Arzttermine: GKV-Verband fordert digitale Plattform ohne Versicherungsstatus
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 21:33 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung fordert eine grundlegende Neuordnung bei der Vergabe von Arztterminen. Um die teils langen Wartezeiten für Kassenpatienten spürbar zu verkürzen, soll künftig ausschließlich der medizinische Bedarf und nicht mehr der Versichertenstatus über die Zuteilung von Terminen entscheiden.
Im Zentrum des Reformvorhabens steht nach den Vorstellungen des Verbands eine tagesaktuelle Plattform, auf der sämtliche Praxen einen festen Anteil ihrer freien Termine bereitstellen müssen. Bei der Vergabe über dieses System soll die bisherige Abfrage, ob Patienten gesetzlich oder privat versichert sind, vollständig entfallen.
Oliver Blatt, Vorstandschef des GKV-Spitzenverbands, verwies darauf, dass die 75 Mio. gesetzlich Versicherten den Großteil der ärztlichen Honorare aufbrächten, bei der Terminvergabe jedoch regelmäßig das Nachsehen hätten. Dies sei eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Den Begriff der Zweiklassenmedizin lehnte Blatt in diesem Zusammenhang jedoch ab.
Druck auf Bundesgesundheitsminister wächst
Die Debatte über ungleiche Wartezeiten sorgt auch in der Politik für Bewegung. Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) forderte, dass alle Versicherten in einer vertretbaren Frist einen Facharzttermin erhalten müssten. Extreme Unterschiede bei den Wartezeiten seien nicht hinnehmbar, auch wenn Frei weiterhin am Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung festhält.
Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte bereits vor knapp einem Monat von einem Gerechtigkeitsproblem bei der Terminvergabe gesprochen. Nun soll Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) Vorschläge für mehr Gerechtigkeit bei Facharztterminen ausarbeiten.
Der GKV-Spitzenverband will die Terminvergabe vom Versicherungsstatus lösen und alle Praxen zu einem festen Terminkontingent auf einer tagesaktuellen Plattform verpflichten. Wer als Kassen- oder Politik-Entscheider die Anforderungen früh einordnen will, findet hier die geplanten Eckpunkte, die politischen Fristen und die offenen Kapazitätsfragen in einer Analyse. Kostenlosen Leitfaden zur Terminplattform anfordern
Unterstützung für tiefgreifende Reformen kommt aus der Sozial- und Kassenlandschaft. Michaela Engelmeier vom Sozialverband Deutschland mahnte eine faire, bedarfsgerechte Versorgung ohne Mehrklassensystem an und nahm Frei bei seinen Ankündigungen beim Wort. Noch weiter ging TK-Chef Jens Baas, der am Freitag die vollständige Abschaffung des dualen Systems verlangte.
Finanzdruck und offene Umsetzungsfragen
Aus der Politik wurden zudem Vorschläge für eine zielgerichtetere Patientensteuerung angekündigt. Verzögerte Termine gelten insbesondere in Fachgebieten wie der Neurologie, Kardiologie oder Orthopädie als gravierende Hürde für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige.
Reformankündigungen allein verkürzen keine Wartezeit: Für Pflegebedürftige und Angehörige bleiben verzögerte Termine bei Neurologie, Kardiologie oder Orthopädie ein konkretes Versorgungsrisiko. Dieser Leitfaden zeigt, wie eine bedarfsgerechte Terminvergabe in der Praxis aussehen kann — und welche Regeln laut aktuellem Stand erst geplant oder noch umstritten sind. Leitfaden zur bedarfsgerechten Terminvergabe sichern
Flankiert wird die Termindiskussion von wachsenden finanziellen Belastungen im Gesundheitssystem: Der GKV-Schätzerkreis rechnet innerhalb eines Jahres mit einem Ausgabenanstieg der gesetzlichen Krankenversicherung von 370,1 auf 378,1 Mrd. Euro. Die FinanzKommission Gesundheit soll hierzu Reformvorschläge erarbeiten.
Für Hilfesuchende bringen die aktuellen Initiativen vorerst jedoch keine unmittelbare Entlastung. Vonseiten der Bundesregierung hieß es am 19. Oktober 2026, dass die Ankündigungen für Patienten zunächst keine kürzeren Wartezeiten bedeuteten. Sowohl die Ausgestaltung verbindlicher Regeln als auch Fragen zu praxisnahen Kapazitäten und dem genauen Zeitpunkt möglicher Verbesserungen bleiben weiterhin offen.
