus entsteht am Berliner Platz ein Primärversorgungszentrum mit 1000 Quadratmetern Fläche. Nach einer Markterkundung im August und September soll es im zweiten Quartal 2028 eröffnen. Außenbezirke will man per Telemedizin anbinden.

Telemedizin und Apotheken

Die Plattform joviva vermittelte im ersten Quartal über 3600 Termine an 750 Sanitätshäuser. Seit dem 1. Juli dürfen auch Apotheken assistierte Telemedizin anbieten. Die Vergütung: 30 Euro für 2026/27, danach sinkt sie schrittweise auf 21,50 Euro ab 2029.

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Bei Künstlicher Intelligenz bleibt die Bevölkerung skeptisch. Eine Civey-Umfrage im Auftrag der Debeka zeigt: 43,7 Prozent befürworten KI als Arztunterstützung, 38,9 Prozent bei der Befundauswertung. Nur 5,2 Prozent sehen KI als erste Anlaufstelle für medizinische Fragen. Bei Krebsdiagnosen (27,1 Prozent) und psychischen Krisen (25,1 Prozent) lehnen viele den KI-Einsatz ab.

Kassen fordern Reformen

Ulrike Elsner vom Verband der Ersatzkassen (vdek) verlangt angesichts des erwarteten GKV-Etats von rund 380 Milliarden Euro Strukturreformen. Ihre Vorschläge: eine Zuckersteuer und ein Solidarausgleich zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung. Die Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung werden auf 80 Milliarden Euro geschätzt.

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Die AOK kritisiert die Preisgestaltung digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA). Unregulierte Preise im ersten Jahr – 2025 und Anfang 2026 durchschnittlich 595 Euro – sollen abgeschafft werden. Stattdessen fordert der Verband strengere Nutzennachweise durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) und ein Verbot kommerzieller Rezeptservices.

Die Digitalisierung der Verwaltung läuft derweil weiter: Seit Oktober 2025 müssen Ärzte Daten in die elektronische Patientenakte (ePA) eintragen. Bis Ende 2026 will die Bundesregierung medienbruchfreie Prozesse in den Gesundheitsämtern etablieren. Ob das gelingt, dürfte sich zeigen.

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